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Studie : Erdgas-Lastwagen sind keine Lösung für das Klima

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Ein LNG-Lkw wird betankt Bild: obs

Politik und Wirtschaft hoffen, durch den Umstieg von Diesel auf Erdgas die Schadstoffemissionen im Straßenverkehr vermindern zu können. Diese Erwartungen werden nun durch die Ergebnisse einer neuen Studie gedämpft.

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          Im Bemühen um weniger Luftverschmutzung und ein besseres Klima gewähren viele europäische Länder schon heute Fördermittel und Steuervergünstigungen für die Nutzung von fossilem Gas im Verkehr. Zu diesen Ländern zählt neben Österreich, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Benelux auch Deutschland. So gibt das Bundesverkehrsministerium einen Zuschuss von bis zu 12.000 Euro für die Anschaffung eines Lastwagens, der mit verflüssigtem Erdgas (LNG) fährt. Darüber hinaus sind LNG-Lkw von der Maut befreit und genießen Steuerermäßigungen.

          Politik und Wirtschaft hoffen, durch den Umstieg von Diesel auf LNG die Schadstoffemissionen im Straßenverkehr weiter vermindern zu können. Diese Erwartungen werden nun durch die Ergebnisse einer neuen Studie von Transport & Environment (T&E), der Dachorganisation europäischer Umwelt- und Verkehrsverbände, gedämpft. Danach verursachen durch LNG betriebene Lastwagen bis zu fünfmal mehr Luftverschmutzung im Vergleich zu Diesel-Lkw, wie Praxistests im Auftrag der niederländischen Regierung zeigen. Die Erkenntnisse stehen im Widerspruch zur Annahme der Lkw-Hersteller, dass Gas-Lkw die Stickoxidemissionen um 30 Prozent senkten.

          Die drei getesteten LNG-Lkw von Iveco, Scania und Volvo stießen nach Angaben von T&E im kombinierten Stadt-, Land- und Autobahnverkehr zwei- bis fünfmal mehr Stickoxide aus als der Diesel-Lkw mit dem niedrigsten Testergebnis. In der Stadt emittierten sie zwei- bis dreieinhalb mehr Stickoxide im Vergleich zum Diesel-Lkw mit den geringsten Emissionswerten. Mit Biomethan angetriebene Nutzfahrzeuge würden identische Emissionswerte aufweisen, da sich die Brennstoffeigenschaften von Biomethan nicht von denen von fossilem Erdgas unterschieden, teilte T&E mit. T&E-Manager Stef Cornelis sagte der F.A.Z.: „Gas-Lkw sind nicht sauber und oftmals sogar schmutziger als Diesel-Fahrzeuge.“ Erdgas sei nur ein weiterer umweltschädlicher fossiler Kraftstoff. „Es ist an der Zeit, dass die Politik Steuervergünstigungen und Subventionen für gasbetriebene Lkw und Investitionen in LNG-Infrastruktur beendet.“

          Die Praxistests zeigten ferner, dass alle drei getesteten Gas-Lkw ähnlich hohe Feinstaubemissionen verursachten wie Diesel. Dies stehe im Gegensatz zu den Angaben der Fahrzeughersteller, dass Feinstaubemissionen nahezu vollständig eliminiert würden. Gas-Lkw seien nicht geeignet, um den Straßengüterverkehr zu dekarbonisieren: Die LNG-Lkw von Scania und Iveco mit Fremdzündungsmotor verursachten nur 3 bis 5 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als der Diesel-Lkw mit dem niedrigsten Testergebnis. Der LNG-Lkw von Volvo mit neuer Hochdruck-Direkteinspritzung (HPDI) weise um 14 Prozent geringere Emissionen auf. Berechnungen von T&E zeigten, dass nach der Berücksichtigung der vorgelagerten Emissionen durch Gasförderung und -transport Fahrzeuge mit Fremdzündungsmotor sogar klimaschädlicher seien als Diesel-Lkw und Fahrzeuge mit HPDI-Motor nur einen geringen Vorteil brächten.

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