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VW-Enthüllungen : „Wir kennen nur die Spitze des Eisbergs“

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Die Grünen verlangen strengere Abgaswerte und Prüfungen in Europa. Bild: dpa

Die neuen Vorwürfe rund um Volkswagen rufen auch die Politiker wieder auf den Plan: Die Grünen fordern strengere Vorgaben. Und Daimler weist jeden Verdacht zurück.

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          Die Grünen im EU-Parlament fordern nach den neuen Enthüllungen im VW -Abgasskandal schärfere Vorgaben für Autohersteller in Europa. „Die Ausweitung des Skandals zeigt, dass wir bisher nur die Spitze des Eisberges kennen“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Rebecca Harms an diesem Mittwoch. Die jüngste Entscheidung der Mitgliedsländer zu neuen Grenzwerten bei Abgastests müsse rückgängig gemacht werden. Ihre Fraktion werde sich im Europa-Parlament dafür einsetzten, diese Pläne abzulehnen.

          Harms machte die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten für den „systematischen Betrug“ mitverantwortlich. „Anstatt lückenlos aufzuklären, machen sie erneut Deals mit der Industrie auf Kosten von Menschen und Umwelt“, kritisierte die Grünen-Politikerin. Sie forderte zudem eine unabhängige EU-Kontrollbehörde.

          Im EU-Parlament waren bereits Stimmen nach einer EU-Zulassungsstelle für neue Fahrzeugmodelle laut geworden. Volkswagen hatte am Dienstagabend eingeräumt, dass es auch im Falle von Angaben über CO2-Werte bei einigen Fahrzeugmodellen zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Der Aktienkurs ist an diesem Mittwoch im Vormittagsverlauf um rund 10 Prozent gefallen.

          Die EU-Staaten hatten sich vorige Woche auf neue Abgastests ab dem Jahr 2017 geeinigt, die statt wie bisher im Labor unter realen Bedingungen auf der Straße stattfinden sollen. Dabei dürfen die Abweichungen von den Labortests zwar geringer ausfallen als bisher, müssen aber nicht so rigide sein wie von der EU-Kommission ursprünglich geplant.

          Andere Autobauer melden sich derweil ebenfalls zu Wort und weisen entsprechende, die gesamte Branche einschließende Vorwürfe, zurück. „Wir können Unregelmäßigkeiten bei den CO2-Werten unserer Fahrzeuge ausschließen“, sagte beispielsweise ein Sprecher des Luxuswagen-Herstellers Daimler. Auch halte Daimler an seiner Strategie für Diesel-Fahrzeuge fest. „Die Strategie bei uns ändert sich nicht“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf einem Automobil-Kongress in Nürtingen nahe Stuttgart.

          Nach neuen Vorwürfen : VW-Aktien rauschen abermals in die Tiefe

          „Die Vernunft hat gesiegt“

          Die Autobauer seien auf die verbrauchsärmeren Modelle angewiesen, um die CO2-Limits in der EU einzuhalten. „Das morgen durch Benziner zu ersetzen, ist undenkbar“, sagte Zetsche. Angesichts der geringen Nachfrage nach Elektroautos und Modellen mit Hybridmotoren mit der Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor sei es auch unrealistisch, Diesel-Autos schnell durch solche Fahrzeuge zu ersetzen.

          Zetsche begrüßte den jüngsten Kompromiss in der EU zur strengeren Abgas-Messmethode RDE. „Natürlich sind die Vorgänge der letzten Zeit Wasser auf die Mühlen der Diesel-Gegner“, sagte er auf der Konferenz des Instituts für Automobilwirtschaft (ifa). Deshalb habe es bei der RDE-Gesetzgebung eine starke Lobby für strengere Werte gegeben, die mit Diesel nicht erreichbar wären. „Dort hat die Vernunft am Ende gesiegt, es ist gut, was entschieden wurde“, ergänzte Zetsche.

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