https://www.faz.net/-gqe-ah66k

Materialmangel verschärft sich : Renault produziert eine halbe Million Autos weniger

Renault-Fabrik in Maubeuge in Nordfrankreich Bild: EPA

Vorprodukte wie Halbleiter bleiben knapp und schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Renault wird deshalb noch weniger Autos in diesem Jahr produzieren können. Dennoch hält das Unternehmen an seinen Zielen fest.

          2 Min.

          Der Materialmangel macht Renault schwer zu schaffen. Den dadurch verursachten Produktionsausfall schätzt der Autokonzern mit Sitz in Boulogne-Billancourt bei Paris allein für das abgeschlossene Sommerquartal auf 170.000 Fahrzeuge. Insgesamt dürften wegen fehlender Halbleiter und anderer Komponenten in diesem Jahr etwa eine halbe Million weniger Autos vom Band gehen, teilte Renault am Freitag mit.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Das wäre nochmal deutlich mehr als das im Juli prognostizierte Minus von 200.000. Genaue Produktionsziele gibt der Konzern nicht bekannt. Doch er macht keinen Hehl daraus, dass die Einbußen herb sind. Das zeigt der Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Rund 600.000 Autos produzierte Renault in den Monaten Juli, August und September dieses Jahres. Das sind 22,3 Prozent weniger als in den Monaten Juli, August und September des Vorjahres.

          Die Einbußen in Europa sind besonders groß. Hier erwirtschaftet Renault etwas mehr als die Hälfte seines Umsatzes. Während das Produktionsminus in Europa rund 26 Prozent betrug, ging es international „nur“ um 17 Prozent runter. Schnell bessern dürfte sich die Versorgungslage nicht. Einer Konzernsprecherin zufolge fahre man bis Ende des Jahres mit „reduzierter Sicht“, die Materialbeschaffung bleibe „angespannt“.

          Konzentration auf die profitabelsten Modelle

          Der Umsatz von Renault schrumpfte nicht ganz so stark wie die Produktion, aber ebenfalls deutlich. Mit 9 Milliarden Euro lag er im dritten Quartal rund 13 Prozent unter dem Vorjahreswert. Doch Materialmangel hin oder her, an seinem Margenziel hält der Konzern fest. Diese soll im Gesamtjahr in derselben Größenordnung bleiben wie im ersten Halbjahr. Auch strebt Renault für sein Autogeschäft unverändert einen positiven operativen Free Cashflow an. Die europäischen CO2-Ziele glaubt man ebenfalls einhalten zu können.

          Eine Antwort auf die Materialkrise besteht für Renault darin, sich auf die Herstellung der profitabelsten Modelle zu konzentrieren, eine andere in noch mehr Effizienz in der Produktion. „Die Maßnahmen zur weiteren Kostensenkung und Maximierung des Werts unserer Produktion ermöglichen es uns, unsere Jahresprognose trotz der Verschlechterung der Komponentenverfügbarkeit im dritten Quartal und der reduzierten Sicht für das vierte Quartal zu bestätigen“, sagte Clotilde Delbos, Finanzvorstand der Renault-Gruppe am Freitag.

          RENAULT

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Anleger hatten die schwachen Produktionszahlen offenbar schon einkalkuliert. Die im französischen Leitindex CAC40 gelistete Renault-Aktie notierte am Freitag im frühen Handel nur leicht im Minus. Seit März hat mit rund 25 Prozent allerdings deutlich an Wert verloren. Neun von 23 von Bloomberg befragten Analysten raten derzeit zum Kauf der Renault-Aktie, zehn plädieren für „Halten“, vier raten zum Verkauf.

          Weitere Themen

          Keine Pauschale für Vodafone

          EuGH-Urteil : Keine Pauschale für Vodafone

          Laut EuGH dürfen Unternehmen von Kunden im elektronischen Zahlungsverkehr grundsätzlich keine Zusatzgebühr verlangen. Dies sei bereits seit Jahren unzulässig.

          Topmeldungen

          Militärübung Zapad: Alexandr Lukaschenko Mitte September auf dem Truppenübungsplatz Obuz-Lesnovsky

          Sorgen um die Ukraine : Lukaschenko droht für Putin

          Der Minsker Machthaber kündigt „Manöver“ mit Russland nahe der Ukraine an – und stellt sogar die Stationierung russischer Nuklearwaffen in Belarus in Aussicht.

          Zapfenstreich für Merkel : Abschied mit Fackeln und Schlagern

          Mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedete sich die Bundeswehr von Angela Merkel nach 16 Jahren im Amt. Die Kanzlerin hält zwei Ratschläge bereit – und freut sich über Schlager aus Ost und West.
          Angela Merkel und Olaf Scholz am Donnerstag in Berlin

          Merkel und Scholz : Letzter gemeinsamer Schlag gegen das Virus

          Angela Merkels wohl letzte Corona-Ministerpräsidentenkonferenz ist eine Arbeitssitzung fast wie immer. Kleine Freundlichkeiten gibt es trotzdem für ihren wahrscheinlichen Nachfolger.
          Tritt von der politischen Bühne ab: Sebastian Kurz am Donnerstag in Wien

          Österreichs früherer Kanzler : Wie lange ist Kurz weg?

          Österreichs früherer Kanzler Sebastian Kurz legt seine politischen Ämter nieder und spricht davon, dass er seine Begeisterung verloren habe. Ob es ein Abschied für immer sein soll, bleibt offen.