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Hauptversammlung in Wolfsburg : Und nun, Volkswagen?

  • Aktualisiert am

Immerhin: Volkswagen verdient wieder gutes Geld, auch die Kernmarke kommt voran. Bild: dpa

Die Volkswagen-Hauptversammlung vor einem Jahr war ein Tag der Abrechnung. Nun steht das nächste Aktionärstreffen bevor - und viele Fragen sind offen.

          3 Min.

          Der Vergleich in den Vereinigten Staaten steht, Volkswagen meldet wieder ordentliche Gewinne - der größte Autohersteller der Welt ist allerdings immer noch ein gutes Stück davon entfernt, „Diesel-Gate“ hinter sich zu lassen. Denn der Betrug von Abgaswerten bleibt Thema vor und sicher auch während der Volkswagen-Hauptversammlung an diesem Mittwoch.

          Überwunden scheinen zwar die aggressive Stimmung und die Verbitterung, die das Aktionärstreffen vor einem Jahr geprägt hatten; damals hatten Aktionäre Vorstand und Aufsichtsrat teils mit heftigen Worten angeschrien, von krimineller Energie und Vollkasko-Mentalität war die Rede. Klar ist aber auch: Es bleiben noch „einige dunkle Wolken am Horizont“, mahnt Auto-Fachmann Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

          Pötsch warnte in der F.A.Z.

          Auf der Haben-Seite dürfte stehen: Die Geschäfte laufen, auch wenn der Diesel-Anteil an den verkauften Autos in Deutschland sinkt. Der „Zukunftspakt“ für die Marke Volkswagen sieht zwar vor, Tausende Arbeitsplätze abzubauen, gleichzeitig sollen aber auch neue Stellen entstehen. Und: Wichtige Zukunftsthemen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilitäts-Dienste wie Carsharing sind auf den Weg gebracht.

          Mehrere Vertreter des Aufsichtsrats betonen allerdings regelmäßig, dass die Aufklärung weitergehen muss. Die Affäre wird den Konzern denn auch nach Einschätzung von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch noch lange beschäftigen. „Einen richtigen Schlusspunkt wird es so schnell nicht geben können“, sagt er im März der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit Blick auf die internen Ermittlungen. Es werde „wohl eher noch länger dauern als bis zum Jahresende 2017“.

          Zumal sich die Justiz sehr für den Skandal interessiert. Die Münchner Staatsanwaltschaft durchsuchte im Zusammenhang jüngst nicht nur Standorte der VW-Tochtergesellschaft Audi, sondern auch die amerikanische Kanzlei Jones Day. Deren Anwälte waren von Volkwagen mit internen Ermittlungen beauftragt worden. Die Verantwortlichen des Autoherstellers reagierten empört.

          Der Dachverband der Kritischen Aktionäre bemängelt indes den Umgang des Konzerns mit „Diesel-Gate“: „Der Abgasskandal ist noch lange nicht ausgestanden, denn jeden Tag kommen von VW Hunderte fabrikneue Euro-6-Diesel auf unsere Straßen, die ihre gesetzlichen Stickoxidgrenzwerte nur im Labor einhalten“, kritisiert Sprecher Jens Hilgenberg. „Alle Kunden haben ein Recht darauf, dass ihr Fahrzeug nicht nur im Labor die Grenzwerte einhält.“ Könne Volkswagen eine wirksame Nachrüstung aller Autos mit der Abgasnorm Euro 5 und Nachbesserung der Euro-6-Fahrzeuge nicht zusichern, müsse der Konzern wie in den Vereinigten Staaten die Fahrzeuge zurückkaufen, verlangt er.

          Für den Vorstand scheint der Diesel-Skandal also keineswegs beendet. Zumal auch die Gegenanträge zur Hauptversammlung eine deutliche Sprache sprechen: Gefordert wird, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung, also den üblichen Vertrauensbeweis, zu verweigern. Dazu kommen Anlegerklagen. Im Musterverfahren von VW-Aktionären beginnt Anfang 2018 die mündliche Verhandlung. Die Anleger werfen Volkswagen vor, im September 2015 zu spät über die Abgas-Manipulationen informiert zu haben. Das Problem: Nach Bekanntwerden der Manipulationen ist der Volkswagen-Aktienkurs stark gesunken, zwischenzeitlich hatte er sich beinahe halbiert. Volkswagen weist die Vorwürfe zurück.

          Was ist mit dem Vertrauen?

          Nord-LB-Analyst Frank Schwope geht zwar davon aus, dass die wesentlichen Kosten des Skandals nach dem Vergleich in den Vereinigten Staaten abgehakt sind. Aber außerhalb der Vereinigten Staaten seien die Kosten, die VW belasten könnten, noch nicht ganz klar. Dennoch erwartet er, dass die Aktionäre die Sanierungsbemühungen anerkennen. Auch im Umfeld des Unternehmens hofft man, dass die Anteilseigner den Blick stärker auf das operative Geschäft richten.

          Der Aufsichtsrat schlägt nun vor, dem gesamten Vorstand das Vertrauen auszusprechen. Allerdings stellte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bereits im März klar, dass sich die empfohlene Entlastung ausschließlich auf das Jahr 2016 bezieht. Um das Jahr 2015, als die Abgasaffäre bekannt wurde, geht es nicht. Der VW-Großaktionär Niedersachsen hatte auf der vergangenen Hauptversammlung dem im Skandal zurückgetretenen früheren Konzernchef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess den Vertrauensbeweis verweigert.

          Eine Reizfigur ist für manche Aktionäre auch Aufsichtsratschef Pötsch, einst mächtigster Vorstand neben Winterkorn. Eine Reihe von Beteiligten scheint die Personalentscheidung aber inzwischen akzeptiert zu haben. Ein Grund: Nach einer Reform der Vergütung für die Vorstände wurde auch die Aufsichtsratsvergütung verändert - auch als Reaktion auf öffentliche Kritik an hohen Boni.

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