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Umstrittenes Projekt : Gutachten sieht keinen Bedarf für Fehmarnbeltquerung

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Visualisierung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark auf dänischer Seite in Rodbyhavn. Bild: dpa

Seit 20 Jahren streiten Naturschützer und Verkehrsplaner über die feste Querung des Fehmarnbelt zwischen Deutschland und Dänemark. Jetzt kommt neue Bewegung in die Debatte.

          Für die geplante feste Querung des Fehmarnbelt zwischen Deutschland und Dänemark gibt es nach einem Gutachten im Auftrag des Naturschutzverbandes Nabu keinen Bedarf. Auf der Strecke gebe es lediglich zu saisonalen Spitzenzeiten Engpässe, insgesamt jedoch sei die vorhandene Infrastruktur nicht ausgelastet, erklärte am Donnerstag in Hamburg der Autor der Studie, Thomas Rössler von der Beratungsfirma Hanseatic Transport Consultancy (HTC).

          Durch die Digitalisierung zeichneten sich massive Auswirkungen auf den Transportmärkten ab; der Mobilitätsbedarf verändere sich grundlegend. Das sei in den bislang vorliegenden Verkehrsprognosen kaum berücksichtigt. Selbst in den vergangenen zehn Jahren der Hochkonjunktur sei der Verkehr auf der Strecke nicht gewachsen.

          „Schiene und Straße können keine Wachstumsstory präsentieren“, sagte Rössler. Die Mittel könnten besser in den Ausbau der bestehenden Schienennetze investiert werden, die etwa in Schweden nicht mehr zeitgemäß seien. Durch die Fehmarnbeltquerung würde sich die Verkehrsinfrastruktur zwischen Dänemark und Deutschland verdoppeln, ohne echten Bedarf und ohne größere operative Vorteile für die Transportwirtschaft.

          „Das Urteil der Verkehrsexperten kommt einem Todesstoß für die feste Fehmarnbeltquerung gleich. Das Vorhaben atmet den Geist des 20. Jahrhunderts und darf heute, wo Klimafragen und neue Mobilitätsformen immer wichtiger werden, auf keinen Fall gebaut werden“, sagte Leif Miller, Nabu-Bundesgeschäftsführer.

          Seit Jahren umstritten

          Die Fehmarnbeltquerung ist in einem Staatsvertrag zwischen Dänemark und Deutschland vereinbart und wird vor allem von Dänemark vorangetrieben, das auch die Kosten für das Tunnelbauwerk von bislang angenommenen 7,4 Milliarden Euro übernimmt. Auf deutscher Seite sind ebenfalls eine Reihe von Baumaßnahmen zum Ausbau der Straßen- und Schienenwege erforderlich, die zunächst mit 800 Millionen Euro beziffert wurden. Mittlerweile sollen die Baukosten 2,2 Milliarden Euro betragen, auch der Betrag von 4,5 Milliarden Euro wurde schon genannt. Der Bundesrechnungshof hat die Kostensteigerung kritisiert.

          Die staatliche dänische Gesellschaft Femern A/S, die den Tunnel plant, bezeichnete die Ergebnisse des HTC-Gutachtens als „falsch“. Die tatsächliche Verkehrsentwicklung zwischen Deutschland und Skandinavien und besonders auf der Fehmarn-Route liege im Rahmen der Prognosen oder gehe darüber hinaus.

          Das Projekt ist seit seinen Anfängen vor rund 20 Jahren zwischen Naturschützern und Verkehrsplanern umstritten. Der Nabu hat gemeinsam mit anderen Verbänden und Interessengruppe gegen das Projekt eine Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht und am Anfang dieser Woche auch begründet. Dabei geht es neben der Kritik an den Bedarfsberechnungen vor allem um den Schutz der Schweinswale in der Ostsee, deren Wanderwege durch den Tunnel unterbrochen würden. Eine Entscheidung in diesem Verfahren ist nach Einschätzung von Malte Siegert vom Nabu nicht vor dem Jahr 2021 zu erwarten

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