https://www.faz.net/-gqe-8886j

Nachfolger Martin Winterkorns : Muss jetzt Porsche-Chef Müller ran?

  • Aktualisiert am

Matthias Müller und Martin Winterkorn (r.) während der Porsche-Hauptversammlung am 13. Mai. Bild: dpa

Wer wird neuer Chef des Volkswagen-Universums? Mehrere Namen machen die Runde. Am häufigsten fällt der des Porsche-Lenkers. Auch weil der schon einen entscheidenden Satz gesagt hatte.

          2 Min.

          Martin Winterkorn ist weg, der Lenker eines in eine tiefe Krise gestürzten Riesen-Unternehmens mit 600.000 Mitarbeitern, Geschäften überall auf der Welt, zwölf Automarken - und die Kernmarke Volkswagen mit einer kulturellen Bedeutung, die in einer Umfrage gerade erst die meisten Deutschen noch mehr mit Deutschland verknüpfen als Goethe oder Angela Merkel.

          Wer übernimmt nun diese Herkules-Aufgabe? Wer führt Volkswagen durch die vielen drohenden Rechtsstreits, organisiert mögliche Milliarden-Strafen, repariert den Reputations-Schaden?

          „Ich stehe für jede Aufgabe zur Verfügung. Warum sollte ich mich verschließen?“ Diese Sätze sagte Porsche-Chef Matthias Müller dieses Jahr im März während er die glänzenden Geschäftszahlen des Sportwagen-Herstellers vorstellte. Er sagte sie als Antwort auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, einmal Nachfolger von Martin Winterkorn zu werden.

          Entscheiden, wer künftig den Konzern führt, will der Volkswagen-Aufsichtsrat nicht vor Freitag, wenn er das nächste Mal zusammenkommt. In der nun laufenden Spekulation fällt gleichwohl der Name Matthias Müller am häufigsten. Er ist 62 Jahre alt, ein erfolgreicher Manager, und durch seine Arbeit für Porsche so weit weg von Wolfsburg, dass er mit dem Skandal nicht in Verbindung gebracht werden dürfte. Außerdem kennt Müller trotzdem den ganzen Konzern: Er lernte Werkzeugmacher in Diensten Audis und studierte dann Informatik und machte dann für Audi weiter. In Wolfsburg war er auch schon einmal hauptberuflich als Marken-Strategiechef - bevor ihn der damalige Firmenpatriarch Ferdinand Piëch zu Porsche schickte, um das Unternehmen nach dem gescheiterten Übernahmeversuch von Volkswagen wieder auf Vordermann zu bringen. Das gelang ihm.

          Beides, Müllers Erfolg als Manager und seine lange Berufszeit im Volkswagen-Universum machen ihn wohl zum wahrscheinlichsten Nachfolger. Natürlich unter der Voraussetzung, dass er selbst das jetzt auch noch will. Eine sehr gute Kenntnis des Konzern-Innenlebens ist dabei übrigens das, was ihn von Herbert Diess unterscheidet.

          VW-Markenchef Herbert Diess

          Diess ist für die Kernmarke Volkswagen zuständig und gilt als die große Hoffnung von Volkswagen. Aber: Er hat gerade erst in Wolfsburg sein Büro bezogen, wechselte als erfolgreicher Manager von BMW zum 1. Juli zu Volkswagen. Diess stünde alleine schon deswegen sicher für einen glaubhaften und echten Neuanfang, mehr noch als Müller. Aber entscheiden die Eigentümer schon nach so kurzer Zeit im Amt und bevor klar ist, was durch den Abgas-Skandal wirklich alles auf Volkswagen zukommt für ihren vielleicht größten Hoffnungs-Träger? Auf die Gefahr hin, ihn in einer unangenehmen Phase mehr oder weniger fürs Krisenmanagement zu verheizen?

          Oder doch Pötsch?

          Als Nachfolge-Kandidat für Winterkorn galt zumindest - und schon länger - auch schon einmal der 52 Jahre alte Audi-Chef Rupert Stadler. Sein Aufstieg im Konzern begann im Jahr 1997 als Büroleiter des damaligen Volkswagen-Chefs Ferdinand Piëch. Im Jahr 2003 wurde er Finanzvorstand von Audi und vier Jahre später Firmenchef. Stadler ist außerdem auch schon einmal als Nachfolger von VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch gehandelt worden, der neuer Aufsichtsratschef werden soll.

          Hans Dieter Pötsch

          Ist vielleicht auch das noch ein Option? Könnte es sein, dass Pötsch angesichts der neuen Umstände doch nicht Aufsichtsratschef wird? Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte unlängst berichtet, dass ursprünglich ohnehin Winterkorn als neuer Aufsichtsrats-Chef eingeplant war und Pötsch als Konzernchef, Ferdinand Piëch dies aber quasi im letzten Moment verhindert habe. Wird nun also Pötsch doch Unternehmenschef? Komplett auszuschließen ist sicher auch das nicht.

          Mitteilen wird Volkswagen frühestens am Freitag, wie Eigentümer und Aufsichtsräte entschieden haben. Aber wahrscheinlicher als Pötsch dürfte derzeit in jedem Fall Matthias Müller sein.

          Weitere Themen

          Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch Video-Seite öffnen

          Unglücksmaschine : Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch

          Das Startverbot für die Unglücksmaschine 737 Max hat den US-Flugzeugbauer drastische Reaktionen in Erwägung ziehen lassen. Der US-Flugzeugbauer könnte die Produktion der 737 drosseln oder vorübergehend einstellen.

          Topmeldungen

          Historischer Altbau oder doch die Hochhauswohnung? Was sich die Deutschen leisten können, hängt nicht nur von der Region ab, sondern kann auch je nach Stadtviertel stark variieren.

          F.A.Z. exklusiv : So teuer ist Wohnen in Deutschland

          Eine Bude in München oder doch lieber das große Traumhaus in Thüringen? Der F.A.Z. liegen exklusiv Zahlen vor, die belegen, wie groß die Preisunterschiede zwischen Städten, Regionen und sogar Stadtteilen tatsächlich sind.

          Bei Auftritt in Iowa : Joe Biden beschimpft Wähler

          Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa beschimpft Joe Biden einen 83 Jahre alten Mann als Lügner, weil der ihn wegen der Ukraine-Affäre kritisiert: „Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen werden, Mann, Sie sind zu alt.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.