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Corona-Risiko im Nahverkehr : Pendlerstudie schließt Bus und Bahn als Virenschleuder aus

  • -Aktualisiert am

Durch das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen schützen sich Fahrgäste in Frankfurt vor dem Coronavirus. Bild: dpa

Viele Fahrgäste meiden den Nahverkehr aus Furcht vor einer Corona-Infektion. Eine Studie hat 600 Pendler begleitet und sieht in Bus und Bahn kein höheres Risiko als im Individualverkehr.

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          Verkehrsbetriebe und Verkehrspolitiker sind immer dem Bild des Nahverkehrs als Corona-Gefahrenherd entgegengetreten. Jetzt haben sie auch untersuchen lassen, wie berechtigt die Ängste sind, sich während der Fahrt im Bus und Bahn mit dem Corona-Virus anzustecken. Die neue Studie wird an diesem Montag vorgestellt und kommt zu dem Schluss, dass das Infektionsrisiko im öffentlichen Nahverkehr nicht höher als im Individualverkehr ist.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Untersuchung entstand im Auftrag des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen VDV und einem Großteil der Bundesländer. An den Kosten von 2 Millionen Euro hat sich der VDV zu 20 Prozent beteiligt sowie die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Federführung liegt beim Land Baden-Württemberg, welches 230.000 Euro der Ausgaben bezahlte.

          Das Ergebnis dürfte Pendler, Mitarbeiter und Politiker gleichermaßen beruhigen. Maike Schaefer (Grüne), Bremer Mobilitätssenatorin und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, nennt die Ergebnisse eine gute Nachricht für Stammkunden und Fahrgäste, die in den vergangenen Monaten auf Bus und Bahn verzichtet haben. „Es gab viel Misstrauen gegenüber dem Nahverkehr“, sagte sie der F.A.Z. Die Studie diene dazu, zu sehen, wie sicher der öffentliche Nahverkehr ist. „Wenn man zuhause mit bekannten Menschen beim Kaffeetrinken ohne Maske drinnen zusammensitzt, geht man ein höheres Infektionsrisiko ein, als wenn man mit Fremden in der Bahn fährt.“

          Das Berliner Forschungsinstitut Charité Research Organisation (CRO) hat seit Februar fünf Wochen lang 681 freiwillige Teilnehmer begleitet, die zwischen 16 und 65 Jahre alt sind und sich im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) rund um Frankfurt bewegt haben. Die Teilnehmer wurden gleichmäßig in eine Gruppe für den öffentlichen Nahverkehr und eine Gruppe für den Individualverkehr aufgeteilt, um deren alltägliche Fahrt von 15 bis 30 Minuten (einfache Fahrt) zur Arbeit, Ausbildung oder Schule zu verfolgen. Während des Untersuchungszeitraumes lag die Auslastung der RMV-Fahrzeuge im Tagesmittelwert bei etwa 47 Prozent.

          Kein erhöhtes Infektionsrisiko

          Zu Beginn und am Ende der Studie sind die Teilnehmer durch PCR-Testung (akute Infektion) oder Antikörpertestung (überstandene Infektion) medizinisch untersucht worden. Dabei fand das Forschungsinstitut keinen Unterschied im Hinblick auf ein mögliches erhöhtes Infektionsrisiko bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im Vergleich mit dem Individualverkehr. Regelmäßige Fahrten in Bussen und Bahnen führte demnach nicht zu einer höheren Ansteckungsgefahr. Die Studie begann nach einem positiven Votum der Ethikkommission der Berliner Ärztekammer. Ein solcher Ansatz soll im Rahmen von Covid-Untersuchungen im Mobilitätssektor bislang einzigartig sein. Die Teilnehmer führten auch ein digitales Tagebuch, über das zusätzlich zum Mobilitätsverhalten Kontakte, Erkältungssymptome oder die Einhaltung von Hygieneregeln im Nahverkehr festgehalten wurden.

          Nur mit Maske: Menschen steigen am Hamburger Hauptbahnhof in die S-Bahn.
          Nur mit Maske: Menschen steigen am Hamburger Hauptbahnhof in die S-Bahn. : Bild: dpa

          Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann erwartet angesichts des Studienergebnisses, dass die Menschen wieder mit einem besseren Gefühl und auf einer gesicherten Faktengrundlage in Bus und Bahn einsteigen können. „Der öffentliche Nahverkehr ist keine Virenschleuder und keine Gefahr“, sagte er der F.A.Z.

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