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Kommentar : Autobranche von der Rolle

Stück für Stück kommt ans Licht, wie tief Deutschlands Vorzeige-Branche in die Diesel-Affäre verstrickt ist. Die Werte auf dem Prüfstand sind allesamt idealisiert - aber nicht durchweg manipuliert.

          Was vor fast zwei Jahren als VW-Affäre begann, hat längst die ganze Branche erfasst. Fast kein Herstellername fehlt, wenn es um geschönte Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen geht. Deutschlands Vorzeige-Branche ist von der Rolle, und zwar im doppelten Sinn: Nicht von ungefähr müssen die Aufsichtsbehörden in Europa künftig die realen Abgaswerte auf der Straße messen und nicht mehr die (niedrigeren) auf dem Rollenprüfstand.

          Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Ehrlichkeit im Hinblick auf die Umweltbelastungen des Straßenverkehrs. Davon unabhängig läuft die Aufarbeitung der Vergangenheit: Die Werte auf dem Prüfstand sind allesamt idealisiert – aber nicht durchweg manipuliert.

          Nun ist Daimler abermals unter Verdacht. Im ersten Untersuchungsbericht des Kraftfahrtbundesamts war der Konzern schon mit zwei Mercedes-Modellen in den Ruf geraten, die Abgaswerte entsprächen nicht den Katalogangaben. In der Nachprüfung bestätigte sich das nicht.

          Die Staatsanwaltschaft Stuttgart geht nun weiteren Vorwürfen nach. Der Ausgang ist ungewiss, eine Vorverurteilung verbietet sich. Aber für die Branche und Verbraucher sind schon die Razzien ein neuer Tiefschlag.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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