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Kommentar : Vertrauensfrage

Viele Bürger vertrauen auf das unbestechliche Urteil des TÜV. Nach dem VW-Skandal steht dieses Vertrauen nun jedoch auf dem Spiel.

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          Als am 28. Januar 1865 in der Mannheimer Aktienbrauerei ein Dampfkessel explodierte und ein Mensch getötet wurde, war das Vertrauen in die moderne Technik erschüttert. Ein Jahr nach dem Unglück rief die Industrie auf Veranlassung der Mannheimer Dampfkesselbetreiber eine Organisation ins Leben, die für die Sicherheit technischer Anlagen sorgen sollte.

          Die „Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln mit dem Sitze in Mannheim“ ist die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV und ihre Gründungsidee einer unabhängigen Prüforganisation ist heute so aktuell wie vor 150 Jahren. Vom Kinderspielzeug bis zum Kernkraftwerk zertifizieren und überwachen die TÜVs fast alles. Viele Bürger vertrauen auf das unbestechliche Urteil.

          Leider haben sich die TÜV-Prüfer auf die Software von Volkswagen verlassen – mit dem im Abgasskandal bekannten Folgen. Nicht nur der VW-Fahrer, auch der TÜV-Prüfer wurde offensichtlich betrogen. Dass die deutschen TÜV-Organisationen schärfere Regeln für Abgastests und Einblicke in die Motorsteuerung von Kraftfahrzeugen fordern, ist konsequent. Die TÜV-Plakette auf dem Nummernschild ist ein Gütesiegel. Doch jetzt steht auch das in 150 Jahren erworbene Vertrauen der heimischen Prüf- und Sicherheitsunternehmen auf dem Spiel.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

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