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Luftverkehr : Internationale Fluglinien greifen deutschen Staat an

Münchener Flughafen: viel los, aber nicht immer optimal organisiert – so findet es zumindest der Luftfahrtverband Iata. Bild: dpa

Deutsche Flughäfen sind für Fluglinien teuer. Der internationale Luftfahrtverband Iata erklärt das mit der schlechten Planung. Die Flughäfen müssten wegkommen von der Struktur von Regionalflughäfen.

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          Das Grummeln der Luftfahrt über die Erhöhung der Luftverkehrssteuer zum 1. April 2020 ist noch nicht verstummt. Nun bewertet der Weltluftfahrtverband Iata den deutschen Rahmen für die Wettbewerbsfähigkeit des Flugverkehrs mit mäßigen Noten. Dabei könnten die Aussichten gut sein, binnen 20 Jahren könne die Zahl der abfliegenden Passagiere um 49 Prozent zunehmen, heißt es von der Iata. Und wenn Deutschland Engpässe behebe, bestehe ein Aufwärtspotential, um diesen Wert zu übersteigen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn – das ist ein Schlüsselwort in dem Iata-Papier. Zum aktuellen Zustand gibt es Kritik. „Bei der Infrastruktur hinkt Deutschland mit Kapazitätsengpässen bei Start- und Landebahnen und Terminals hinterher“, urteilt die Vertretung der Airlines in einem Papier, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wird und der F.A.Z. vorab vorliegt. Während Klimaschützer auf weniger Flüge hoffen, listet die Iata wachstumshemmende Versäumnisse und Hürden auf.

          Vornean stehen Engpässe an Flughäfen. Zwar deutet die Auslastung von insgesamt knapp 70 Prozent nicht auf akute Enge hin, für Großbritannien und die Niederlande nennt der Verband Werte jenseits von 90 Prozent. Doch in Spitzenstunden sei der Frankfurter Flughafen, der größte hierzulande, voll ausgelastet, die Nummer zwei, München, nähere sich diesem Zustand. Die Iata fordert ein Umdenken in der Planung – weg von Regionalflughäfen: „Weitere Infrastrukturinvestitionen sollten sich nur auf die großen Drehkreuze konzentrieren, wo es die Nachfrage erfordert.“

          Aus Sicht der Verbands vertut Deutschland Chancen. „Es gibt immer noch erhebliche Hindernisse für ein weiteres Wachstum der Luftverkehrskonnektivität, das dazu beitragen würde, das gesamte wirtschaftliche Potential des Landes auszuschöpfen“, heißt es. Deutschland ist demnach für Fluglinien vor allem eines: teuer. Steuern und Gebühren summierten sich im Durchschnitt auf den zweithöchsten Wert je Passagier in Europa – hinter Großbritannien. In einer internationalen Liste der teuersten Länder ordnet die Iata Deutschland im oberen Drittel (111 von 148) ein. Die Erhöhung der Luftverkehrsteuer 2020 ist noch nicht mitgerechnet.

          Indes seien Sicherheitskontrollen, an denen Passagiere wiederholt lange warten mussten, „im Vergleich zu Nachbarländern unzureichend“. Auch in der Luft gebe es Schwierigkeiten. Die Iata erinnert daran, dass der Luftsektor Karlsruhe für die meisten Verzögerungen im Verkehrsfluss in ganz Europa verantwortlich sei. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat ihre Ausbildungsanstrengungen intensiviert, allerdings dauern Lotsenausbildungen bis zu vier Jahre. Eine stärkere europäische Koordinierung der Lotsen will der Bund im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft voranbringen – in der zweiten Hälfte 2020.

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