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Osterverkehr : Zu Ostern kehrt das Bahnchaos zurück

Ein ICE Mitte Februar in Erfurt Bild: dpa

In der Osterzeit plant die Bahn Vollsperrungen auf zentralen Strecken wie zwischen Frankfurt und Fulda. Das wirft ein Schlaglicht auf ein altes Problem: Gibt es eigentlich ein Baustellenmanagement beim Staatskonzern?

          3 Min.

          Ostern ist Reisezeit. Das weiß die Deutsche Bahn ganz genau, deshalb hat sie vorgeplant: 50 Sonderzüge setzt sie zwischen Gründonnerstag und dem Ende der Ferien am 24. April auf den Hauptstrecken zum Beispiel zwischen Berlin und München ein. Das hat sie in weiser Voraussicht schon Ende März in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Darin enthalten war auch der obligatorische Tipp: „Es empfiehlt sich eine Sitzplatzreservierung.“

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Empfehlenswert wäre außerdem: zusätzliche Verpflegung und jede Menge Geduld. Denn Ostern ist beim Bahnkonzern nicht nur Reisezeit, sondern auch Bauzeit – und das bedeutet nicht selten: Vollsperrung, zum Beispiel auf der Strecke zwischen Frankfurt und Fulda.

          Es fahren also nicht nur mehr Züge, sie fahren auch deutlich länger. Die überschaubare Fahrt zwischen Frankfurt und Kassel etwa wird sich eine Stunde länger hinziehen. Ebenso betroffen ist die Verbindung Berlin und München: Sonst eine Vorzeigestrecke, die sich im ICE in vier Stunden bewältigen lässt, dauert sie nun mit Vollsperrung zur besten Reisezeit zwei Stunden länger. Das sind nur die prominentes Beispiele, längst nicht alle. Der Güterverkehr wird auf der Strecke zwischen Mannheim, Karlsruhe und Freiburg hart betroffen.

          Fehlplanung schon lange ein Thema

          Zu dieser Information veröffentlicht die Bahn keine Pressemitteilung. Die Verlängerung erfährt der Kunde eher nebenbei im Buchungsportal, wenn er ungläubig auf die aufgeblähten Reisezeiten starrt. Die Information bekommt auch, wer sich mit Fahrgastverbänden, Gütertransporteuren und den Wettbewerbern unterhält. Denn die schäumen vor Wut. Von „Osterchaos“ ist schon jetzt die Rede, dabei hat sich weder ein Sturm noch ein plötzlicher Wintereinbruch für die Feiertage angekündigt. Es reicht die übliche Baustellenlast, die an den Feiertagen noch einmal hochgefahren wird, weil man an verkehrsberuhigten Tagen besonders gut bauen kann.

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          Nur, dass die Osterfeiertage keine solchen verkehrsberuhigten Tage sind. „Die Menschen wollen verreisen, sie wollen wieder mit dem Zug fahren“, schwärmte etwa DB-Fernverkehrschef Michael Peterson. Das zeige sich deutlich in den steigenden Buchungszahlen. „Wir haben eine erheblich stärkere Nachfrage als im letzten Jahr zu dieser Zeit.“

          Das offenbart eine Art von Fehlplanung, die Kritiker dem Staatskonzern mit zentraler Funktion schon seit Jahren anlasten, wenn sie sagen, hier wisse die eine Konzernsparte (DB Netz) nicht was die andere tue (DB Station & Service) und was eine wiederum andere brauche (DB Fernverkehr). Böse Erinnerungen werde wach an den Spätherbst des vergangenen Jahres, als die Störungen ein solches Ausmaß annahmen, dass der Schienengüterverkehr in und durch Deutschland auf den Hauptkorridoren „nahezu zum Erliegen gekommen ist“, wie mehrere Industrieverbände in einem Brandbrief beklagten.

          „Es ist klar, dass gebaut werden muss“

          Einigkeit besteht nur in einem Punkt: „Es ist klar, dass gebaut werden muss“, räumt auch Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverband Pro Schiene ein und wer will das bei einem Streckennetz von mehr als 33 000 Kilometer bestreiten? Der Konzern werde 2022 die Rekordsumme von 13,6 Milliarden Euro in die dringend notwendige Sanierung der Schieneninfrastruktur investieren, betont ein Konzernsprecher. Wurde in den vergangenen Jahren in der Spitze an rund 800 Baustellen je Tag gearbeitet, sind es in diesem Jahr über 1000 Baustellen.

          Die Frage ist nur: Wann? Die Antwort hat in der Corona-Pandemie an Brisanz gewonnen, denn in den vergangen zwei Jahren haben sich die Fahrgastzahlen deutlich verschoben. Zu beobachten war nicht nur ein krasser Einbruch, sondern auch ein deutlicher Rückgang bei der Zahl der Geschäftskunden. Wenn jetzt die Zahlen wieder deutlich anziehen, ist das vor allem den „Freizeitreisenden“ zu verdanken – und die verreisen nun einmal gerne an den Wochenenden und in den Ferien, also in den Zeiten, die die Bahn bisher zur Ausbesserung ihres Schienennetzes nutzte.

          Hinzu kommen die längst bekannten Vorbehalte gegenüber einem schwer steuerbaren Konzern. „Wir reden seit sechs Jahren unter Beteiligung des Verkehrsministeriums über ein besseres das Baustellenmanagement“, moniert Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerkes Europäischer Eisenbahnen (NEE). Immer wieder wurde dabei auch über ein effizienteres Baustellenmanagement, eine bessere Auslastungssteuerung und über eine misslungene Kommunikation im Krisenfall gesprochen. Spürbar gebessert habe sich nichts, findet Westenberger. Gelegenheit für Gespräche wird es trotzdem weiter geben. Ende April lädt Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wieder dazu ein. Schon jetzt ist klar, worum es gehen wird: Dann wird auch die Situation um Ostern ausgewertet.

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