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Kommentar : Volkswagen - hilflos und in Angst erstarrt

  • -Aktualisiert am

Volkswagen Werk in Wolfsburg Bild: dpa

Der Volkswagen-Konzern ist in seiner Angst gefangen. Angst davor, ein falsches Wort zu sagen. Wegen Schadenersatzklagen droht dem Konzern eine Schlammschlacht. Ein Kommentar

          Wie kann ein globaler Konzern plötzlich so hilflos sein? Wenn es eines Beweises bedurfte, dass sich im Riesenreich von Volkswagen alles auf den früheren Chef Winterkorn ausgerichtet hatte, liefert ihn die Angststarre, die den größten Autobauer der Welt seit dessen Flucht befallen hat. Noch immer kann niemand sagen, was bei VW passiert ist.

          Wer in Wolfsburg nachfragt, hört einen Anrufbeantworter in Endlosschleife: Die Software in elf Millionen Autos mit dem Motortyp EA 189 wurde manipuliert. Der betrogene Kunde weiß nicht, ob er so ein Auto fährt. Fragt er seinen Händler, weiß der auch nicht weiter. Aber dieser muss auf der Hut sein, bloß kein falsches Wort zu sagen. So viel immerhin hat die Zentrale den Händler wissen lassen.

          Weil so auch noch der letzte Rest an Vertrauen zerstört wird, kaufen die Leute im Zweifel keinen Diesel oder kein Auto mehr von VW, Škoda oder Audi. Aus kriminellem Fehlverhalten einiger wird ein Desaster für die ganze Industrie.

          Eine Branche auf Tauchstation

          Man wird sich daran erinnern, dass die Branche in der Krise auf Tauchstation war, wenn die Lobbyisten das nächste Mal selbstbewusste Forderungen an die Politik herantragen. Natürlich geht jetzt die Angst vor Sammelklagen und Schadenersatzforderungen um. Aber es war ein Konzernvertreter, der auf offener Bühne die Amerikaner dazu einlud, indem er sagte, VW zahle für alles.

          Auch weil es sonst keine Auskunft gibt, machen die Zulassungsbehörden und Staatsanwälte nun Druck. Dazu gehören selbstverständlich auch Ermittlungen gegen Winterkorn wegen des Verdachts auf Betrug durch den Verkauf von Autos mit manipulierten Abgaswerten.

          Der Aufsichtsrat hat dem vom Hof gejagten Chef keinen Persilschein im juristischen Sinne ausgestellt, als er ihn zum Rücktritt drängte und sich hierbei auf die Formulierung einließ, Winterkorn habe von den Manipulationen nichts gewusst.

          Das mag voreilig gewesen sein, doch können sich Kontrolleure stets nur auf ihr aktuelles Wissen verlassen. Sollten sie durch Ermittlungen klüger werden, kann der Aufsichtsrat eine Schadenersatzklage nachreichen, rechtlich ist das sogar oft geboten.

          Wie man bei Siemens sah, kann eine solche Auseinandersetzung zur Schlammschlacht werden. Angesichts des unwürdigen Gezerres um die Auszahlung des bis Ende 2016 laufenden Vertrags von Winterkorn droht das auch bei VW.

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