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Blablabus-Chef im Gespräch : Die 99-Cent-Attacke auf Flixbus

  • -Aktualisiert am

Ein Bus von BlaBlaBus fährt nach einem Pressetermin zum neuen Fernbusangebot der französischen Mitfahrplattform Blablacar auf der Kurfürstenstraße. Bild: Picture-Alliance

Der neue Fernbusanbieter „Blablabus“ ist seit zwei Monaten in Deutschland und der Deutschland-Chef zeigt sich bisher ganz zufrieden. Doch Gewerkschafter kritisieren die Kampfpreise.

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          Seit fast zwei Monaten rollt die Konkurrenz zu Flix Bus auf den deutschen Autobahnen: „Blablabus“ versucht seine orangefarbenen Busse mithilfe von Kampfpreisen von nur 99 Cent auf dem deutschen Markt zu etablieren. Dahinter steckt das französische Unternehmen Comutu, seit Jahren schon durch den Mitfahrdienst Blablacar bekannt. Nach einem ersten Fazit ist das Unternehmen zufrieden: Die Busse seien im Schnitt zu 70 Prozent gefüllt, sagt Christian Rahn, der Deutschland-Chef von Blablacar, im Gespräch mit der F.A.Z.

          „Das ist ein sehr, sehr guter Wert dafür, dass wir neu sind“, so Rahn. Auch internationale Linien würde das Unternehmen immer mehr in den Fokus rücken. Momentan fährt Blablabus 30 Fahrtziele in Deutschland an; darunter fast alle großen Städte wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und München. Bis Ende des Jahres sollen es insgesamt 40 Fahrtziele werden. In ganz Europa fährt Blablabus zurzeit 400 Haltestellen an. Doch um dauerhaft mitzuhalten, müsste das Unternehmen noch deutlich mehr tun: Der Konkurrent Flixbus bietet insgesamt 2.000 Fahrtziele in Europa an und hat einen Marktanteil von 95 Prozent.

          Für 99 Cent nach Berlin

          Die Konzepte der beiden Unternehmen sind ähnlich: Sie kooperieren mit privaten Busunternehmen, die sowohl die Busse, als auch die Fahrer bereitstellen. Außerdem vermitteln sie diese Fahrten lediglich und verkaufen die Tickets. Auch bei Blablabus sollen alle Busse mit WLAN, Steckdose und Klimaanlage ausgestattet sein. Um sich auf dem deutschen Markt durchzusetzen, bietet Blablabus noch bis September sogenannte „Kennenlernpreise“ an. Für nur 99 Cent können die Kunden beispielsweise von Frankfurt nach Berlin oder von Hamburg nach Düsseldorf fahren. 

          Doch Experten kritisieren, auf welche Art der Anbieter neue Kunden anwirbt: „Um diese Kampfpreise länger durchhalten zu können, wird versucht, durch Löhne und Arbeitsbedingungen zu sparen“, sagt Thomas Gehringer vom Gewerkschaftsverband Verdi. Christian Rahn widerspricht: „Diesen Markteintritt haben wir mit entsprechenden Investitionen geplant. Die Kosten der Kennenlernpreise tragen wir voll als Blablacar oder Blablabus – die gehen nicht zulasten unserer Buspartner.“ Auch Flixbus wurde in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, dass wirtschaftliche Risiko auf die Busunternehmen zu übertragen.

          Kein Zug

          In der Vergangenheit sind schon viele Fernbusunternehmen an der Flixbus-Konkurrenz gescheitert, darunter die Post, der ADAC und der britische Anbieter Megabus. Dass sich Blablacar gerade jetzt mit einem neuen Fernbusunternehmen auf den Markt geht, ist damit durchaus gewagt. Doch Christian Rahn winkt ab; es sei nur logisch gewesen, nach Deutschland zu kommen. „Hier haben wir einen sehr großen und wichtigen Markt, mit einer geografisch wichtigen Anbindung.“ Gerade Letzteres dürfte ausschlaggebend gewesen sein, da Blablabus vor allem international ausbauen will. Zudem habe Blablacar schon Erfahrungen in dem Bereich, da ihnen seit 2018 auch der französische Fernbusbetreiber „Ouibus“ gehört.

          Blablabus unterscheidet sich jedoch in einem wesentlichen Punkt von der Konkurrenz: Sie wollen ihr Busangebot als Ergänzung zu Blablacar anbieten. Konkret sieht das – zumindest in der Theorie – so aus, dass man den Mitfahrdienst bis zu einer nächstgrößeren Stadt nutzt und erst dort in den Bus einsteigt. Oder umgekehrt. Alles soll in einer App buchbar sein. In der Praxis hakt es noch. „Momentan konnten wir das Busangebot noch nicht vollends in unser Kernangebot integrieren. Daran arbeiten wir gerade“, sagt Christian Rahn.

          Grundsätzlich habe Blablacar aber in Zeiten der „Fridays for Future“-Bewegung einen guten Zeitpunkt erwischt, um sich auf dem Markt zu etablieren. „Wir stellen Angebote bereit, die genau dieser Nachfrage entsprechen. Wir sind aktueller denn je“, meint Rahn. Mit Blick auf das neue Zugangebot vom Konkurrenten, Flixtrain, wolle sich Blablacar aber lieber auf das Bussegment beschränken.

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