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Platzkampf : Freie Fahrt für freie Radler!

  • -Aktualisiert am

Für Radler wird es schnell mal eng. Bild: dpa

Der Stadtverkehr wird immer schlimmer. Ein paar Radspuren auszuweisen hilft da wenig. Besser wäre es, die Wege zu trennen.

          Wie der Verkehr nicht funktioniert, das lässt sich in vielen Städten beobachten. Zum Beispiel in Frankfurt an der Mainzer Landstraße. Natürlich fahren hier Autos und Lastwagen in beide Richtungen, daneben liegt wie an zahlreichen frequentierten Routen meist ein kleiner Streifen für Fahrräder, bevor der Bürgersteig mit geparkten Autos, schlendernden Passanten und geschobenen Kinderwagen beginnt. In der Mitte der Straße verlaufen über weite Teile zwei Spuren für die Straßenbahn – und die blockiert an der Haltestelle oft die komplette Fahrbahn, weil die Passagiere vom Bürgersteig zur Bahn in der Straßenmitte oder zurück müssen. Alle Verkehrsteilnehmer fahren hier durcheinander und stehen nicht selten hintereinander.

          Das Prinzip, alle auf die gleiche Spur zu bringen, erproben viele. Es scheint einfach zu sein: Wenn städtische Verkehrsplaner das Fahrradfahren erleichtern wollen, knapsen sie den Autos ein wenig Platz ab und markieren mit ein paar Farbklecksen den neuen Radweg. Schon ist allen Genüge getan? Mitnichten! Der Stadtverkehr wird immer schlimmer und sorgt für Hektik, Aggression und Stau. Paketdienste und andere parken auf der Fahrradspur, der Radfahrer muss ausweichen, die Autos abbremsen. In die Verkehrsströme der Großstädte drängeln sich immer mehr Gefährte wie Elektromotorroller oder E-Scooter. Allen gleichzeitig gerecht zu werden, wirkt wie eine wilde Fahrt.

          Dabei ist es ja richtig, dass die umweltfreundlichen Radfahrer besser durch die Stadt gelangen sollen und dafür Raum brauchen. Ein Radfahrer braucht weniger Platz als ein Auto – ob zum Parken oder im Verkehr. Aus solchen Gründen streben Städte einen höheren Anteil des Radverkehrs an.

          Scheuers Idee hilft

          Manche Verkehrsforscher wollen es nicht bei der Förderung des Radverkehrs belassen. Sie fordern, dass Autofahrten erschwert werden, damit weniger Menschen ins Auto steigen. Doch das kann problematisch werden. Denn nicht jeder will und kann in die Pedale treten. Für viele bleibt das Auto das Verkehrsmittel der Wahl. Je öfter die Autos bremsen und beschleunigen, desto mehr Feinstaub und Stickstoffdioxid entstehen. Deshalb lässt sich mit Schikanen für Autofahrer die Stadtluft kaum reinigen, wenn nicht gleich die Innenstadt zum Sperrgebiet für Autos erklärt wird.

          Da hilft der Vorschlag des Verkehrsministers Andreas Scheuer durchaus, den Zugang zum Motorradführerschein zu vereinfachen. Vielleicht nehmen dann mehr Menschen für kurze Strecken in der Stadt mal einen Elektroroller und sparen auf diese Weise Platz.

          Wege trennen ist die Lösung

          Der Konflikt zwischen Autofahrer und Radfahrer ist so alt wie der Aufschwung des Fahrrads. Die einen schimpfen auf Kampfradler, die durch die Menge und mitunter über rote Ampeln rasen. Die anderen klagen über motorisierte Panzer, die jedenfalls stärker als ungeschützte Fußgänger und Radfahrer sind, manchmal keine Rücksicht nehmen oder nicht genau hinsehen. Gerade mit dem Gewusel von Rad- und Autofahrern, mit Elektrorädern, Scootern und Mietwagen wächst die Aggressivität im Straßenverkehr. Städte feuern den Konflikt weiter an, wenn sie die Wege aller Verkehrsmittel in dicht befahrenen Strecken wie in der Mainzer Landstraße überschneiden, alle sich daran stören und die Unfallgefahr steigt.

          Besser ist es, die Wege zu trennen. Die Stadt hat genug Platz für alle, damit jeder schnell und sicher vorankommt. Und das geht so: Die Autofahrer kommen mit grüner Welle auf den breiten Hauptstraßen voran, dafür erhalten die Radfahrer woanders Raum zur schnellen und sicheren Fahrt. Schmalere Straßen werden den Fahrrädern und E-Scootern gewidmet. Dort ist der Autoverkehr stark eingeschränkt oder ganz verboten. Diese Straßen müssen so gewählt werden, dass Radfahrer keine unnötigen Steigungen zurücklegen müssen und nicht auf Zickzackkurs geschickt werden. Dafür eignen sich ebenfalls Radschnellwege an Bahnstrecken, in Parks oder an Flüssen. Dann fahren die Radfahrer bequemer und sicherer – und sogar die Autofahrer kommen besser voran.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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