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Krisenfolge : VW verordnet sich ein „Turbo-Effizienzprogramm“

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Ein Porschechef für Volkswagen: Matthias Müller (links) soll Martin Winterkorn nachfolgen. Bild: AFP

Porsche-Chef Matthias Müller wird Martin Winterkorn bei Volkswagen beerben. Der neue Vorstandsvorsitzende wird eine Menge Aufräumarbeit leisten müssen. Denn die Probleme häufen sich. Zuerst soll kräftig gespart werden.

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          Der neue Vorstandsvorsitzende von Volkswagen wird nach Informationen der F.A.Z. aller Voraussicht nach Matthias Müller heißen, bisher Vorstandschef des Sportwagenherstellers Porsche. Dem neuen Chef der Kernmarke VW, Herbert Diess, waren zuletzt nur noch Außenseiterchancen eingeräumt worden. Der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn war am Dienstag wegen des aktuellen Abgasskandals zurückgetreten.

          Matthias Müller hat sein gesamtes Berufsleben im VW-Konzern verbracht. Als Werkzeugmacher fing er einst bei Audi an und arbeitete sich Stück für Stück hoch. Seit 2010 führt er den Sportwagenbauer Porsche. Er gilt als loyal, als intimer Kenner des Konzerns und als jemand, der in stürmischen Zeiten dazu taugt, die Dinge zu ordnen. Bei  Porsche habe der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume (47) wiederum sehr gute Karten, Müller-Nachfolger zu werden, berichtete die Nachrichtenagentur DPA-AFX.

          Nach Angaben von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sollen die zu erwartenden Milliardenverluste durch den Abgasskandal im Zuge eines „Turbo“-Effizienzprogramms kompensiert werden. Auswirkungen auf Arbeitsplätze sollten vermieden werden. Das erklärte der Betriebsratschef in einem Brief vom Donnerstag an die Belegschaft, aus dem die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert. „Die Situation ist ernst. Sie macht uns große Sorgen“, schreibt Osterloh demnach. Der Betriebsrat werde in den kommenden Tagen mit dem Konzernvorstand zusammen kommen, um zu beraten, wie die finanzielle Zusatzbelastung gestemmt werden können. Dabei müsse besprochen werden, „wie wir unserem Effizienzprogramm einen Turbo verpassen, um die Milliardensummen, die wir jetzt verlieren werden, zu kompensieren''.

          Wie schon seit dem Auftritt des Präsidiums des VW-Aufsichtsrats am Mittwoch absehbar, stehen auch in der zweiten Reihe der Führung von Volkswagen größere Einschnitte bevor. Nach Medienberichten müssen auch Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz sowie der Amerikachef von VW, Michael Horn, wegen des Abgasskandals ihre Posten räumen. Zugleich will VW offenbar die Verantwortung für das seit Jahren kriselnde Amerika-Geschäft direkt im Vorstand verankern: Den Berichten zufolge soll der bisherige Vorstandsvorsitzende von Skoda, Winfried Vahland, ein neu geschaffenes Vorstandsressort für das Amerika-Geschäft übernehmen.

          Die Affäre hat die Börse in Atem gehalten

          Die Angst vor weiteren Folgen und einer Ausweitung der Diesel-Affäre bei Volkswagen hat am Dienstag auch die Börsen in Atem gehalten. Genährt wurden diese Spekulationen von Berichten über überhöhte Abgaswerte bei BMW-Dieselfahrzeugen. Die Aktien des Münchener Automobilherstellers brachen daraufhin zeitweise um knapp zehn Prozent ein und rissen den Rivalen Daimler mit. Dessen Papiere verbilligten sich um bis zu sechs Prozent. In der nervösen Stimmung an der Börse reichte also eine Meldung der „Auto Bild“ aus, um die BMW-Aktie und mit ihr sämtliche anderen Automobiltitel auf Talfahrt zu schicken - obwohl BMW die Gerüchte dementierte.

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