https://www.faz.net/-gqe-a5la8

Gemeinsam mit Geely : Mercedes entwickelt einen kleinen Weltmotor

Arbeit an einem S-Klasse-Motor in der „Factory 56“ in Sindelfingen Bild: dpa

Der Vierzylinder ist ein Projekt von Daimler mit dem chinesischen Großaktionär Li Shufu und dessen Autokonzern Geely. Es könnte der Start für weitere Gemeinschaftsprojekte sein.

          2 Min.

          Ein Weltmotor, der zu einem stattlichen Mercedes-Hybrid ebenso passt wie zu einem chinesischen Massenauto: Das ist ein Entwicklungsprojekt, das Mercedes mit dem Daimler-Großaktionär Li Shufu vereinbart hat und mit dessen Autokonzern Geely einschließlich der Motoren-Sparte von Volvo realisiert. Im Jahr 2024 sollen die Vierzylinder-Motoren, für deren Entwicklung Mercedes die Federführung übernimmt, in die Serienproduktion für die verschiedenen Marken münden.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Als Standorte für den Motorenbau sind offenbar China und Deutschland vorgesehen. Abschließend geklärt sei das noch nicht, sagte ein Sprecher. Ebenso wenig könne man über Stückzahlen sprechen. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet, es seien Hunderttausende von Motoren geplant, wodurch Daimler Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich erzielen könne. Der Stuttgarter Konzern will das nicht konkret bestätigen, nur vage ist die Rede vom Ziel, „die globale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Skaleneffekte zu erzielen“. Für Daimler ist das Projekt vor allem auch ein weiterer Schritt zur Zusammenarbeit mit dem chinesischen Großaktionär.

          Dicke Luft in Stuttgart-Untertürkheim

          Kurz nachdem er mit dem Kauf von knapp 10 Prozent der Daimler-Aktien im Februar 2018 zum Großanteilseigner in Stuttgart wurde, hatte Li Shufu in einem Beitrag für die F.A.Z. seine umfassende Vision formuliert: Jede Zusammenarbeit von beiderseitigem Nutzen „kann und sollte“ diskutiert werden. Allzu viel wurde davon bisher nicht realisiert. Allerdings ist man bei Daimler froh, das Dauer-Sorgenkind Smart als reine Elektromarke bei dem Partner untergebracht zu haben. Das aktuelle Motorenprojekt aber könnte erst der Start für weiterer Gemeinschaftsprojekte sein. „Wir haben in den letzten Jahren eine starke Dynamik in der Entwicklung der chinesischen Autoindustrie erlebt und sind überzeugt, dass China weiterhin große Potentiale bieten wird in Bezug auf Innovation, Effizienz und Skaleneffekte“, heißt es bei Daimler.

          Am Traditionsstandort Stuttgart-Untertürkheim herrscht dicke Luft wegen des Projekts – denn wegen der zunehmenden Elektrifizierung der Mercedes-Produktpalette sind hier mittelfristig Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Über den Personalabbau, der wie an allen anderen deutschen Mercedes-Standorten ohne betriebsbedingte Kündigungen geschafft werden soll, wird aktuell verhandelt. Darauf habe das mit Geely und Volvo geplante Entwicklungsprojekt keinen Einfluss, heißt es dazu bei Daimler lediglich.

          Konzernchef Ola Källenius hat in den vergangenen Monaten mehrfach deutlich gemacht, dass der Konzern auf dem Weg zu einer möglichst klimaneutralen Produktion nicht mehr in die reine Verbrennertechnik investieren will. Der jetzt angekündigte Motor wird als „hocheffizienter modularer Motor“ bezeichnet, der für Hybridfahrzeuge genutzt werden kann, offenbar aber auch für den Einsatz etwa von Wasserstoff oder klimafreundlichen E-Fuels vorbereitet ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wer hat wie viel zu sagen im VW-Reich?

          Volkswagen : Kampf um Wolfsburg

          Der Burgfrieden von VW bröckelt. Konzernchef und Betriebsratschef streiten über die Besetzung wichtiger Vorstandsposten – doch es geht um viel mehr.
          Lebt selbst bescheiden: Papst Franziskus am Fenster des Apostolischen Palasts, den er nur für offizielle Termine nutzt.

          Finanzen im Vatikan : „Die Kirche war immer eine Sünderin“

          Der Papst kritisiert den Kapitalismus und will eine ethische Wirtschaft. Doch der Vatikan schlittert von einem Finanzskandal in den nächsten. Jetzt sorgt die „Dame des Kardinals“ für Schlagzeilen.

          30 Gläubige pro Kirche : Katholiken zornig auf Macron

          Selbst in Frankreichs Kathedralen sollen in der Advents- und Weihnachtszeit nur 30 Personen Gottesdienste feiern dürfen. Die Katholiken sind empört. Sie halten die Obergrenze für unverhältnismäßig und „respektlos“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.