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Folgen des Diesel-Skandals : S-Bahn-Tickets sollen Dieselfahrer trösten

  • -Aktualisiert am

Eine S-Bahn fährt am Stuttgarter Hauptbahnhof ein. Bild: dpa

Diskussionen um mögliche Fahrverbote bringen Verkehrsunternehmen auf kreative Ideen. In Stuttgart gibt es nicht nur für Dieselfahrer neue Sparangebote.

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          Die ersten Verkehrsbetriebe in deutschen Großstädten schicken sich an, den Kummer leidgeplagter Dieselfahrer zu lindern. Eine Aktion der Düsseldorfer Rheinbahn AG vom Freitag geht in diese Richtung: Das Verkehrsunternehmen bietet Eigentümern von Dieselfahrzeugen ab sofort ein Monatsticket zum halben Preis. Im Gegenzug sollen die Inhaber den Fahrzeugschein in einem Kundencenter abgeben. Das „Kennenlern-Angebot“ gilt zunächst für die Monate August und September.

          „Wir wollen den betroffenen Autofahrern in der schwierigen Lage unsere Unterstützung bieten“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Es gebe für Dieselfahrer immer mehr Einschränkungen, die Diskussionen über Fahrverbote und das vergangene Woche von Verkehrsminister Alexander Dobrindt verhängte Zulassungsverbot für bestimmte Porsche Cayenne sorgten für Verunsicherung. Gleichzeitig könne man so einen Beitrag für mehr saubere Luft leisten.

          Einführung des sogenannten „Feinstaubtickets“

          Bei aller Selbstlosigkeit, die aus diesen Worten spricht, dürfte es dem Düsseldorfer Verkehrsbetrieb auch darum gehen, seine Fahrgastzahlen zu erhöhen. Inwiefern das neue „Diesel-Ticket“ dazu beitragen kann, lässt sich freilich noch nicht sagen. „Da das Angebot erst am Freitag bekanntgegeben wurde, wissen wir noch nicht, wie es von den Menschen angenommen wird“, so die Sprecherin. Es gebe noch keine Überlegungen, die Aktion über September hinaus zu verlängern. Man werde sich aber vorbehalten, das Angebot bei hoher Resonanz „anzupassen“.

          Im vergangenen Jahr hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf aufgefordert, den Luftreinhalteplan für die Stadt nachzubessern, um damit die von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten. Obwohl der Fall mittlerweile vor dem Bundesverwaltungsgericht liegt und eine Entscheidung aussteht, zählt Düsseldorf zu jenen Städten, in denen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge drohen. In Stuttgart ist man schon einen Schritt weiter, seit das dortige Verwaltungsgericht am vergangenen Freitag ein rasches Fahrverbot für Dieselfahrzeuge für die Stadt gefordert hat.

          Stuttgarter Autofahrer können sich allerdings schon länger mit Sonderangeboten des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) trösten. Mitte Oktober vergangenen Jahres wurde ein sogenanntes „Feinstaubticket“ eingeführt: An Tagen mit Feinstaubalarm wurden Einzeltickets zum halben Preis angeboten. Die Bürger erfuhren von dem Alarm, der in der Regel zwei Tage vorher verkündet wurde, über sämtliche Medienkanäle und eine spezielle App des VVS. Womit der Verkehrsverbund im Herbst 2016 aber nicht gerechnet hatte: Allein von Januar bis April 2017 wurde der vorgegebene Grenzwert an der Messstation Neckartor 35 Mal überschritten.

          Spezielle Angebote für einkommensschwächere Gruppen

          Eine Sprecherin des VVS schildert die Folgen: „Wegen der vielen Tage mit Feinstaubalarm waren die Einnahmeausfälle sehr hoch, außerdem haben sich Abonnenten beschwert, weil sich ihre Zeittickets nicht mehr lohnten.“ Deshalb hat der VVS in der vergangenen Woche ein neues „TagesTicket“ als Nachfolger des „Feinstaubtickets“ vorgestellt. Dieses gilt nicht für einzelne Tage, sondern für den gesamten Zeitraum der Feinstaubsaison von Mitte Oktober bis Mitte April. Die Ermäßigung beträgt 20 bis 35 Prozent, womit sichergestellt ist, dass die Inhaber von Zeittickets immer noch günstiger reisen.

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          Würden in Stuttgart Autofahrer in größerem Stil auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen, könnte das der Stadt auch bei der Lösung eines anderen Problems helfen: Laut einer Auswertung des Navigationsystemherstellers Tom-Tom, der die Verkehrsbelastung in 390 Städten auf der ganzen Welt misst, landete Stuttgart auf Platz eins der staureichsten Städte Deutschlands. Dort hatten Autofahrer im Jahr 2016 ein durchschnittliches Fahrtzeit-Plus von 34 Prozent.

          Andere Verkehrsunternehmen wollen sich die Maßnahmen in Düsseldorf oder Stuttgart nicht zum Vorbild nehmen. Ein Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds sagte, der Verbund verstehe sich nicht als Konkurrent zum Auto, sondern als Ergänzung. Außerdem sei es sinnvoller, spezielle Angebote auf einkommensschwächere Gruppen zuzuschneiden, „die es wirklich nötig haben.“

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