https://www.faz.net/-gqe-8ijwy

Kommentar : Die leeren Versprechen der VW-Führung

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch Bild: dpa

Der Protest der Kleinaktionäre auf der Hauptversammlung von Volkswagen ist heftiger als erwartet. Zu recht! Die Versammlung erinnert an die Überheblichkeit früherer Tage.

          Die Führung von Volkswagen hat gewusst, dass sie auf der Hauptversammlung des Konzerns in Hannover Gegenwind bekommen würde. Doch das Misstrauen der institutionellen Anleger und der Kleinaktionäre war noch größer als erwartet. Zu recht. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Hans Dieter Pötsch, hat wenig dafür getan, die Bedenken der Aktionäre zu zerstreuen. Im Gegenteil: Wissend, dass die beherrschenden Eigentümerfamilien Porsche und Piech alles mittragen, hatten Pötsch und der Vorstand von Volkswagen nur ein Ziel: Sie wollten das Treffen schnell und möglichst ohne Störungen über die Bühne bringen.

          Die Transparenz, die Pötsch immer wieder versprochen hatte, die Aufklärung über den Dieselskandal blieb Volkswagen den Aktionären schuldig. Über den Stand der hausinternen Suche nach den Verantwortlichen für die Manipulationen an elf Millionen Dieselmotoren wollte Pötsch nicht sprechen. Angeblich verhinderten Vergleichsverhandlungen in Amerika mehr Offenheit. Sogar die Ermittlungen der Braunschweiger Staatsanwälte gegen damalige Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts der Marktmanipulation sind für Vorstand und Aufsichtsrat von VW kein Problem.

          Von Anfang an war klar, Vorstand und Aufsichtsrat werden entlastet, bekommen also einen Persilschein ausgestellt. Wie kann man das auf der Hauptversammlung ruhigen Gewissens vorschlagen? Sicher gilt auch für den VW-Vorstand die Unschuldsvermutung. Aber die Ermittlungsergebnisse nicht zu veröffentlichen und zu behaupten, es gebe keine neuen Erkenntnisse und das Vorgehen der Staatsanwälte zu ignorieren, ist das Gegenteil von Transparenz, die angeblich zur neuen Unternehmenskultur gehört.

          Diese Hauptversammlung erinnerte an die Überheblichkeit früherer Tage. Wenn man sagt, alles tun zu wollen, um den Skandal aufzuklären, sollte man keine Nebelkerzen werfen. Vor allem Niedersachsen als zweitgrößter Anteilseigner von Volkswagen muss sich fragen lassen, warum das Land zu all dem schweigt.

          Herrscht in der Staatskanzlei die Angst, dass das alte, gut ausbalancierte Machtviereck zwischen Porscheclan, Gewerkschaften, Niedersachsen und VW-Führung aufgebrochen werden könnte? Nickt Hannover deshalb alles ab, was aus Wolfsburg kommt? Die Antwort auf die Frage vieler Anteilseigner nach der Rolle Niedersachsens ist Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schuldig geblieben. Das Versprechen, Volkswagen habe gelernt und verstanden, löste diese Hauptversammlung nicht ein.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Kein Android mehr für Huawei? Video-Seite öffnen

          Google-Boykott : Kein Android mehr für Huawei?

          Google kappt in weiten Teilen seine Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Hightech-Konzern Huawei. Damit beugt sich Google nach eigenen Angaben dem neuen Dekret von Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zur Telekommunikation. Das könnte weitreichende Folgen für Huawei-Nutzer haben.

          Ein Tempolimit auf den Weltmeeren?

          Initiative von Reedern : Ein Tempolimit auf den Weltmeeren?

          Die internationale Seeschifffahrt ist einer der großen Klimasünder. Deshalb wollen einige Reeder die Schiffe langsamer fahren lassen. Einig ist sich die Branche aber offenbar nicht.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.