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F.A.Z. exklusiv : Oettinger will an die VDA-Spitze

Günther Oettinger Bild: dpa

Wer wird den wichtigen Verband der Automobilindustrie künftig anführen? Nachdem Sigmar Gabriel aus dem Rennen ist, läuft derzeit ein Zweikampf. Beide Kandidaten gehören der CDU an.

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          Günther Oettinger möchte Präsident des Verbandes der Automobilindustrie werden. Nach Informationen der F.A.Z. ist er, nachdem er zunächst aus dem Rennen schien, nun einer der beiden Kandidaten, zwischen denen die Entscheidung fallen soll. Die andere Kandidatin ist Hildegard Müller, die derzeit als Favoritin gilt. Der CDU-Politiker Oettinger ist seit Anfang 2017 EU-Kommissar für Haushalt und Personal und kann sich für die Zeit danach offenbar den Spitzenposten in dem deutschen Lobbyverband gut vorstellen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Es werden Einzelgespräche geführt, die Zeit drängt, bis Jahresende muss wegen des angekündigten Rücktritts des jetzigen Präsidenten Bernhard Mattes die Nachfolge feststehen. Eigentlich sollte die Entscheidung schon gefallen sein. Doch über die Berufung des SPD-Politikers Sigmar Gabriel kam es zum Zerwürfnis insbesondere zwischen BMW, Daimler und Volkswagen. Wie es heißt, sei vor allem dem Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Herbert Diess, nicht daran gelegen, jemanden mit zu viel Sendungsbewusstsein an der Verbandsspitze zu haben. Gabriel hat sein Interesse bekanntlich zurückgezogen oder zurückziehen müssen. Einige in der Branche sprechen davon, VW habe Gabriels Kandidatur durch gezielt gestreute Indiskretionen „erledigt“.

          Gesucht wird jemand, der einerseits die Nähe zur Politik hat und dort mit der notwendigen Sensibilität auftritt, andererseits mit Fleiß nach innen wirkt und den Verband neu aufstellt. Denn der VDA „ist schläfrig und braucht eine Ertüchtigung“, wie ein Verhandlungsteilnehmer sagt. Schon unter dem vorherigen Präsidenten Matthias Wissmann sei viel liegengeblieben. Die Schlagkraft habe seither weiter abgenommen. Oettinger wird zugutegehalten, dass er sich, obgleich er bisweilen etwas unsortiert wirkt, stets penibel in die ihm übertragenen Aufgaben einarbeitet und sachorientiert auftritt.

          Sorge vor einem Zerfall des Verbands

          Der Verband befindet sich in diffiziler Lage. Weder ist die Zukunft der wichtigsten Automesse IAA geklärt, noch, wie es grundsätzlich weitergehen soll. Große Sorge vor einem Zerfall des Verbands haben die Zulieferer, die von der Wucht des politisch erzwungenen Systemwechsels vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität vielfach stärker getroffen werden als erwartet. Dort sei blanke Existenzangst zu beobachten, heißt es. Die Zulieferer können ihre Interessen im Gegensatz zu den großen Autoherstellern nicht allein in Berlin oder Brüssel vertreten. Zu beantworten wäre denn zugleich eine Kernfrage: Wie weit soll sich der VDA auf Elektromobilität konzentrieren? Volkswagen will alle Kraft dorthin lenken, Daimler und BMW plädieren für Technologieoffenheit.

          Für die 1967 geborene und seit Jugendtagen in der CDU aktive Müller spricht, dass sie zuletzt im Vorstand des Energiekonzerns Innogy war und sich mithin in allen relevanten Bereich gut auskennt. Sie wird als rational und sachorientiert beschrieben. Zudem gibt es einige Sympathie, zwei Jahrzehnte nach Erika Emmerich wieder eine Frau an die Verbandsspitze zu holen. „Wenn ich Geld auf jemand setzen müsste, würde ich auf Müller setzen“, sagt ein Teilnehmer. Die Federführung zur Entscheidungsfindung haben der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Ola Källenius, und Arndt Kirchhoff von dem gleichnamigen mittelständischen Unternehmen inne.

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