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Enttäuschende Zahlen : Tesla macht weitere Kehrtwende mit dem Model 3

Teslas „Model 3“ wird in seiner billigsten Version aus dem Online-Angebot genommen. Bild: Reuters

Mit enttäuschenden Zahlen war Tesla ins Geschäftsjahr 2019 gestartet. Als Konsequenz nimmt der Autohersteller sein günstigstes Modell aus dem Online-Angebot. Auch die Batterieproduktion soll aufgrund von Verlusten zurückgefahren werden.

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          Erst vor wenigen Wochen hat Tesla angekündigt, die lange versprochene Einstiegsversion des „Model 3“ zum Preis von 35.000 Dollar anzubieten. Mit dem Model 3, dem jüngsten Auto aus seiner Produktpalette, hofft Tesla, jenseits seiner bisherigen Premiumfahrzeuge ein breiteres Publikum zu erschließen. Allerdings hatte das Unternehmen anfangs nur Varianten im Programm, die deutlich mehr als 35.000 Dollar kosteten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt macht Tesla eine abermalige Kehrtwende. Das Model 3 für 35.000 Dollar soll zwar weiterhin bestellt werden können, aber nicht mehr im Internet, dem wichtigsten Vertriebskanal von Tesla, der nach Angaben des Unternehmens für mehr als drei Viertel aller Bestellungen steht. Wer es haben will, muss es per Telefon kaufen oder in ein Geschäft von Tesla kommen.

          Die billigste Version des Model 3, die online erhältlich ist, ist jetzt die Version „Standard Plus“, und sie kostet jetzt 39.500 Dollar. In Deutschland liegt der Preis bei 44.500 Euro. Die Einstiegsversion für 35.000 Dollar verschwindet also in Amerika nicht ganz aus der Produktpalette, wird aber mit diesem Schritt klar degradiert. Tesla begründet dies damit, dass sich die etwas teurere „Standard Plus“-Variante mehr als sechsmal so gut verkauft habe, also deutlich beliebter sei.

          Schlechter Start ins Jahr 2019

          Teslas Entscheidung kommt nur kurz nachdem das Unternehmen enttäuschende Zahlen zu den Auslieferungen im ersten Quartal vorgelegt hat. Demnach wurden von allen Modellen weniger Autos ausgeliefert als im Schlussquartal 2018. Tesla erklärte den Rückgang beim Model 3 aber vor allem mit logistischen Schwierigkeiten bei der Auslieferung in Europa und China und beschrieb die Nachfrage nach dem Auto als weiterhin robust.

          Unterdessen berichtete die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“, dass Tesla und das japanische Elektronikunternehmen Panasonic ihre Investitionen für die Produktion von Elektrobatterien in der sogenannten „Gigafactory“ im amerikanischen Nevada sowie in China zurückschrauben.

          Dem Bericht zufolge wollten Tesla und Panasonic die Kapazität des Batteriewerks in Nevada bis 2020 um etwa 50 Prozent erhöhen. Diese Pläne lägen jetzt auf Eis, heißt es, und Panasonic wolle auch geplante Investitionen in eine im Bau befindliche Fabrik in Schanghai aussetzen. Die Aktionäre von Panasonic reagierten erleichtert auf die Nachricht, der Kurs legte an der Börse in Tokio zeitweise um fast 4 Prozent zu und schloss 2,8 Prozent im Plus mit 1015 Yen.

          Panasonic will sich festigen

          Das japanische Unternehmen dementierte den Bericht nicht und erklärte, man habe bis März in der Gigafabrik in Nevada eine Batteriekapazität von 35 GWh installiert. Abhängig von der Nachfrage werde man zusammen mit Tesla weitere Investitionen prüfen. Für die mögliche Zulieferung von Batteriezellen in der neuen Tesla-Fabrik in China erwäge man mehrere Optionen, erklärte Panasonic. Dazu sei nichts entschieden.

          Panasonic, einer der größten Hersteller von Batterien für Elektroautos, beliefert Tesla seit 2009 mit Batteriezellen. Die im Jahr darauf getroffene Entscheidung, in die Fabrik Teslas in Nevada zu investieren, ist eine Wette von Panasonic-Präsident Kazuhiro Tsuga, um die Stellung des Unternehmens in dem Markt zu zementieren, in den zunehmend chinesische und koreanische Hersteller drängen. Der Konzern versucht verstärkt, sich als Zulieferer für die Autoindustrie zu etablieren, um der Schwankungsanfälligkeit der Konsumelektronik zu entfliehen.

          Zusammen haben Tesla und Panasonic 4,5 Milliarden Dollar in die Fabrik in Nevada investiert. Im Herbst hatte Tsuga erklärt, Panasonic erwäge weitere Investitionen in Nordamerika, um mit Tesla Schritt zu halten. Damals war von einer Investition in die Gigafabrik von 900 Millionen bis 1,35 Milliarden Dollar die Rede. Die Beziehungen sind nach Medienberichten nicht mehr ungetrübt, nachdem Teslas Produktionsschwierigkeiten auf Panasonics Bilanz zurückwirken. In China erwägt Tesla nach Berichten, zugleich Batterien von mehreren Zulieferern zu verwenden.

          Machte Tesla 180 Millionen Dollar Verlust?

          Mit einem Investitionsstopp mit Tesla würde Panasonic das Risiko einer einseitigen Konzentration auf den amerikanischen Autobauer verringern. Im Januar hatten Toyota Motor und Panasonic ein Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, um Batterien für Elektroautos zu bauen. Im Gegensatz zu den zylindrischen Zellen für Tesla baut Panasonic für Toyota aber eckige Zellen. In Nevada produziert Panasonic Batteriezellen, die Tesla zu Batterien zusammenbaut. Die Kapazität soll für 500.000 Fahrzeuge im Jahr reichen.

          Unbestätigt sind die „Nikkei“-Angaben, dass Panasonic im vergangenen Geschäftsjahr im Batteriegeschäft mit Tesla operativ mehr als 20 Milliarden Yen (180 Millionen Dollar) Verlust gemacht haben soll.

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