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F.A.Z.-Exklusiv : Gutscheinsystem soll Diesel-Nachrüstungen regeln

Der Auspuff eines Audi A7 Sportback 3.0 TDI quattro Bild: dpa

Es zeichnet sich eine Lösung in der Diesel-Debatte ab. Die großen Autohersteller lenken offenbar ein – Fahrzeughalter könnten aber dennoch zur Kasse gebeten werden.

          Kurz vor dem Diesel-Treffen im Kanzleramt an diesem Freitag zeichnet sich eine Regelung für die Nachrüstungen älterer Dieselfahrzeuge ab. Geplant ist nach Informationen der F.A.Z. ein Gutscheinsystem für die Halter betroffener Autos. Demnach werden die deutschen Hersteller Audi, Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz Besitzern von Autos, die von Einfahrverboten betroffen sind, Gutscheine für Einbauten von Teilen durch Zulieferer wie Baumot oder HJS geben. Sie wollen unverändert keine Herstellergarantie übernehmen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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          Kerstin Schwenn

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          Die Zusage bezieht sich auf 80 Prozent der Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 3000 Euro je Fahrzeug. Es geht dabei nur um Motoren der Schadstoffklasse Euro 5 und nur um solche, die technisch umgerüstet werden können. Fahrzeuge mit der Klasse Euro 4 oder älter können generell nicht umgerüstet werden. Hier werden Umtauschprämien in Neuwagen das Mittel der Wahl sein.

          Die Bundesregierung hat keinen rechtlichen Hebel, da die betroffenen Fahrzeuge legal zugelassen worden sind. Unter dem Druck der öffentlichen Diskussion lenken die drei Konzerne nun aber offenbar ein. Bislang nicht mit von der Partie sind die in Deutschland tätigen Hersteller Opel und Ford sowie sämtliche ausländische Marken. Den genauen Fahrplan wollen Bundesregierung und Konzerne über das Wochenende festzurren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will das Ergebnis am kommenden Montag verkünden.

          Allenfalls Zwischenschritte

          Am Donnerstag hatte „Spiegel online“ gemeldet, dass Volkswagen nach Aussagen von Eingeweihten im Unternehmen offenbar zu einer Einigung bereit sei. Demnach hat der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, Herbert Diess, in einer Videokonferenz mit Verkehrsminister Andreas Scheuer (Scheuer) am Mittwoch versprochen, sich an Nachrüstungen der älteren Dieselautos finanziell zu beteiligen. Außerdem wolle Diess ein großes Umtauschprogramm für Autos der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 auflegen. Man werde „maßgeschneidert für jeden Kunden das richtige Angebot zum Umstieg vorlegen“.

          Offiziell bestätigte VW die Meldungen allerdings nicht, ein Sprecher wiederholte lediglich die bekannte Position, dass VW in bestimmtem Umfang zu Maßnahmen bereit sei und alles tun wolle, um Fahrverbote für Dieselautos zu vermeiden. In Regierungskreisen hieß es, man werde die Gerüchte nicht kommentieren. Alles, was jetzt bekannt werde, könnten allenfalls Zwischenschritte sein. Es gehe um eine Verständigung mit den allen großen deutschen Herstellern.

          Ursprünglich sollte an diesem Freitag auch die Expertenrunde im Verkehrsministerium abschließend tagen, die sich seit dem „Dieselgipfel“ vor gut einem Jahr mit den umstrittenen Hardware-Nachrüstungen befasst hat. Dieser Termin wurde am Donnerstag „aufgrund eines anderen vordringlichen Termins“ abermals abgesagt. In Regierungskreisen gilt der Abschlussbericht für die Entscheidung der Bundesregierung zur Vermeidung von Fahrverboten längst als obsolet, da die Debatte eine Eigendynamik bekommen hat. Das Bundesverkehrsministerium wies in Berlin Meldungen zurück, nach denen sich eine Mehrheit der Experten im Abschlussbericht für Motoren-Nachrüstungen ausspreche. 

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