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Höherer Schadstoffausstoß? : Umwelthilfe giftet gegen Hybride

  • Aktualisiert am

Klare Aussage in Berlin Bild: dpa

Die Deutsche Umwelthilfe hat ihr verbandseigenes Institut Plug-In-Hybride testen lassen – und im Praxisversuch eine deutliche Überschreitung der Normwerte nachweisen lassen. Aber auch viele moderne Benziner und Diesel kommen nicht gut weg.

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          Der Verbrauch und der Schadstoffausstoß von Hybridautos, aber auch von Benzinern und Dieseln sind höher als in den offiziellen Werten angegeben. Das ist die Erkenntnis aus einer Untersuchung, deren Ergebnisse die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch in Berlin bekannt gegeben hat.

          Demnach konnte das verbandseigene Emissions-Kontroll-Institut (EKI) bei vier Plug-In-Hybriden (Mercedes A250e, Porsche Cayenne E-Hybrid, Volvo XC40 T5, Volvo XC90T8) im Praxisversuch Überschreitungen der Normwerte nachweisen – in der Spitze seien es mehr als 600 Prozent gewesen.

          So habe mit 499 Gramm CO2 je Kilometer der als Hybrid steuerlich geförderte Porsche Cayenne das Fünffache des EU-Flottengrenzwerts emittiert, der allerdings nicht für einzelne Modelle verbindlich ist. Gefahren ist das EKI dabei im besonders verbrauchsintensiven Modus „Sport Plus“, gestartet wurde mit leerem Akku.

          Nicht nur bei den Klimagasangaben falsche Angaben

          Hohe Verbrauchs- und damit Abgaswerte kommen vor allem dann zustande, wenn dem Motor Leistung abgefordert wird und er zugleich als Generator den Akku lädt. Dagegen liegt der steuerlichen Förderung der Plug-in-Hybride die Idee zugrunde, dass kurze Strecken, etwa der tägliche Weg zur Arbeit, elektrisch zurückgelegt und die Akkus nachts am Stromnetz aufgeladen werden.

          Die mangelhafte Ermittlung des CO2-Ausstoßes versucht die DUH auch an konventionellen Fahrzeugen zu belegen. So habe der Benziner Audi A5 2.0 TFSI bei einem Test auf der Straße nach den Vorgaben des Prüfzyklus NEFZ (der auf dem Prüfstand ermittelt wird) Emissionen von 202 Gramm CO2 je Kilometer ergeben, der offizielle Wert liegt bei 149 Gramm. Realistischer sind die Werte nach dem neueren WLTP-Verfahren, die auch für die Besteuerung herangezogen werden.

          Die Messungen zeigten zudem, dass die Automobilkonzerne nicht nur bei den Klimagasangaben falsche Angaben machten, erklärt die DUH. Auch bei Untersuchungen auf Stickoxide (NOx) überschritten einige moderne Diesel- und Benzinautos im Test auf der Straße die gesetzlichen Grenzwerte um bis zu 50 Prozent. Die Zahlen des EKI zeigen aber zugleich, dass viele Benziner und Diesel im Fahrversuch erstaunlich nahe an den Prüfstandwerten lagen, teils sogar darunter.

          Fahrversuche schlecht zu standardisieren

          Das EKI hat für die Auswertung nach eigenen Angaben acht Benzin-Autos, darunter vier Plug-in-Hybride sowie sieben Diesel-Fahrzeuge insgesamt mehr als 100 Einzel-Abgastests auf der Straße unterzogen. Ergänzend wurden drei Modelle beim TÜV Nord auf einem Rollenprüfstand gemessen.

          Die DUH fordert aufgrund der Erkenntnisse, die Bevorzugung von Plug-in-Hybridfahrzeugen zu beenden und die aus ihrer Sicht absurden Labor-Testverfahren abzuschaffen. In Wirklichkeit zeigten die meisten Plug-in-Hybride auf der Straße CO2-Emissionen weit über denen vergleichbarer reiner Verbrenner. Von der Bundesregierung erwarte die DUH die Entscheidung, „diese Fehlsteuerung sofort zu beenden“, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Wir fordern einen Stopp dieser absurden Förderung klimaschädlicher Plug-in-Hybride“, sagte er.

          Nach Ansicht seines Vereins müssten das Messverfahren umgestellt und die Werte im realen Betrieb ermittelt werden. Denn nur die Realwerte könnten die Grundlage sein, um die Klimafreundlichkeit eines Fahrzeugs zu beurteilen. Problem dabei ist freilich, dass praktische Fahrversuche wegen unterschiedlicher Verkehrsbedingungen schlecht zu standardisieren sind, deshalb werden sie bislang nur ergänzend zu den Messungen auf dem Prüfstand herangezogen. DUH-Verkehrsberater Axel Friedrich sagte, er sehe Indizien für Abschalteinrichtungen. Belegen könne er dies aber nicht.

          Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Hier wird der offensichtliche Versuch gemacht, eine moderne Antriebsart zu diffamieren“, betonte der Verband. Plug-in-Hybride seien mit Null-Emissionen auf Strecken bis zu 70 Kilometern unterwegs, sofern die E-Akkus geladen seien. „Wenn allerdings ein Plug-in-Hybrid mit leerer Batterie und im extremen Sport-Modus gefahren wird, ergeben sich  wie bei herkömmlichen Verbrennern  höhere Verbrauchswerte.“

          Im städtischen Verkehr mit vielen Brems- und Anfahrsituationen hätten die Hybridautos im Übrigen gegenüber einem reinen Verbrenner nachweislich auch dann einen geringeren Verbrauch, wenn der Akku leer sei. Denn durch die Bremsenergie-Rückgewinnung werde Kraftstoff gespart. Die Messwerte der DUH seien „weder repräsentativ noch ein hilfreicher Beitrag zur Diskussion, wie die CO2-Emissionen im Verkehr nachhaltig gesenkt werden können“.

          Die Vertreter der Autobranche kommen am kommenden Dienstag in einer Videokonferenz zu Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und weiteren Mitgliedern der Bundesregierung zusammen. Dort soll es aber dem Vernehmen nach weniger um Prämien als um die Themen autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz gehen.

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