https://www.faz.net/-gqe-9pdlv

Kein „Greta-Effekt“ : Klimadebatte hält Deutschland nicht vom Fliegen ab

Diese Fluggäste in Frankfurt haben offenbar keine Flugscham. Bild: dpa

Alle reden über Klimapolitik. Doch die Nachfrage nach Flügen nimmt trotzdem weiter zu. Die Branche warnt vor neuen Steuern und verteidigt die Klimabilanz der Inlandsflüge.

          2 Min.

          Die Luftverkehrsbranche spürt noch keinen „Greta-Thunberg-Effekt“. Die Nachfrage nach Flügen nehme weiter zu, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, am Mittwoch in Berlin. Die Branche könne keine Auswirkungen der Klima-Proteste feststellen. Dass sich das Wachstum im globalen Luftverkehr im ersten Halbjahr 2019 abgekühlt habe, sei vor allem auf die schwächere Konjunktur sowie auf internationale Handelskonflikte zurückzuführen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Auf der ganzen Welt wuchs der Passagierverkehr in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 4 Prozent, der Frachtverkehr hingegen ging um mehr als 3 Prozent zurück. Die deutschen Flughäfen konnten die Zahl der Passagiere um 4,2 Prozent auf 117 Millionen steigern, dabei blieben die Zahlen im innerdeutschen Verkehr stabil. Die Verkehrsleistung deutscher Fluggesellschaften wuchs im Schnitt um 4 Prozent, also geringer als die der internationalen Wettbewerber. Hier wirkt sich Germania-Insolvenz im Januar dämpfend aus.

          In Anbetracht der heftigen Klimadebatte warnte von Randow vor neuen Belastungen, etwa mit einer nationalen Kerosin- oder CO2-Steuer. Die deutschen Luftfahrtunternehmen hätten ohnehin Lasten zu schultern, die ihre ausländischen Wettbewerber so nicht hätten, wie etwa die im nationalen Alleingang eingeführte Luftverkehrsteuer. „Weitere Insellösungen mit zusätzlichen Steuern und Abgaben wären der völlig falsche Weg“, sagte von Randow. „Sie würden Verkehr und damit CO2-Emissionen nicht verringern, sondern nur zu Wettbewerbern im Ausland verschieben.“ Von Randow verwies darauf, dass die CO2-Emissionen des innerdeutschen Flugverkehrs nur 0,3 Prozent aller CO2-Emissionen hierzulande ausmachten.

          Inlandsflüge sind gar nicht so schlecht

          Eine Lufthansa-Sprecherin betonte am Mittwoch, die Inlandsverbindungen seien vor allem als Zubringer für Interkontinentalflüge wichtig. „Wir bündeln Passagiere an Drehkreuzen, um sie von dort in alle Welt zu befördern. Das spart im Vergleich zu Direktflügen CO2 ein.“ Nach BDL-Angaben sind die innerdeutschen Passagiere zu einem Drittel Umsteiger auf Fernflüge.

          Eine Verlagerung des innerdeutschen Flugverkehrs auf die Schiene sei abhängig vom Angebot der Bahn. So gebe es nach dem Ausbau der Schiene zwischen Berlin und München auf dem Streckenabschnitt Berlin-Nürnberg inzwischen keine Flüge mehr. „Auf der Flugverbindung zwischen Berlin und München ist dagegen kein Nachfragerückgang festzustellen“, sagte von Randow. Die Verdopplung der Fahrgastzahlen bei der Bahn auf der Strecke sei vermutlich in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Autofahrer auf die Bahn umstiegen.

          Von Randow sagte weiter, Klimaschutz sei eine zentrale Aufgabe für Wirtschaft und Politik. Dabei setze sich die Branche für innovations- und marktbasierte Instrumente ein. „Dem Klima wäre geholfen, wenn die Politik das Aufkommen aus der Luftverkehrsteuer in die Förderung innovativer Technologien stecken würde, etwa die Markteinführung eines regenerativen Kraftstoffs, damit wir unserem Ziel des CO2-freien Fliegens näherkommen.“ Derzeit seien solche Kraftstoffe noch nicht ausreichend und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar. Für das gesamte Jahr 2019 erwartet der Verband 2,3 Prozent Wachstum im Luftverkehr. Von Randow bedauerte, dass die deutschen Fluggesellschaften nur wenig von diesem Wachstum profitierten.

          Von der Entwicklung profitierten seit 2012 vor allem ausländische Wettbewerber. Der Anteil der deutschen Fluggesellschaften im Heimatmarkt ging von 67 Prozent des Sitzplatzangebots 2012 auf 56 Prozent in diesem Jahr zurück. Für mehr Verbindungen sorgten seitdem die Billiganbieter, vor allem Ryanair und Easyjet.

          Außerdem sagte von Randow, auch die Qualität der Anbindungen von Deutschland aus werfe Fragen auf. Deutschland verfüge zwar über viele Direktverbindungen in die ganze Welt. Doch während die Gesamtzahl der von hier aus direkt zu erreichenden Ziele seit 2012 weitgehend stabil sei, gehe die Zahl der Direktverbindungen nach Asien – die dynamischste wirtschaftliche Region der Welt – zurück.

          Weitere Themen

          Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie Video-Seite öffnen

          Globaler Hoffnungsträger : Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie

          Voriges Jahr war die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech noch weithin unbekannt, nun hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus.

          Topmeldungen

          Wohnträume wie dieser haben zwar nichts mit der Realität des Durchschnittsbürgers zu tun, werden aber in Magazinen gern inszeniert.

          Wie Corona das Wohnen ändert : Zeiten der Abschottung

          Ob man sich vor Corona schützen kann, ist auch eine Platzfrage. Während sich die einen in ihren Domizilen verschanzen, fällt den anderen die Decke auf den Kopf. Wir müssen Wohnen neu denken.
          Der designierte amerikanische Präsident Joe Biden will, dass alle Amerikaner 100 Tage lang Masken tragen.

          Joe Bidens Plan gegen Covid-19 : Impfungen und 100 Tage lang Maske tragen

          Der gewählte amerikanische Präsident Biden appelliert an alle Amerikaner, 100 Tage lang Masken zu tragen. Wie vier seiner Vorgänger will er sich zudem öffentlich impfen lassen, um das Vertrauen der Bürger zu stärken. Sein Chefberater soll ein alter Bekannter werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.