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Gemeinsame Berechnung : Fiat kauft sich seine CO2-Bilanz mit Tesla sauber

Kein Vorreiter: Erst jetzt wurde eine Elektroversion des Kleinwagens Fiat 500 angekündigt. Bild: Hersteller

Fiat-Chrysler drohen Strafen wegen zu dreckiger Motoren. Um die zu vermeiden, sollen Emissionen kleiner Fiats mit Elektroautos von Tesla verrechnet werden. Das Unternehmen von Elon Musk lässt sich dafür gut bezahlen.

          Der Fiat-Chrysler-Konzern umgeht künftige Strafen für zu hohe Kohlendioxid-Emissionen durch eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Elektroautohersteller Tesla. Die beiden Unternehmen haben sich dazu als Verbündete bei der Europäischen Kommission registrieren lassen. Damit werden sie künftig für die Bewertung der CO2-Emissionen wie ein einziger Konzern behandelt. Fiat-Chrysler kann damit die schlechten Emissionswerte der eigenen Modelle dadurch ausgleichen, dass Tesla als Hersteller von Elektroautos nach EU-Recht gar keine CO2-Emissionen auslöst. Diesen Vorteil soll sich Tesla mit einem dreistelligen Millionenbetrag bezahlen lassen.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Das Abkommen ist Teil der Anstrengungen in der Automobilindustrie, mit den europäischen Vorgaben für die CO2-Emissionen zurechtzukommen, die ab 2021 gelten. Dann darf die Flotte der neu verkauften Autos im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen, das entspricht einem Benzinverbrauch von 4,1 Litern auf 100 Kilometer oder einem Dieselverbrauch von 3,6 Litern. Wer Autos auf den Markt bringt, die im Durchschnitt mehr Kraftstoff benötigen und damit auch mehr CO2 ausstoßen, muss für jedes zusätzliche Gramm an Emissionen jeweils 95 Euro an Strafgebühren bezahlen. Die europäischen Regeln differenzieren allerdings den tatsächlichen Grenzwert für jeden Hersteller danach, wie viel dessen Autos im Durchschnitt wiegen. Zusätzlich enthält die Formel bis 2022 einen Bonus für Elektro- und an der Steckdose aufladbare Hybridautos („Plug-in-Hybrid“).

          Fiat-Chrysler hatte bisher besonders ungünstige Aussichten, die EU-Anforderungen für 2020 zu erfüllen. Die Unternehmensberatung PA Consulting sieht in einer Studie Fiat-Chrysler als den am schlechtesten aufgestellten Autokonzern, der wegen der Emissionsfrage einen großen Aderlass bei den Erträgen zu befürchten habe. PA Consulting erwartete für Fiat-Chrysler bisher eine Strafe von 700Millionen Euro allein für 2021. Eine Branchenanalyse der Schweizer UBS kalkulierte die Strafen mit 20 Prozent des erwarteten Nettogewinns.

          So gut wie keine Investitionen in Hybridtechnik oder Elektromodelle

          Die ungünstige Position von Fiat-Chrysler hat vielfältige Gründe: Zunächst sind die Fiat-Autos relativ klein und leicht. Daher wird von dem Konzern erwartet, dass er eine niedrigere Emissionsgrenze einhält, als der europäische Durchschnittswert von 95 Gramm CO2 je Kilometer vorgibt. Gemessen an der Zielgröße, von PA Consulting auf 91,8 Gramm geschätzt, wird Fiat-Chrysler vorausgesagt, dass die tatsächlichen Werte um 7 Prozent höher liegen. Eine Ursache dafür ist, dass Fiat technisch veraltete Motoren verwendet, die auch in Kleinwagen relativ viel verbrauchen. Der CO2-Ausstoß eines gut ausgestatteten Fiat Panda City Cross mit 69 PS (51 kW) liegt demnach auf dem Niveau eines Dreier-BMW mit 258 PS (190 kW).

          Die von Italiens neuer Regierung als Strafsteuer für schwere SUV gedachte CO2-Abgabe trifft zwar nicht viele teure Produkte aus Deutschland, aber die am besten ausgestatteten Benzinversionen des billigen Kompaktmodells Tipo. Zugleich hat Fiat in den vergangenen Jahren so gut wie gar nichts in Hybridtechnik oder Elektromodelle investiert. Erst jetzt wurde eine Elektroversion des Kleinwagens Fiat 500 angekündigt.

          Kooperation mit Tesla erspart Fiat-Chrysler die Strafen

          Die Kooperation mit Tesla erspart Fiat-Chrysler nun die Strafen. Denn nach den Regeln der EU dürfen sich Hersteller für die Berechnung der durchschnittlichen Emissionswerte ausdrücklich mit anderen Herstellern zusammentun. Fiat und Tesla habe ihre Kooperation am 25. Februar in Brüssel angemeldet, teilt die EU-Kommission mit. Zu diesem Emissions-„Pool“ gehören demnach Fiat-Chrysler, Alfa Romeo und Tesla. Ende des vergangenen Jahres hatten sich schon Mazda und Toyota sowie PSA und Opel zur Verrechnung ihrer Emissionswerte zusammengetan.

          Für die Unterstützung von Fiat will Tesla aber belohnt werden. Der Verkauf von „Emissionspunkten“ stellt für den amerikanischen Hersteller auch in den Vereinigten Staaten ein lukratives Geschäft dar. Diese Emissionspunkte oder „Zero Emission Vehicle Credits“ bekommt Tesla von Kalifornien und anderen Staaten für die Produktion der Elektroautos. Andere Hersteller kaufen die Punkte und entledigen sich damit der Pflicht, emissionsarme Fahrzeuge zu produzieren. 2018 betrugen die Einnahmen aus diesem Handel für Tesla 103,4 Millionen Dollar nach 279,2 Millionen Dollar im Jahr zuvor. Dieses Geschäft ist großen Schwankungen unterworfen, aber für Tesla wichtig, weil sich das Unternehmen in seinem Kerngeschäft sehr schwer tut, profitabel zu arbeiten.

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