https://www.faz.net/-gqe-88ihx

Nach Abgasskandal : Pötsch wird doch VW-Aufsichtsratschef

  • Aktualisiert am

Hans Dieter Pötsch Bild: Frank Röth

Sein Wechsel an die Spitze des Volkswagen-Aufsichtsrats stand kurz zur Debatte. Aber es bleibt dabei: Hans Dieter Pötsch soll neuer Oberaufseher werden. Auch seine Nachfolge als Finanzchef ist entschieden.

          2 Min.

          Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll trotz Abgasskandal wie geplant neuer VW-Aufsichtsratsvorsitzender werden. Das teilte das Aufsichtsrats-Präsidium von VW am Donnerstag mit. Schon Anfang September hatte das Präsidium Pötsch einstimmig als Nachfolger von Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrates vorgeschlagen.

          Dieser Plan war aber zwischenzeitlich wieder ins Wanken geraten, weil es innerhalb des Präsidiums und in Konzernkreisen Zweifel an Pötsch gegeben hatte. Grund war, dass der Manager in seiner neuen Rolle die Aufklärung des Diesel-Skandals beaufsichtigen soll - für den er in seiner Zeit als VW-Vorstand aber möglicherweise eine Mitschuld tragen könnte, wie es in den Kreisen geheißen hatte. Die Familien Porsche und Piëch hatten daraufhin am Mittwoch mitteilen lassen, sie stünden unverändert hinter Pötsch als künftigem Chef des Gremiums. Die von ihnen kontrollierte Porsche-Holding hält die Mehrheit an VW.

          Den Posten an der Spitze des Aufsichtsrates hat seit dem Rücktritt des langjährigen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch im Frühjahr kommissarisch der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber inne. Piëch war Ende April nach einem verlorenen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn zurückgetreten.

          Frank Witter wird neuer Finanzchef

          Auch die Nachfolge von Pötsch als Finanzvorstand ist geregelt: Der bisherige Vorstandsvorsitzende der VW-Finanztochter, Frank Witter, wird neuer Konzernfinanzchef von Volkswagen werden. Witter gilt als Finanzfachmann. Nach seiner Ausbildung zum Sparkassenkaufmann absolvierte er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität in seiner Geburtsstadt Hannover.

          Frank Witter

          Witter arbeitet seit 1992 bei Volkswagen - zunächst in der Abteilung Kapitalmarktgeschäfte. Es folgten Stationen mit unterschiedlichen Aufgabenfeldern in den Vereinigten Staaten, Kanada und der Schweiz. Von 2006 bis 2007 verantwortete er als Generalbevollmächtigter in der Konzernleitung die Region Nordamerika. Anschließend wechselte er bis 2008 in die Chefetage der VW Credit Inc. und wurde Regionalverantwortlicher für die amerikanischen Märkte der Volkswagen Financial Services AG. Seit 2008 ist Witter Vorstandsvorsitzender der Tochter Financial Services mit Sitz in Braunschweig.

          Außerordentliche Hauptversammlung wird verschoben

          Volkswagen rechnet insgesamt mit einer langen Aufarbeitung des Abgas-Skandals. Die Untersuchungen würden „mindestens mehrere Monate“ in Anspruch nehmen, teilte das Aufsichtsrats-Präsidium von VW mit. Daher solle auch die bisher für den 9. November geplante außerordentliche Hauptversammlung nicht abgehalten werden. Es sei nicht realistisch, „binnen weniger Wochen zu fundierten Antworten zu kommen, die den berechtigten Erwartungen der Aktionäre entsprechen“.

          Volkswagen steckt in der wohl tiefsten Krise seiner Geschichte, nachdem vor knapp zwei Wochen bekannt geworden war, dass in den Vereinigten Staaten Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen mit einer Software manipuliert worden waren. Das Programm kann dafür sorgen, dass im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen werden als im regulären Betrieb. Es steckt weltweit in bis zu elf Millionen Fahrzeugen des Wolfsburger Konzerns.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Königin Elisabeth II. am Montag im britischen Parlament neben ihrem Sohn, Prinz Charles.

          Britisches Unterhaus : Queen’s Speech – und dann?

          Die britische Königin hat an diesem Montag mit ihrer Rede das Parlament wiedereröffnet und die Politikvorhaben der Regierung vorgestellt. Im Brexit-Prozess ist das jedoch nur ein Intermezzo.
          Thomas Cook macht Bankrott in einer Zeit, in der das Fliegen als unnötige, im Grunde schon unlautere Handlung gilt. Worüber aber wird berichtet? Über die Streichung von Flügen und steckengebliebene Urlauber.

          Politische Willensbildung : Wer hat noch Mut zum Zweifeln?

          Politik ist die Vertretung von Interessen. Aber die werden kaum noch ausgesprochen. Statt Streit zuzulassen, erstickt man ihn meistens schon im Keim. Über einen immer enger werdenden Spielraum.
          Die Gesundheit des Babys ist für Eltern das höchste Gebot – nicht erst ab der Geburt.

          Verfrühter Mutterschutz : Kaum schwanger, schon weg

          Immer häufiger werden Erzieherinnen und Lehrerinnen lange vor der Geburt des Kindes krankgeschrieben. In vielen Kitas und Grundschulen führt das zu Schwierigkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.