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Neuer VW-Chef : Müller macht’s

  • -Aktualisiert am

„Ich stehe für jede Aufgabe zur Verfügung. Warum sollte ich mich verschließen?“, sagte Porsche-Chef Matthias Müller auf der Bilanz-Pressekonferenz im März dieses Jahres. Bild: dpa

Nach dem Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn soll Porsche-Vorsitzender Matthias Müller künftig Volkswagen führen. Er kennt den Konzern. Schon sein ganzes Berufsleben lang. Ein Porträt.

          Das satte Wummern eines Sportwagens ist Matthias Müllers Welt. Wenn er über den Porsche 918 Spyder spricht, das teuerste deutsche Serienauto mit einem Listenpreis ab 768.000 Euro, dann leuchten die blauen Augen unter dem jungenhaft wirkenden weißen Haarschopf. Seit fünf Jahren führt Müller den Sportwagenhersteller. Jetzt ist er 62 Jahre alt und macht nochmal einen außergewöhnlichen Karriereschritt: Er soll den riesigen Volkswagen-Konzern führen in dieser Zeit der großen Krise - nachdem Martin Winterkorn wegen der manipulierten Abgastests zurücktreten musste.

          Dabei wäre Matthias Müller für den Rest seines Arbeitslebens bestens bedient gewesen mit dem Posten als Porsche-Boss. Denn spannend bleibt dieser Job, auch wenn der Sportwagenbauer gerade generalsaniert mit Super-Ergebnissen glänzt. Da wäre beispielsweise noch die Herausforderung, mit einem batteriebetriebenen Porsche die Menschen für Elektroautos zu begeistern: Damit könnte Porsche der gesamten Automobilwelt zeigen, wie Elektromobilität funktionieren kann.

          Und natürlich liebt Müller auch die Abteilung Motorsport – schließlich hat er schon als kleiner Junge in Chemnitz Rennluft geschnuppert. Sein Vater war Motorrad-Rennleiter der alten Auto-Union-Marke DKW und später technischer Kommissar der DDR-Rennstrecke Sachsenring.

          Schnelle Karriere bei Audi

          Bei Porsche wird Matthias Müller aber alles stehen und liegen lassen für den Ruf nach Wolfsburg, das war schon früh klar. „Ich stehe für jede Aufgabe zur Verfügung. Warum sollte ich mich verschließen?", sagte er während der Porsche-Bilanzpressekonferenz dieses Jahr im März auf die Frage, ob er als Winterkorn-Nachfolger zur Verfügung stehe. Seine Bereitschaft schien bald danach obsolet. Denn Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch verlor einen spektakulären Machtkampf gegen Martin Winterkorn - dieser saß schließlich sogar fester im Sattel als zuvor. Zur Erinnerung: An diesem Freitag sollte eigentlich der Vertrag des 68 Jahre alten gerade zurückgetretenen VW-Chefs noch einmal bis 2018 verlängert werden.

          Nun kommt es anders. Jetzt ist Müllers Loyalität plötzlich doch gefragt, und seine intime Kenntnis des Konzerns. Über die verfügt der neue Volkswagen-Markenchef Herbert Diess noch nicht, der erst im Juli von BMW in München nach Wolfsburg wechselte, als vielleicht größter Hoffnungsträger im Konzern gilt und darum auch als Nachfolger Winterkorn gehandelt worden war.

          Matthias Müller hat hingegen sein ganzes Berufsleben im VW-Konzern verbracht. Er kennt damit auch die Sitten und Unsitten der Kollegen und weiß beim Ausmisten, wo er fündig werden könnte.

          Seine Familie war in seiner Kindheit aus der ehemaligen DDR nach Bayern umgesiedelt, und dort fand Müller seinen Weg zu Audi. Erst machte er eine Lehre als Werkzeugmacher, dann nach einem Informatik-Studium in München, machte er in Diensten Audis schnell Karriere. Mit 40 Jahren war er Chef des Produktmanagements und bereitete die Markteinführung des Audi A3 vor, mit dem Audi in die Kompaktklasse vorstieß.

          Zehn Jahre später war er Chef der sportlichen Markengruppe innerhalb des VW-Konzerns. Als Martin Winterkorn im Jahr 2007 von der Audi-Spitze nach Wolfsburg wechselte, um den Vorstandsvorsitz zu übernehmen, wurde Müller mit der Produktstrategie für den Konzern betraut: Er war es, der darüber entschied, wann welche Marke mit welchem neuen Modell auf den Markt kam.

          So sehr er dabei bemüht war, das Profil der einzelnen Marken zu schärfen um sie für bestimmte Zielgruppen attraktiv zu machen, so konsequent trieb er gleichzeitig das Baukasten-Prinzip voran: Möglichst viele Modelle sollten mit möglichst gleichen Teilen ausgestattet werden, ohne dass dies für den Kunden erkennbar wird.

          Porsche-Arbeitnehmer auf seiner Seite

          In dieser Konzernplanung spielte plötzlich auch Porsche eine neue Rolle, weil der Sportwagenbauer nach den Machtspielen der Volkswagen- und Porsche-Eigentümer-Familien Porsche und Piëch in den VW-Konzern integriert werden musste. Diese Aufgabe bekam Müller vor fünf Jahren übertragen.

          Die stolzen Stuttgarter hatte er dabei schnell auf seiner Seite, weil er den Mythos Porsche pflegte und damit die wunden Seelen streichelte. Bis zum Jahr 2018 sollte die Zahl der verkauften Autos verdoppelt sein und Porsche sollte eine Umsatzrendite von dauerhaft mindestens 15 Prozent erzielen, lautete sein Plan.

          Schon drei Jahre früher kann Müller den Haken daran machen. Dabei gilt er keineswegs als harter Sparkommissar. Im Gegenteil: Die Arbeitnehmer hat Müller auf seiner Seite - und nicht nur, weil tolle Erfolge auch die legendären Boni ermöglichen (dieses Jahr gab es 8.600 Euro für jeden Mitarbeiter). Das kräftige Wachstum hat auch den Aufbau neuer Stellen ermöglicht, und die Zukunft zeichnet sich in Stuttgart auch schon ganz deutlich ab: Dort soll die Fabrik gebaut werden für den Super-Elektro-Flitzer namens Mission E. Wer solche Geschenke hinterlässt, darf auch nach Wolfsburg wechseln.

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