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Abgasskandal : VW-Fahrer sollen bald in die Werkstatt

  • Aktualisiert am

Ein TDI-Motor von Volkswagen – ist auch der manipuliert? Bild: dpa

Politiker fordern eine Rückrufaktion für die manipulierten Diesel-Motoren. Volkswagen arbeitet bereits daran. Wahrscheinlich geht es nicht nur um neue Software.

          Volkswagen bereitet eine Nachbesserungsaktion für die von den Abgasmanipulationen betroffenen Diesel-Fahrzeuge vor. Sie soll die Besitzer nichts kosten. Das Unternehmen habe sich einen Zeithorizont von wenigen Wochen gesetzt, in dem die Maßnahmen mit einem entsprechenden Zeitkorridor vorgestellt werden sollen, sagte ein Sprecher der Marke Volkswagen am Samstag in Wolfsburg. Die betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit seien identifiziert.

          „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung, die wir so rasch wie möglich dem Handel, unseren Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren werden“, hatte VW-Markenchef Herbert Diess am Freitag gesagt. Der Sprecher ergänzte jetzt: „Ich denke, dass die Händler ab nächster Woche aussagefähig sind“. Die Autohalter könnten mit den betroffenen Fahrzeugen zunächst einmal fahren und würden dann informiert. Alle würden angeschrieben.

          Volkswagen zufolge handelt es sich um unterschiedliche Modelle aus mehreren Baujahren, etwa den Golf der sechsten Generation, den Passat der siebten Generation und die erste Generation des Tiguan. Weltweit sollen elf Millionen Fahrzeuge verschiedener Marken des Konzerns betroffen sein, davon fünf Millionen der Kernmarke VW. Alle VW-Neuwagen, die über die europaweit gültige Euro-6-Norm verfügen, seien nicht von den Manipulationen betroffen. Dazu gehörten unter anderem die aktuellen Modelle des Golf, Passat und Touran. FAZ.NET zeigt in einer Liste, was bisher bekannt ist.

          Ein Teil der Autos braucht wohl neue Hardware

          Nach Informationen der F.A.Z. könnten die Eingriffe in den Werkstätten umfangreicher werden als bisher bekannt. Denn offenbar muss zumindest bei einem Teil der betroffenen Autos nicht nur eine neue Software aufgespielt werden. Womöglich muss auch Hardware getauscht werden, was die Kosten für VW in die Höhe treiben dürfte.

          Der VW-Sprecher sagte, das Vorgehen bei der Beseitigung der Softwarefehler werde für die einzelnen Märkte mit den jeweiligen Behörden abgestimmt. „Das kann eine Rückrufaktion sein, aber auch eine Serviceaktion.“ Die Kosten für die Nachbesserung werde Volkswagen übernehmen. Wie hoch diese für den Autobauer sein werden, stehe noch nicht fest. „Es sind gewaltige Kosten, aber es ist völlig selbstverständlich, dass die Kunden nicht auf den Kosten sitzengelassen werden.“

          Derweil fordern Politiker schon solche Rückrufaktionen. „VW muss die manipulierten Fahrzeuge in Deutschland sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen und die Manipulation beheben“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol der „Bild“-Zeitung. Der Konzern müsse verloren gegangenes Vertrauen wieder gutmachen. Auch der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, betonte, Volkswagen könnten nur Transparenz und Kulanz helfen. „VW wird den Abgas-Skandal nur überstehen, wenn der Konzern alle Manipulationen veröffentlicht und alle betroffenen Fahrzeuge zurückruft und umweltgerecht umrüstet.“


          Ist der Diesel eine Dreckschleuder?

          © Imago

            Betrugsvorwürfe, Spekulationen, Personalkarussell: In der Diskussion um Volkswagen ist einiges durcheinander geraten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

            Ist der Diesel schmutziger als der Benzinmotor?

            Nein. Jedenfalls dann nicht, wenn die modernen Motoren die strengsten Abgasnormen auch tatsächlich erfüllen. Allerdings ist der Benzinmotor mit einem geregelten Katalysator aufgrund seiner Abgaszusammensetzung und -temperatur leichter von Schadstoffen zu befreien. Beim Diesel müssen dazu mehrere Komponenten ineinandergreifen: ein kleiner Oxidationskatalysator im Motorraum reinigt das Abgas von unverbrannten Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid, ein Partikelfilter hält die festen Bestandteile (Ruß) zurück. Stickoxide, die unter hohen Temperaturen aus dem in der Luft enthaltenen Stickstoff entstehen, werden dadurch allerdings nicht beseitigt. Sie sind verantwortlich für den schlechten Ruf des Dieselmotors, denn sie belasten die Atemwege und sind für den sauren Regen mitverantwortlich. Zur Beseitigung wird ein Teil der Abgase in den Motor zurückgeführt, wodurch die Temperaturspitzen im Brennraum gesenkt werden. In Motoren, die Normen wie Euro 5 und 6 erfüllen sollen, kann zusätzlich ein Filterspeicher eingesetzt sein, der wie der Partikelfilter von Zeit zu Zeit freigebrannt werden muss. Eine andere Möglichkeit ist die Einspritzung einer Harnstofflösung (AdBlue) - ein teures Verfahren, das vor allem in Lastwagen und Autos der Oberklasse angewendet wird. Das Zusammenspiel der einzelnen Systeme erfordert eine komplizierte Steuerung über die Fahrzeugelektronik.




