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Umstrittener Flughafen : Aufruhr im Inkareich

Unesco-Weltkulturerbe Machu Picchu Bild: AFP

Machu Picchu in Peru gehört zu den Touristenmagneten Südamerikas. Nun soll der Zugang durch einen internationalen Flughafen weiter erleichtert werden. Das Projekt stößt auf Kritik.

          Anderthalb Millionen Touristen pilgerten 2017 zur weltberühmten Inkastadt Machu Picchu in den peruanischen Anden – fast doppelt so viele wie die Unesco für das Weltkulturerbe empfiehlt. Und künftig könnten es noch mehr werden. In der kleinen Ortschaft Chinchero, rund 30 Kilometer von der Stadt Cusco entfernt und am Eingang des „Heiligen Tals der Inkas“ liegend, sind die Bagger aufgefahren. Sie planieren den Boden für ein Projekt, das unter Archäologen, Historikern und der lokalen Bevölkerung für sehr ungute Gefühle auslöst: Hier auf fast 3800 Metern über Meer soll ein internationaler Flughafen mit einer Fläche von 40.000 Quadratmeter und mehr als zehn Flugsteigen entstehen.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Das Millionenprojekt, für dessen Bau bereits eine Reihe von Konzernen Interesse bekundet hat, soll bis 2023 fertiggestellt werden. Ursprünglich hätte der Flughafen von privater Hand gebaut werden sollen. Doch wegen Preiserhöhungen und unlauteren Geschäften um das Projekt geriet dieser Plan ins Stocken. Nun wird der Staat den Flughafen praktisch im Alleingang umsetzen und dann den Betrieb voraussichtlich per Konzession vergeben.

          Nach seiner Inbetriebnahme würde der Flughafen jährlich rund sechs Millionen Touristen in die Anden fliegen. Derzeit müssen Touristen, die Machu Picchu besuchen wollen, über die peruanische Hauptstadt Lima oder über Bolivien reisen und von dort einen Regionalflug nach Cusco nehmen, dessen Flughafen nur eine Landepiste verfügt und nicht von großen Maschinen angeflogen werden kann.

          Unkalkulierbares Risiko?

          Der neue Flughafen ermöglichte direkte internationale Flüge aus größeren Städten Lateinamerikas und den Vereinigten Staaten. Perus Präsident Martín Vizcarra sprach von einem der emblematischsten Bauwerke, das Peru anlässlich seines zweihundertjährigen Bestehens feiern werde. 

          Das Projekt ist höchst umstritten. Archäologen sagen, dass der Flugverkehr ein unkalkulierbares Risiko für nahegelegene Inkaruinen darstellen würde. Auch besteht die Befürchtung, dass durch den Flughafen ein nahegelegener See beeinträchtigt werden könnte, aus dem die Stadt Cusco die Hälfte seines Wasserbedarfs schöpft. Kritiker argumentieren, dass ein Flughafen am vorgesehenen Ort und der damit verbundene Verkehr sowie die Verstädterung die gesamte Region und deren Landschaft im Herzen des einstigen Inkareiches unwiderruflich zerstören könnte.

          In der Ortschaft Chinchero befand sich einst die Residenz des Inka-Herrschers Túpac Yupanqui. In der Gegend befinden sich zahlreiche archäologische Stätten. Bereits jetzt hat das Projekt seine Spuren hinterlassen. Die Yanacona, eine der drei indigenen Gemeinschaften in Chinchero, sollen praktisch ihr gesamtes Land für 35 Millionen Dollar an den Staat abgetreten haben. 

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          Rund zweihundert Archäologen, Anthropologen und andere Wissenschaftler haben sich nun mit einer Petition an Präsident Vizcarra gerichtet, in der sie ihn und die Regierung bitten, den Standort des Flughafens noch einmal zu überdenken. Die peruanische Regierung erhofft sich vom Flughafen wichtige Impulse für die Region Cusco und ganz Peru, weitere Touristen und neue Arbeitsplätze. „Wir werden Vorteile für diese Region und Peru generieren, insbesondere den Bezirk Chinchero“, sagte Vizcarra im Februar dieses Jahres. 

          Das Problem liegt laut Tourismusexperten in der dominanten Stellung, die Machu Picchu für den peruanischen Tourismus hat. Alles ist auf die Inkastadt ausgerichtet. Das habe Cusco in den vergangenen Jahren an die Belastungsgrenze gebracht. Seit die Unesco Machu Picchu auf die Liste der gefährdeten Weltkulturerben gesetzt hat, hat Peru die Regeln für den Besuch der Stätte verschärft und die Anzahl der Besuche auf zwei Schichten am Vormittag und am Nachmittag beschränkt. Der geplante Flughafen zielt jedoch in die andere Richtung, denn er wird jährlich Millionen Touristen direkt am Zugang zu Machu Picchu absetzen.

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