https://www.faz.net/-gqe-9bdyi

Aufsichtsrat : Der Audi-Chef wird beurlaubt

  • Aktualisiert am

Der in Untersuchungshaft sitzende Audi-Chef Ruper Stadler bei der Bilanz-Pressekonferenz des Autokonzerns im März 2018 in Ingolstadt. Bild: AP

Der inhaftierte Audi-Chef Rupert Stadler wird beurlaubt. Sein Vertreter ist ein Mann, mit dem mancher gerechnet hatte.

          2 Min.

          Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot soll bei dem Autobauer vorläufig den Chefposten übernehmen. Der seit Montag inhaftierte Vorstandschef Rupert Stadler wird allerdings nicht geschasst: Am Dienstag teilte das Unternehmen mit, Stadler werde vom Aufsichtsrat beurlaubt. Schot „übernimmt mit sofortiger Wirkung kommissarisch den Vorstandsvorsitz von Audi“, hieß es in einer Stellungnahme. Stadler habe den Aufsichtsrat gebeten, von seinen Aufgaben als Audi-Chef und Volkswagen-Vorstandsmitglied vorübergehend entbunden zu werden. Die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi hätten der Bitte entsprochen.
          „Die Entbindung wird vorübergehend vorgenommen, bis der Sachverhalt geklärt ist, der zu seiner Verhaftung geführt hat“, teilte Audi mit.

          Eigentlich war dieser Schritt schon am Montag erwartet worden. Doch dann gingen die Beratungen ohne Ergebnis bis tief in die Nacht. In einer Telefonkonferenz wollten die Aufsichtsräte zügig entscheiden, wer vorübergehend an die Spitze der Ingolstädter VW-Tochtergesellschaft trete, verlautetet es aus Unternehmenskreisen. Direkt anschließend soll der Aufsichtsrat des VW-Konzerns die Entscheidung besiegeln. „Es ist klar, dass man eine Lösung heute finden muss“, hieß es. Am Montag hatten sich die Spekulationen verdichtet, dass der 57-Jährige Holländer Abraham Schot Audi interimistisch leiten soll. Aber auch Finanzchef Alexander Seitz war im Gespräch. Schot arbeitet seit vergangenem September
          als Vertriebsvorstand für Audi. Zuvor war er unter anderem für Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie bei Daimler tätig.

          Stadler gehört als Audi-Vorstandschef auch dem VW-Konzernvorstand an, deshalb waren beide Aufsichtsräte gefragt. Die Staatsanwaltschaft München hatte Stadler am Montagmorgen überraschend wegen Verdunkelungsgefahr in der Dieselaffäre verhaftet, er sitzt seither in Untersuchungshaft. Die Ermittler hatten bei den Durchsuchungen vor einer Woche nach eigenen Angaben Hinweise gefunden, dass der 55-Jährige möglicherweise auf Beweismittel, andere Beschuldigte oder Zeugen Einfluss nehmen könnte. Noch ist offen, wie lange er im Gefängnis bleibt.

          VOLKSWAGEN VZ

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Stadler wird aussagen

          Bei den Ermittlungen gegen Stadler hat die Staatsanwaltschaft München II laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ auch Telefonate von Stadler abgehört. Dies sei vor und nach einer Razzia bei Stadler vergangene Woche geschehen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Kreise von Verfahrensbeteiligten. Der Manager habe ein aus Sicht der Staatsanwaltschaft München II entlarvendes Telefonat geführt. Er habe sich in einer Art und Weise mit einem oder mehreren Audi-Kollegen unterhalten, die auf einen Vertuschungsversuch über das Ausmaß der Affäre schließen ließ.

          Der Audi-Chef soll spätestens am Mittwoch vernommen werden. Stadler habe Kooperationsbereitschaft signalisiert und wolle in Beisein seines Anwalts in den Vernehmungen Aussagen machen. Zunächst war nicht bekannt, wo Stadler einsitzt. Am Dienstagvormittag berichtete dann die „Bild“, der Audi-Chef sei nach seiner Festnahme in die Justizvollzugsanstalt Augsburg gebracht worden. Er befinde sich in einer Einzelzelle und dürfe weder Telefon noch Internet nutzen. Eine Frist für die Untersuchungshaft gibt es nicht, aber die Staatsanwaltschaft muss in Haftsachen beschleunigt arbeiten. Nach sechs Monaten muss das Oberlandesgericht auf jeden Fall prüfen, ob eine weitere Inhaftierung noch gerechtfertigt ist.

          Weitere Themen

          Neues Sicherheitsgesetzt führt zu ersten Festnahmen Video-Seite öffnen

          Hongkong : Neues Sicherheitsgesetzt führt zu ersten Festnahmen

          In Hongkong hat die Polizei erstmals einen Menschen auf Grundlage des neuen Sicherheitsgesetzes festgenommen. Der Mann wurde wegen des Besitzes einer Unabhängigkeitsflagge in Gewahrsam genommen. Erst am Dienstag hatte Peking sein umstrittenes Sicherheitsgesetz für die Sonderverwaltungszone verabschiedet.

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.