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Zukunft der Autobranche : Größe zählt

  • -Aktualisiert am

Viele Marken vereinigt Fiat Chrysler schon unter einem Dach – doch es reicht offenkundig nicht. Bild: AFP

Wieso will sich der Autokonzern Fiat-Chrysler mit dem französischen Konkurrenten Renault zusammenschließen? Hinter der möglichen Fusion steckt eine klare Logik. Ein garantierter Erfolg wäre sie trotzdem nicht.

          Der italienisch-amerikanische Autohersteller Fiat-Chrysler ist schon seit langem auf Partnersuche. Als der im vergangenen Juli verstorbene langjährige Vorstandsvorsitzende Sergio Marchionne noch lebte, verging kaum eine Automesse, ohne dass Marchionne Kooperationen oder Fusionen seines Unternehmens mit allerlei Konkurrenten ins Spiel brachte. Aber auch nach dem abrupten Ende dieser Ära gab es weiter Anzeichen dafür, dass der Konzern nicht in der Lage sein wird, den Wandel der Autobranche allein zu meistern.

          Erst kürzlich hat Fiat-Chrysler angekündigt, seine Neuzulassungen in Europa mit dem amerikanischen Elektroautohersteller Tesla zusammenzulegen. Das Ziel lautet, mögliche horrende Strafzahlungen zu verhindern, wenn vom übernächsten Jahr an für die Neuwagenflotte der Kohlendioxid-Grenzwert von 95 Gramm Ausstoß je Kilometer in der Europäischen Union greift.

          Dieses CO2-Pooling war im Grunde ein Offenbarungseid von Fiat-Chrysler: Weil das Unternehmen auf dem Wandel zur Elektromobilität noch weiter hinterherhinkt als andere, braucht es eben einen Partner – und wenn es der amerikanische Emporkömmling Tesla ist.

          Ein Selbstläufer ist das nicht

          Was für die Elektromobilität gilt, ist genauso wahr für die beiden anderen Trends, die die Autobranche so durcheinanderwirbeln wie nie zuvor in ihrer Geschichte: Die digitale Vernetzung und die Weiterentwicklung moderner Mobilitätsdienstleistungen. Auch hier befindet sich Fiat-Chrysler im Branchenvergleich ordentlich im Hintertreffen. Auch dies kostet Milliardenbeträge.

          Auch deshalb herrscht in der Autobranche derzeit eine große Begeisterung, selbst mit den schärfsten Konkurrenten zusammenzuarbeiten. Das zeigt das Beispiel der deutschen Luxusautohersteller BMW und Mercedes-Benz, die ihre Abteilungen für Mobilitäts-Dienstleistungen erst kürzlich zusammengelegt haben. Über allem steht dabei immer, die Entwicklungskosten zu senken, wo es nur geht – und wo es die Kartellbehörden gerade noch erlauben.

          Das macht aus der geplanten Fusion zwischen Fiat-Chrysler und Renault keine Einbahnstraße. Zwar braucht Fiat-Chrysler die Franzosen wohl dringender, weshalb das Unternehmen auch die treibende Kraft hinter dem möglichen Geschäft ist.

          Doch geteilte Kosten entlasten auch die Gewinn-und-Verlustrechnung von Renault. Was allein ein gemeinsamer Einkauf von Teilen bringen kann, zeigt die Übernahme von Opel durch PSA Peugeot Citroën: Weil Opel nun im Verbund mit PSA mit Lieferanten verhandelt, kann es bessere Konditionen und niedrige Preise erzielen. In der Autobranche kann Größe sehr wohl alles sein.

          Allerdings ist es mit dem gemeinsamen Einkauf längst nicht getan. Längerfristig kann es für die möglichen Fusionspartner Fiat-Chrysler und Renault nur darum gehen, gemeinsame Plattformen zu betreiben, um darauf die Autos ihrer jeweiligen Marken zu produzieren.

          Damit blieben die Fahrzeuge von außen weiter unterscheidbar. Da ihr Innenleben aber mehr oder weniger dasselbe ist, entstehen Verbundeffekte.

          Diese Synergien zu heben, ist allerdings eine Aufgabe für mehrere Jahre. Und ob die Strategie Früchte trägt, hängt nicht zuletzt auch von den Mitarbeitern und den jeweiligen Unternehmenskulturen ab. Eines ist sie damit nicht: ein Selbstläufer.

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