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EY-Auswertung : Globale Autobranche im Abwärtstrend

Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns stehen im Hafen von Emden zur Verschiffung bereit. Bild: dpa

Die Lage in China belastet die Geschäfte der Autohersteller, insbesondere amerikanische Marken fallen zurück. Dabei stehen die echten Herausforderungen noch an.

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          Bis zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), einer der wichtigsten Branchenmessen, sind es nur noch rund zwei Wochen, doch die negativen Meldungen mehren sich: „Die weltweite Autoindustrie befindet sich in einer Absatz- und Gewinnkrise, die derzeit noch in erster Linie konjunkturell bedingt ist“, sagte Constantin Gall, Fachmann für die Autobranche der Beratungsgesellschaft EY.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das zeigte sich in den Bilanzen für das zweite Quartal: Der Gesamtgewinn der 16 größten Automobilhersteller der Welt ging demnach um knapp ein Fünftel zurück, der Absatz immerhin um 5 Prozent. Dem Trend hin zu teureren sportlichen Geländewagen (SUVs) ist es demnach zu verdanken, dass der Umsatz der analysierten Konzerne im zweiten Quartal hingegen leicht um 1,3 Prozent stieg. Das ergibt sich aus einer EY-Auswertung für die Monate April bis Juni.

          Das stärkste Umsatzwachstum mit 5,2 Prozent legten die deutschen Hersteller vor, die amerikanischen Konzerne verloren hingegen 3 Prozent an Einnahmen. Das lässt sich auch am Absatz ablesen: Am deutlichsten abwärts ging es mit einem Minus von 9 Prozent weniger verkauften Neuwagen für die amerikanischen, sowie die französischen Hersteller mit 10 Prozent weniger Fahrzeugen. Die deutsche Konkurrenz verlor 2 Prozent im Absatz. Lediglich Mitsubishi, Honda, Toyota und BMW haben mehr Neuwagen verkauft als im Vorjahreszeitraum.

          Hausgemachte Einmaleffekte in Deutschland

          Aus Sicht der Studienautoren drohen nun Überkapazitäten im Markt. „Die derzeitigen Absatzrückgänge kommen relativ unerwartet – gerade der schrumpfende chinesische Markt hat einige Anbieter auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte EY-Partner Peter Fuß. Viele Unternehmen hätten zu optimistisch geplant. „Die Situation in China wird also immer ungemütlicher“, sagte Fuß. Die deutschen Konzerne seien dort derzeit noch gut unterwegs. Wenn allerdings der Handelsstreit mit Amerika weiter eskaliere, werde das auch die deutsche Autobranche stärker zu spüren bekommen.

          Die Fachleute mahnen deshalb: „Alle großen Absatzmärkte schrumpfen – das führt zu einem stärkeren Preisdruck und zu rückläufigen Margen“, sagte Gall. Schließlich kämen immense Investitionen für Elektromobilität und autonomes Fahren hinzu. Deshalb lägen die echten Herausforderungen auch noch vor den Herstellern.

          Die zunehmende Akzeptanz der Elektromobilität und strengere Emissionsgrenzwerte führten zu „nie dagewesenen Umbrüchen – denen nicht alle Unternehmen gewachsen sein werden“, sagte der Fachmann weiter. Nur durch weitere Kooperationen und Partnerschaften ließen sich diese enormen Investitionen stemmen.   

          Für die deutschen Hersteller sind die Autoren dennoch vorsichtig optimistisch. Das Verkaufsminus im zweiten Quartal sei zumindest teilweise auf nicht verfügbare Modelle und anstehende Modellwechsel zurückzuführen, sagte Fuß. Im zweiten Halbjahr ist seiner Ansicht nach deshalb auch ein Absatzplus möglich.

          Der Gewinn der deutschen Hersteller sei zudem durch hausgemachte Einmaleffekte belastet gewesen, wie die Dieselkrise, die Airbag-Probleme oder auch Kartellvorwürfe. „Das Großreinemachen könnte nun aber den Weg frei machen für steigende Gewinne spätestens im kommenden Geschäftsjahr“, sagte Fuß. Die politische Lage, insbesondere ein harter Brexit, würden jedoch zu erheblichen Absatzrückgängen in Europa führen und könnten dem einen Strich durch die Rechnung machen.

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