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GDL-Chef Weselsky : „Der Streik könnte gar nicht lange genug dauern“

  • Aktualisiert am

Fährt bald wahrscheinlich mal wieder gar nicht: Ein ICE der Deutschen Bahn Bild: dpa

Die Flutkatastrophe und die Corona-Krise bescheren der Bahn Milliardenverluste. Trotzdem geht der Chef der Lokführergewerkschaft GDL wieder mal in den Angriffsmodus. Die Mitarbeiter seien „wütend und frustriert“.

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          Im Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn wird der Ton rauher. „Gemessen an der Stimmung in der Belegschaft könnte der Streik gar nicht lange genug dauern“, sagte Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), der Bild am Sonntag. „Aber wir wollen das System weder dauerhaft lahmlegen noch schädigen. Wir sind immer gesprächsbereit.“

          Die GDL hatte Anfang Juni die Tarifgespräche für gescheitert erklärt und eine Urabstimmung über Streiks angekündigt. Diese soll am 9. August ausgezählt werden. Weselsky rechnet mit einem eindeutigen Ergebnis. „Die Mitarbeiter sind wütend und frustriert angesichts eines Arbeitgebers, der ihnen weder einen Inflationsausgleich noch eine Corona-Prämie zugesteht, während sich die Führungskräfte weiterhin die Taschen füllen“, sagte er. „Die DB hat bisher kein Interesse an einer gütlichen Lösung und verfolgt stattdessen die altbekannte Taktik ,Tarnen, Tricksen, Täuschen’.“

          Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. „Herr Weselsky sollte bei den Fakten bleiben. Die GDL-Spitze war bisher nicht bereit, über unsere Angebote zu verhandeln. Alles was kam, waren Verweigerung und Streikdrohungen – weil beim GDL-Chef bisher Machtinteressen im Vordergrund stehen“, sagte eine Sprecherin am Sonntag. Wer Lösungen wolle, komme an den Verhandlungstisch. „Wenn Herr Weselsky es nun wirklich ernst meint mit seiner Gesprächsbereitschaft, dann braucht es auch keine Urabstimmung.“

          Wirtschaftlich gesehen käme ein Streik zur absoluten Unzeit, denn die Bahn fährt in der Corona-Krise tiefrote Zahlen ein. In den ersten sechs Monaten des Jahres steht unter dem Strich ein Minus von über 1,4 Milliarden Euro, wie aus Konzerndokumenten hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlagen. Vor allem der Fernverkehr mit ICE und IC war dafür verantwortlich. Hier wirkte sich aus, dass die Bahn ihre Züge trotz geringer Auslastung auch auf Wunsch des Bundes ohne große Einschränkungen weiterfuhr. Immerhin blieb der Verlust im Gesamtkonzern deutlich unter dem Vorjahres-Wert von 3,7 Milliarden Euro, den allerdings Sondereffekte wie Abschreibungen erhöht hatten. Zusätzlich muss das Unternehmen jetzt die Milliarden-Schäden der Flut beheben.

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