https://www.faz.net/-gqe-88asa

Volkswagen : Heute muss nur einer gehen

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Jetzt ist es offiziell: Matthias Müller wird neuer VW-Chef. Zudem kündigt der Konzern strukturelle Umbauten an. Aber gehen muss nur ein Vorstand.

          Der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller wird neuer Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns. Das haben Mitglieder des Aufsichtsrates nach ihrer Sitzung offiziell bekannt gegeben. Aufsichtsratschef Berthold Huber sagte, er habe Müller gebeten, die Spitze des Konzerns zu übernehmen, und Müller habe zugesagt. Huber bezeichnete den Skandal als „moralisches und politisches Desaster“ für den Konzern. Es habe „rechtswidriges“ Verhalten von Erfindern und Technikern gegeben. „Dafür entschuldige ich mich in aller Form bei unseren Kunden und der Öffentlichkeit“.

          • Dieser Artikel wird immer wieder aktualisiert. Die aktuellsten Updates finden Sie immer in unserem Liveblog.

          Der VW-Aufsichtsrat hatte seit dem Vormittag in Wolfsburg getagt. Erst gegen 18.30 Uhr traten Aufsichtsratschef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Großaktionär Wolfgang Porsche und der neue Chef Matthias Müller vor die Presse. Am Ende musste heute nur ein Vorstand gehen. Aufsichtsratschef Berthold Huber sagte, der Aufsichtsrat habe empfohlen, einige Mitarbeiter umgehend zu beurlauben. Das sei teilweise erfolgt. Aber die Ermittlungen sind noch nicht so weit, dass diese Mitarbeiter gekündigt worden wären. Namen nannte Huber nicht.

          In seiner ersten offiziellen Amtshandlung kündigte Müller an, der Konzern werde zu seiner Verantwortung stehen. „Wir können und werden diese Krise bewältigen“, sagte der bisherige Porsche-Chef. „Lassen Sie mich eines sagen: Zu keinem Zeitpunkt war die Sicherheit unserer Fahrzeuge oder unserer Kunden gefährdet“, fügte er hinzu. Bis zur Benennung eines Nachfolgers soll Müller zugleich Vorstandsvorsitzender von Porsche bleiben. Es gilt aber als so gut wie sicher, dass der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume den Sportwagenbauer demnächst leiten wird. Aus formalen Gründen wurde diese Personalie nicht schon heute geklärt, da der Aufsichtsrat von Porsche und nicht der VW-Aufsichtsrat dies beschließen muss. Das Gremium soll in der kommenden Woche in Stuttgart zusammenkommen.

          Matthias Müller wird neuer Vorstandschef von VW.

          Der VW-Aufsichtsrat beschloss zudem eine neue Führungsstruktur von Konzern und Marken sowie der Region Nordamerika. Die Märkte Vereinigte Staaten, Mexiko und Kanada werden in der neu geschaffenen Region Nordamerika zusammengefasst und „maßgeblich gestärkt“, schreibt VW in einer Pressemitteilung. Die Leitung übernimmt wie schon angenommen der bisherige Skoda-Chef Winfried Vahland. Er soll ab sofort auch dem Markenvorstand angehören. Die Nachfolge von Vahland als Vorstandsvorsitzender von Skoda übernimmt Bernhard Maier, der bislang Vertriebschef von Porsche war. Michael Horn dagegen wird - anders als bislang vermutet - weiter die amerikanischen Geschäfte vor Ort führen.

          Er muss gehen: Christian Klingler

          Den Konzern verlassen soll dagegen Vertriebs- und Marketingchef Christian Klingler - „im Zuge einer langfristig geplanten Strukturänderung und aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftsstrategie“. Das stehe allerdings nicht im Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen, schreibt das Unternehmen. Nachfolger von Klingler wird Jürgen Stackmann, bislang Vorstandsvorsitzender von Seat. Dort folgt ihm Luca de Meo nach, zurzeit Marketing- und Vetriebschef bei Audi.

          Volkswagen kündigte an, am 9. November in Berlin eine außerordentliche Hauptversammlung abzuhalten. Dort soll Hans Dieter Pötsch wie geplant zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden ernannt werden.

          Neben den personellen Veränderungen soll der Konzern auch strukturell umgebaut werden. VW schreibt, die Führungsstruktur solle „noch konsequenter nach dem technischen Baukastensystem“ ausgerichtet werden. Dieses enthalte je nach Fahrzeugsegment (Volumen-, Premium-, Sport- oder Nutzfahrzeug) standardisierte technische Grundlagen. Aufsichtsratschef Berthold Huber sagte: „Die neue Struktur stärkt Marken und Regionen, gibt dem Konzernvorstand den erforderlichen Raum für Strategie und Steuerung des Unternehmens und legt einen Schwerpunkt auf die gezielte Weiterentwicklung von Zukunftsthemen.“ Das Produktionsressort im Konzernvorstand, welches derzeit kommissarisch von Thomas Ulbrich geleitet wird, entfällt mit sofortiger Wirkung.

          Keine Angaben machte Volkswagen hingegen dazu, welche Modelle genau mit den manipulierten Motoren ausgestattet sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Diskussion der Demokraten : Politik in 60 Sekunden

          Die Kandidaten der Demokraten sind zur ersten Fernsehdebatte angetreten – die Masse der Bewerber machte eine Auseinandersetzung um politische Inhalte fast unmöglich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.