            Wie kommen dann die gemessenen hohen Werte zusammen?

            Die Messungen für die Typenzulassung finden auf dem Rollenprüfstand statt. Das gilt sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa. Dabei werden in einem standardisierten Zyklus Verbrauch und Abgasemission ermittelt. Die Messungen mit den viel zu hohen Werten fanden dagegen während der Fahrt auf der Straße statt. Wie beim Verbrauch ergeben sich für die Abgase in der Realität völlig andere Ergebnisse als auf dem Prüfstand, und zwar sowohl für Dieselmotoren als auch für Benziner. Stutzig macht allerdings jetzt die Höhe der Abweichung.


            Warum wird nicht grundsätzlich auf der Straße gemessen?“

            Der tatsächliche Abgasausstoß auf der Straße ist von vielen Faktoren abhängig, er lässt sich deshalb schwer standardisieren. Die Messung ist außerdem weniger genau, weil die vorbeistreichenden Abgase erfasst werden müssen. Auf dem Prüfstand werden sie eingesammelt. Dennoch sollen in Europa Praxiswerte in die Zulassung eingehen. Wie das Verfahren abläuft und wie die Daten vergleichbar gemacht werden können, wird derzeit diskutiert.


            Warum hat VW getrickst?

            Soweit bekannt, hat VW versucht, mit den manipulierten Messungen auf dem Prüfstand die amerikanischen Grenzwerte zu erfüllen. Sie unterscheiden sich von den europäischen, auch der Zyklus ist nicht vergleichbar.


            Wird auch in Europa manipuliert?

            Das ist ungewiss. Grundsätzlich kann auch die europäische Norm mit der entsprechenden Software ausgetrickst werden. Den derzeit gültigen Grenzwert Euro 6 halten die Diesel nach Aussage der Hersteller ein, bei Euro 5 wurde offenbar manipuliert.


            Wie wird der Prüfstand ausgetrickst?

            Die Software erkennt anhand der Fahrbedingungen, dass sich das Auto nicht auf der Straße, sondern auf einem Prüfstand befindet. Die Elektronik kann dann die Abstimmung aller Komponenten so verändern, dass möglichst wenig Abgase entstehen, zum Beispiel auf Kosten des Fahrkomforts. Die Regeneration der Filter, die mit erhöhtem Schadstoffausstoß verbunden ist, kann verzögert werden. Und das Fahrzeug kann sich vorab auf veränderte Betriebszustände einstellen, etwa eine Beschleunigungsphase nach konstanter Geschwindigkeit. So wird die Reaktionszeit der Systeme verkürzt. Soweit vorhanden, lässt sich außerdem die Menge der eingespritzten Harnstofflösung variieren.


            Welche Motoren sind betroffen?

            Dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Sicher ist bisher, dass rund 11 Millionen Motoren der Baureihe EA 189 von VW und Audi mit der Schummelsoftware ausgestattet sind. In Europa erfüllen sie Euro 5. Andere Baureihen haben sie laut VW ebenfalls, dort sei sie aber nicht aktiv. Ob für die zugelassenen Autos die Gefahr besteht, die Betriebserlaubnis zu verlieren, ist offen. Wahrscheinlich kommt bald eine Rückrufaktion, dabei könnte auch Hardware ausgetauscht werden. Was bisher bekannt ist, haben wir in einer Liste zusammengestellt.


            Hat der Dieselmotor noch Zukunft?

            Ja. Im Auto verbraucht der Diesel im Vergleich zum Benziner knapp ein Drittel weniger. Dieselöl ist etwas dichter, der Vorteil im Ausstoß von Kohlendioxid liegt bei etwa 20 Prozent. Ein hoher Dieselanteil in Personenwagen - in Europa ist es derzeit etwa die Hälfte - ist deshalb wichtig, um die Klimaziele zu erreichen. Hinsichtlich der Kilometerleistung liegt der Dieselmotor weit vorn. Große Motoren sind ohnehin allesamt Diesel.



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