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Alltag eines Lastwagen-Fahrers : Allein auf der Autobahn

Leere auf der A70 in Bayern – auch an einem Montagabend Ende März 2020. Bild: dpa

Im ersten Lockdown wurden sie als „Helden“ gefeiert, doch verändert hat sich seitdem wenig. Ein Fahrer beschwert sich: Die Menschen würden vergessen, wie essentiell die „Steher“ der Autobahnen sind.

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          Während die einen über Homeoffice-Koller klagen und die anderen zum Arbeiten schon ins Hotel flüchten, kann sich Ralf Kalabis-Schick nicht über zu viel Lärm oder mangelnden Ausblick beschweren. Sein Arbeitsplatz ist jeden Tag woanders. Kalabis-Schick ist einer von 573.000 Berufskraftfahrern in Deutschland, die dafür sorgen, dass trotz Lockdown alles dort ankommt, wo es gebraucht wird. Sie haben zurzeit viel zu tun: Die Lkw-Fahrleistung auf den Autobahnen ist laut Bundesamt für Güterverkehr im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Krise um 5,5 Prozent gestiegen. Zu Beginn der Pandemie standen er und seine Kollegen ähnlich wie das Pflegepersonal im Rampenlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit. Als „Logistikhelden“ wurden die Fahrer gefeiert. Doch damit war es schnell wieder vorbei, und zu den üblichen Problemen kamen noch ein paar Corona-bedingte hinzu.

          Madeleine Brühl
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn wegen des Lockdowns haben viele gastronomische Betriebe nur noch eingeschränkt geöffnet oder bieten ihr Essen nur zum Mitnehmen an. Für die Fahrer wird das Pause-Machen so zur Herausforderung: Laut Arbeitsschutzgesetz sollen sie ihre Pausen nach Möglichkeit nicht auch noch in der Fahrerkabine verbringen. Ralf Kalabis-Schick beschwert sich trotzdem nicht: „Im Moment ist es ganz angenehm, unterwegs zu sein, weil die Autobahnen recht leer sind“, sagt der Lkw-Fahrer, der gerade auf dem Rückweg von Osnabrück nach Marburg ist. Das Lkw-Fahren bleibt für ihn ein Traumjob. Bis vor dreieinhalb Jahren arbeitete Kalabis-Schick als Verkaufsleiter, dann reichte es ihm und er wechselte hinter das Steuer. Seitdem ist er für die Spedition Kautetzky europaweit unterwegs, meist mit Arzneimitteln oder Produkten für einen Süßwarenhersteller. „Lkw fahren entschleunigt das Leben, das kann man sich nicht vorstellen“, sagt er.

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