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Zu viele Unfälle : Singapur verbannt Elektroroller

Erst gab es lange Berichte in den staatlichen Medien über die folgenschweren Unfälle, nun folgte der Bann der Roller auf Gehwegen – was einem Verbot gleichkommt. Bild: dpa

Wegen vieler schwerer Unfälle zieht Singapur den Stecker und verbannt E-Scooter faktisch aus dem Stadtbild. Essenslieferanten sollen auf Fahrräder umsteigen.

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          Singapur macht Ernst im Ringen mit der Flut der Elektroroller: Der strenge südostasiatische Stadtstaat, der praktisch keine Radwege bietet, verbannt sie von den Bürgersteigen. Zu hoch sei die Verletzungsgefahr für Fußgänger aufgrund der fast lautlosen, schnellen Fahrzeuge.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Besonders betroffen von dem Quasi-Verbot sind die Lieferanten der Essens-Transportdienste, die Elektroroller nutzen. Nachdem sie gegen die Entscheidung protestierten, werden sie nun mit bis zu tausend Singapur Dollar (666,54 Euro) entschädigt. Damit sollen sie auf andere Verkehrsmittel wie Fahrräder oder Elektro-Fahrräder umsteigen.

          Singapur versteht sich als „Smart Nation“ und damit auch als Testlabor für neue Mobilität bis hin zu Drohnen. Einige Monate lang wurde die Stadt von Leihfahrrädern überschwemmt, die nach Gebrauch vor allem im Dschungel endeten. Daraufhin griff der Staat durch. Dann folgte die Flut der Elektroroller, die Gehwege versperren und immer wieder teils schwere Unfälle provozieren.

          Essenslieferanten sollen weitergebildet werden

          Nun greift die regulierende Hand des Staates erneut durch: Erst gab es lange Berichte in den staatlichen Medien über die folgenschweren Unfälle, nun folgte der Bann der Roller auf Gehwegen – was einem Verbot gleichkommt. Gemeinsam mit den drei großen Essenslieferanten Grab, Deliveroo und Food Panda legte die Regierung nun einen Fonds über 7 Millionen Singapur Dollar auf, aus dem geringverdienenden Essenslieferanten der Umstieg auf weniger aggressive Verkehrsmittel finanziert wird.

          Die Regierung zahlt jeweils dieselbe Summer für den Umstieg, die die Firmen bieten. Sie arbeiten dabei mit Herstellern von Fahrrädern zusammen, um die Kosten für die Lieferanten zu drücken. Diese müssen ihren Elektroroller an Sammelpunkten abgeben, um sich für die Hilfszahlung zu qualifizieren. Gleichzeitig bietet der Staat den Fahrern ein Bildungsprogramm an, um sich für einen besseren Arbeitsplatz zu qualifizieren.

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