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Debatte über Luftschadstoffe : Frischer Wind

Autos und Lastwagen fahren an der Luft-Messstation für Feinstaub und Stickoxide am Neckartor vorbei. Bild: dpa

Die Nationalakademie Leopoldina hat sich Gedanken zu lokalen Fahrverboten und der Luftqualität in Städten gemacht. Ihre Stellungnahme hat das Zeug dazu, vermeintliche Gewissheiten und gewisse Gemeinheiten in Frage zu stellen.

          Durchlüften tut gut. Nicht nur in der heimischen Wohnung, sondern auch in der Stadt. Wenn die Luft zwischen den Häusern steht, sammeln sich Schadstoffe wie Stickoxid und Feinstaub. Was das heißt, lässt sich besonders gut in Stuttgart beobachten. Die baden-württembergische Landeshauptstadt hat wegen ihrer Kessellage besonders große Probleme damit, die geltenden Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Die Folge bekommen nicht nur dort immer mehr Autofahrer zu spüren: Gerichte erzwingen Fahrverbote für ältere Diesel-Autos.

          Nun stellt die Nationalakademie Leopoldina genau diesem Weg kein gutes Zeugnis aus. Die Wissenschaftler warnen davor, nur auf die Stickstoffdioxide zu schauen. Feinstaub halten sie für deutlich schädlicher für die Gesundheit. Von kleinräumigen Fahrverboten erwarten sie keine wesentliche Entlastung. Stattdessen sei eine bundesweite, ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung erforderlich.

          Die Nationale Akademie der Wissenschaften kritisiert aber nicht nur die Konzentration auf Stickoxide und Fahrverbote. Sie moniert auch die Platzierung der Messstationen und den verengten Blick auf den Verkehr. Wer glaubt, nun könnten endlich alle Belastungen für die Autofahrer abgeschüttelt werden, irrt. Denn auch die Akademie sagt: Luftverschmutzung ist der wichtigste Umweltfaktor, der zu Erkrankungen und zur Verkürzung der Lebenszeit beiträgt. Das heißt: Man muss weiterhin an vielen Stellschrauben drehen – und das mit langem Atem.

          Gewisse Gemeinheiten

          In der Verkehrspolitik geht es um den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, um Fahrradspuren und um andere Antriebe. Wenn Finanzminister Olaf Scholz sich dafür ausspricht, die Sonderregelung für E-Dienstautos und die Sonderabschreibung für Elektrolieferfahrzeuge zu verlängern, sollten ihn seine Kabinettskollegen beim Wort nehmen.

          Auch wenn noch mehr zu tun bleibt, gibt es für Panik keinen Grund. Die Wissenschaftler lassen gleichsam einen frischen Wind in eine heiß geführte Debatte, sie lüften im übertragenen Sinn einmal kräftig durch. Die Stellungnahme der Nationalakademie hat das Zeug dazu, vermeintliche Gewissheiten und gewisse Gemeinheiten aus Sicht der betroffenen Autobesitzer in Frage zu stellen. Auch wenn sie keine endgültigen Antworten gibt, leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Versachlichung der Debatte.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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