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Manipulationen bei VW : So kam der Abgasskandal ans Licht

  • -Aktualisiert am

Abgasuntersuchung bei einem Golf: Bei Tests der Non-Profit-Organisation ICCT sind erstmals Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Bild: dpa

Wer kam Volkswagen eigentlich zuerst auf die Schliche? Einer kleinen Non-Profit-Organisation sind die Unregelmäßigkeiten schon früh aufgefallen. Dabei war sie Volkswagen anfangs gut gewogen.

          Man kann es zugespitzt so formulieren: Peter Mock hat den ganzen Prozess ins Rollen gebracht. Am vergangenen Freitag teilte die amerikanische Umweltbehörde EPA mit, dass Volkswagen eine spezielle Software eingesetzt hat, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests von Diesel-Fahrzeugen zu manipulieren. Doch der Skandal hat eine lange Vorgeschichte - und sie fängt bei Mock an.

          Peter Mock ist europäischer Geschäftsführer des International Council on Clean Transportation (ICCT), einer bislang eher unbekannten Non-Profit-Organisation, die Umweltbehörden mit wissenschaftlichen Analysen versorgt. Im Zuge dessen testet die ICCT auch regelmäßig den Schadstoffausstoß von Autos. Im vergangenen Jahr fielen Mock und seinen Kollegen Diskrepanzen bei europäischen Diesel-Modellen auf.

          Organisation wollte zeigen, wie sauber die Autos sind

          Von den Ergebnissen überrascht, schlug er seinem amerikanischen Kollegen John German vor, die Tests mit den gleichen Modellen in den Vereinigten Staaten zu wiederholen. „Wir hatten eigentlich keinen Grund, Verdacht zu hegen“, sagte German der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge. „Wir dachten, die Fahrzeuge wären sauber.“ Das ICCT hätte zeigen wollen, dass die deutschen Fahrzeuge in Amerika sauberer sind als in Europa, weil die Vorschriften dort strenger sind, so Mock im Manager-Magazin.

          Mercedes stellte offenbar kein Fahrzeug zur Verfügung, daher nahmen die Forscher nur die Modelle Passat (2013er) und Jetta (2012er) von Volkswagen sowie den BMW X5 unter die Lupe. Mit Geräten der West Virginia University ausgestattet, fuhren Testfahrer 1300 Meilen von San Diego nach Seattle, um den Emissionsausstoß unter realen Bedingungen zu untersuchen, berichtet Bloomberg. Während die Fahrzeuge etwa zeitgleich die Labor-Tests der kalifornischen Umweltbehörde (CARB) bestanden, erhielt German das überraschende Ergebnis: Der VW Passat überschritt die amerikanischen Stickstoffoxid-Emissionen um das 5- bis 20-fache, der VW Jetta gar um das 15- bis 35-fache. „Es war schockierend“, sagte German Bloomberg zufolge. Nur der BMW X5 bestand den Realitätstest. (Die ICCT-Studie lässt sich hier abrufen.)

          VW schob technische Probleme vor

          Daraufhin leitete die Organisation im Mai 2014 die Ergebnisse an die Behörden weiter, wie aus einem Schreiben der amerikanischen Umweltbehörde EPA an Volkswagen hervorgeht. Mit den Vorwürfen konfrontiert, schob der Konzern die Angelegenheit auf technische Mängel und rief im Dezember 2014 schließlich 500.000 Fahrzeuge freiwillig zurück - angeblich, um das Problem zu beheben. Doch die kalifornischen Umweltbehörde setzte die Testreihen des ICCT sowohl im Labor als auch auf der Straße fort. Die Werte waren immer noch deutlich zu hoch, und die Behörde stellte fest, dass keines der von VW vorgeschobenen technischen Probleme dafür verantwortlich war. Am 8. Juli teilte die kalifornischen Umweltbehörde Volkswagen und der EPA ihre Erkenntnisse mit. Das steht auch in einem öffentlich abrufbaren Schreiben der CARB an VW. Erst nachdem die kalifornischen Umweltbehörde und EPA damit drohten, die neuen 2016er-Modelle von VW nicht zu zertifizieren - eigentlich ein Routine-Vorgang - gab Volkswagen schließlich zu, Manipulationssoftware (sog. Defeat Device) eingebaut zu haben, die erkennt, wann ein Auto sich im Testzyklus befindet, und dann den Stickstoffoxid-Ausstoß senkt.

          Am vergangenen Freitag machten die beiden Behörden die Vorkommnisse schließlich öffentlich. Seitdem steht Volkswagen massiv unter Druck, die Aktie rutschte am Montag und am Dienstag jeweils um mehr als 20 Prozent ab.

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