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Renault und Fiat-Chrysler : Entsteht hier ein neuer Super-Autokonzern?

Ein Fiat 500 vor dem Kolosseum in Rom Bild: Reuters

Renault und Fiat-Chrysler sprechen hinter den Kulissen über eine Kooperation. Welche Rolle Nissan dabei spielt, ist noch unklar. Französische Medien aber sprechen schon von dem „größten Autokonzern der Welt“.

          Der Poker um die Zukunft der Autohersteller Renault, Nissan und Fiat-Chrysler gewinnt eine neue Dynamik. Denn wie am Wochenende bekannt wurde, spricht der französische Autobauer Renault hinter den Kulissen über eine Kooperation mit dem Fiat-Chrysler-Konzern. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür bisher nicht, doch hat Renault dem Vernehmen nach für diesen Montag eine Verwaltungsratssitzung einberufen, in der die Gespräche mit Fiat-Chrysler besprochen werden sollen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Kürzlich war noch über eine Annäherung von PSA Peugeot-Citroën spekuliert worden, doch diese Verhandlungen haben bisher offenbar nicht gefruchtet. Stattdessen hat sich Renault in den Vordergrund geschoben. Dabei wird betont, dass die Gespräche auch jederzeit scheitern können. Unklar ist die Form der möglichen Annäherung; nur eine industrielle Kooperation zwischen Renault und Fiat-Chrysler gilt auch als möglich, zudem könnte der Renault-Partner Nissan erst in einem zweiten Schritt hinzugezogen werden, heißt es. Wenn es gar um eine Kapitalverflechtung gehen sollte, wäre die Konstellation nicht einfach.

          Fiat-Chrysler ist mit knapp 18 Milliarden Euro mehr wert als Renault mit seinen knapp 15 Milliarden Euro. Wie sich dazu der größte Renault-Aktionär, der französische Staat mit seinen 15 Prozent stellen würde, ist bislang unbekannt. In strategischer Hinsicht würde die Option mit Fiat-Chrysler dem Renault-Konzern indes den Weg auf den nordamerikanischen Markt eröffnen, denn dort besitzt das italienisch-amerikanische Gespann ein ausgedehntes Händlernetz. Bisher ist Renault in Nordamerika nicht vertreten. Zudem wären die Marken Jeep und Alfa Romeo eine ideale Ergänzung für das Portfolio verschiedener Konzerne.

          Mittelfristig nicht ohne einen Partner 

          In Verhandlungstaktischer Hinsicht ist die Nachricht von Kooperationsgesprächen zwischen Renault und Fiat-Chrysler auch eine Botschaft an die japanischen Aktionäre und Verantwortlichen des Nissan-Konzerns, des langjährigen Renault-Partners. Die Japaner hatten sich zuletzt zum Leidwesen der Franzosen gegen eine Vertiefung der Allianz sowie gegen eine Fusion gesträubt. Die Franzosen sind dagegen der Ansicht, dass nur eine enge Verzahnung zwischen Renault und Nissan eine Zukunft haben kann, zumal der japanische Hersteller seit geraumer Zeit schwach abschneidet. Die Gespräche mit Fiat-Chrysler, an denen die Japaner angeblich nicht teilnehmen, könnten daher das Signal sein, dass Renault über Alternativen zu Nissan verfügt.

          Die immer neuen Nachrichten über neue Verhandlungen des Fiat-Chrysler-Konzerns wirken ihrerseits wie ein Pokerspiel um die Zukunft des italienisch-amerikanischen Konzerns. Im vergangenen Jahr war immer wieder über einen Verkauf an den koreanischen Hyundai-Konzern spekuliert worden. Zuletzt war von einer Übernahme durch den französischen Autokonzern PSA die Rede. Nach Gerüchten in Italien war der gebotene Preis den italienischen Großaktionären, der Agnelli-Familie mit ihrer Holding Exor nicht hoch genug. Derzeit hält Exor an dem gesellschaftsrechtlich in den Niederlanden niedergelassenen Fiat-Chrysler-Konzern 29 Prozent der Aktien und 42 Prozent der Stimmrechte. Am Freitag war Fiat-Chrysler an der Börse rund 17,7 Milliarden Euro wert.

          Wenig Zweifel bestehen derzeit daran, dass Fiat-Chrysler mittelfristig nicht ohne einen Partner auskommt oder verkauft werden muss. Der langjährige Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne hatte schon vor Jahren verkündet, dass ein Autokonzern in Zukunft mindestens fünf bis sechs Millionen Autos produzieren müsse, um rentabel zu bleiben. Bei einer Strategiepräsentation im Jahr 2014 verkündete er, dass die Autoproduktion und der Absatz des Fiat-Chrysler-Konzerns von 4,4 Millionen Fahrzeugen je Jahr bis 2018 auf 7 Millionen wachsen würden.

          In Wirklichkeit verkaufte Fiat-Chrysler dann im jahr 2018 insgesamt 4,65 Millionen Autos. Während der zurückliegenden Jahre wurde etwa die versprochene Erweiterung der Modellpalette von Alfa Romeo nicht in die Tat umgesetzt, und der Palette der Stammmarke Fiat fehlen seit längerer Zeit neue Impulse. In Hybrid-Technik oder gar in die Entwicklung von Elektroautos hat Fiat-Chrysler bisher extrem wenig investiert. Renault-Nissan sehen sich auf diesem Gebiet dagegen als Pioniere.

          In französischen Medien war am Wochenende schon die Rede davon, dass nun am größten Autokonzern der Welt geschmiedet werde. Doch sollt es zu einer Allianz aus Renault, Nissan, Mitsubishi, Fiat und Chrysler kommen, stellte sich auch die Frage, ob eine so weitgefasste Verbindung für das Management nicht zu komplex werden könnte.

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