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GDL und Bahn streiten weiter : „Oder wir lassen die Züge wieder stehen“

  • Aktualisiert am

GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag in Berlin Bild: dpa

Jetzt kämpfen die Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL auch um die Deutungshoheit: War der Streik erfolgreich oder nicht? Die GDL droht schon mit dem nächsten Arbeitskampf.

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          Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL kämpfen nach dem Ende des dreitätigen Bahnstreiks um die Deutungshoheit. Die Bahn wertete den Arbeitskampf als Misserfolg für die Gewerkschaft. Dagegen sagte GDL-Chef Claus Weselsky, die erste Streikwelle sei hervorragend gelaufen. Die Bahn versuche vergeblich, den erfolgreichen Streik kleinzureden.

          „Die GDL-Spitze hat ihr eigentliches Arbeitskampf-Ziel nicht erreicht“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß am Freitagvormittag nach dem Streik-Ende. „Von 20.000 Lokführern hat sich nur ein Viertel am Ausstand beteiligt." Aus anderen Bereichen der Bahn, in die sich die GDL ausbreiten will, hätten gerade mal 120 Mitarbeiter gestreikt.

          Er forderte die Gewerkschaft abermals zu Verhandlungen auf. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die GDL ganz andere Ziele verfolge, nämlich ihren Machtbereich auszuweiten – auf dem Rücken der Fahrgäste. Offen ließ Stauß, ob die Bahn jetzt ein neues Tarifangebot vorlegen wird.

          Millionen Fahrgäste betroffen

          Auch GDL-Chef Claus Weselsky zog am Freitag eine vorläufige Bilanz des Lokführerstreiks. Er wertete den Arbeitskampf als vollen Erfolg. „Entweder es kommt ein verbessertes Angebot auf den Tisch, oder wir lassen erneut die Züge in diesem Land stehen“, sagte er in Berlin. Dabei verzichtete er darauf, einen konkreten Termin für eine zweite Streikwelle zu nennen.

          Er kündigte aber eine Protest-Kundgebung am kommenden Dienstag (17. August) vor dem Bahn-Tower am Potsdamer Platz an. Danach werde es nur noch „sehr kurze Zeit“ bis zu einem weiteren Streik dauern. Einen neuen Arbeitskampf werde man aber mit einem größeren Vorlauf als den zuletzt etwa 15 Stunden ankündigen. Einen unbefristeten Streik plane man derzeit nicht.

          GDL-Chef Claus Weselsky verwahrte sich gegen Vorwürfe, die GDL habe eigentlich politische Ziele und schiebe die Tarifforderungen nur vor. „Wir lassen uns nicht einreden, dass dies ein politischer Streik ist“, sagte er zu entsprechenden Äußerungen des Bahn-Beauftragten der Bundesregierung, Enak Ferlemann.

          Die Bahn hatte der GDL zuletzt Lohnerhöhungen in zwei Schritten angeboten: 1,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024. Der GDL reicht dies nicht. Sie fordert unter anderem frühere Lohnerhöhungen, eine kürzere Laufzeit und einen Corona-Bonus von 600 Euro.

          Bahn-Sprecher Stauß räumte ein, dass vom Arbeitskampf Millionen Fahrgäste betroffen waren. Der Konzern habe etwa ein Viertel des Fernverkehrs- und 40 Prozent des Nahverkehrs-Angebots aufrecht erhalten können. „Nach dem Streik hat der Zugbetrieb überall wieder planmäßig begonnen." Im Laufe des Tages werde er wieder normal rollen. Allerdings würden die Züge am Freitag wie am Wochenende deutlich voller als üblich sein. Dies hat auch mit den nachgeholten Fahrten zu tun.

          Im Güterverkehr habe die Bahn versorgungsrelevante Züge gefahren, sagte Stauß. Über die Tage seien aber rund 1000 Züge stehengeblieben. „Diesen Stau bauen wir jetzt nach und nach ab." Zur Schadenshöhe machte Stauß keine Angaben.

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