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Fiat-Chrysler und Renault : Flucht vor einem übermächtigen Staat

  • -Aktualisiert am

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire im Mai in Paris Bild: Reuters

Frankreichs Finanzminister hat in den Verhandlungen zwischen Renault und Fiat-Chrysler seine Karten überreizt. Musste er wirklich so viel Macht fordern?

          Nur zehn Tage nach dem Angebot einer Fusion unter gleichberechtigten Partnern zwischen Fiat-Chrysler und Renault hat sich der italienisch-amerikanische Konzern schon wieder zurückgezogen. Es sieht so aus, als hätte jemand noch schnell den Notausgang gesucht, um nicht mit immer neuen Bedingungen gefesselt zu werden. Fiat-Chrysler geht mit dem Abbruch der Gespräche schließlich ein großes Risiko ein – der italienisch-amerikanisch Konzern steht nun wieder ohne leuchtende Zukunftsperspektiven da.

          Am Ende spricht vieles dafür, dass das Management von Renault unter Führung von Jean-Dominique Senard gerne eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit Fiat-Chrysler eingegangen wäre, die französische Regierung dagegen ihre Karten überreizt hat. Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat mit seinen Konditionen an die beiden Autohersteller, vor allem an Fiat-Chrysler, klargemacht, wer künftig im neuen Konzern den Ton angeben sollte.

          Arbeitsplatzgarantien für Frankreich zu verlangen war sicher legitim. Wieso musste aber der französische Staat mit einem Sitz im Verwaltungsrat und im Ausschuss für die Ernennung von Spitzenmanagern Einfluss nehmen – und dann auch noch zusätzliche Macht fordern? Musste Le Maire die Bewertung der beiden Unternehmen an der Börse anzweifeln und eine Sonderdividende für Renault-Aktionäre verlangen?

          Klares Votum an den Börsen

          Einen Tag vor dem Fusionsangebot war Renault rund 15 Milliarden Euro wert, Fiat-Chrysler mehr als 17 Milliarden Euro. Da war der Wunsch von Fiat-Chrysler-Präsident John Elkann nach einer Sonderausschüttung für seine Aktionäre – und seinen kritischen Familienclan – berechtigt. Dennoch hätte ein weitsichtiger Politiker lieber eine Kapitalerhöhung für Renault verlangen sollen, damit mehr Geld für Investitionen zur Verfügung steht. Stattdessen machte Le Maire klar, dass bei den Verhandlungen nach seiner Pfeife getanzt wird: Der Minister ist die kommenden Tage auf Reisen, weshalb die Verhandlungen über die Fusion solange ausgesetzt werden sollten.

          Für Fiat-Chrysler war die Fusion nicht mit so vielen Prestigefragen verbunden. Man hätte einen französischen Geschäftsführer und viel Einfluss von Renault akzeptiert. Denn gerade jetzt ist es leichter, Produktion und Entwicklung bei Kompakt- und Kleinwagen zusammenzulegen. Noch vor einigen Jahren wäre der erfolgreiche Kleinwagen Fiat Punto dem erfolgreichen Pendant Renault Clio gegenübergestanden und niemand hätte hier auf eine Vorreiterrolle verzichtet.

          Mittlerweile hat Fiat-Chrysler ganz auf einen eigenen Kleinwagen verzichtet, die Überlappungen in der Modellpalette wären nicht mehr so groß gewesen, um so mehr aber die Synergien für die Entwicklung neuer Modelle auf gemeinsamen Plattformen. Schließlich haben Renault und vor allem Minister Le Maire die Chancen der Edelmarken Jeep, Alfa Romeo und Maserati unterschätzt. Ohne eine Kooperation im Premium-Markt wird Renault nie Premium-Modelle entwickeln und verkaufen können. Nun sind auch diese Möglichkeiten verloren.

          Die Börse startete am Donnerstag mit einem eindeutigen Votum: Kursverluste von 7 Prozent für Renault wegen beschädigter Zukunftsaussichten. Verluste von nur 2 Prozent für Fiat-Chrysler, weil offenbar noch ein wenige Übernahme- und Verkaufsphantasien erhalten bleiben.

          Fiat Chrysler Automobiles N.V.

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          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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