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Elektronikmesse in Las Vegas : Ein „Avatar“-Mobil von Daimler

Hollywood auf der Straße: das „Avatar“-Mobil von Daimler Bild: Reuters

Mit einem futuristischen Modell, das Anleihen in Hollywood nimmt, sorgt der deutsche Autohersteller für einen Knalleffekt in Las Vegas. Das Gefährt dürfte Science-Fiction bleiben – soll dem Konzern aber den Weg in die Zukunft weisen.

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          Daimler nutzt die Elektronikmesse CES in Las Vegas gerne für groß inszenierte Auftritte. Vor fünf Jahren stellte der damalige Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hier ein futuristisches Auto vor, das wie eine rollende Lounge daherkam und sich unter anderem dadurch auszeichnete, dass rotierende Sitze den Passagieren ermöglichten, sich während der Fahrt gegenüberzusitzen. Auch unter Zetsches Nachfolger Ola Källenius, der seit vergangenem Mai im Amt ist, setzt der Konzern in Las Vegas auf Knalleffekte, und am Montagabend hat er verglichen mit damals noch einen draufgesetzt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Im Theater des Hotels Park MGM enthüllte Källenius ein Konzeptauto mit radikalem Design, das Anleihen beim Science-Fiction-Film „Avatar“ nimmt, einer der erfolgreichsten Hollywood-Produktionen aller Zeiten. An seiner Entwicklung war das Produktionsstudio von „Avatar“-Regisseur James Cameron beteiligt, und Källenius beschrieb es als das erste von mehreren gemeinsamen Projekten. Cameron war in Las Vegas selbst auf der Bühne und sagte: „Wenn ich dieses Auto anschaue, sehe ich die Zukunft.“

          „Wir sind Technologieoptimisten“

          Das Auto heißt „Vision AVTR“, und Källenius zufolge will Daimler damit ein Zeichen für „nachhaltige Mobilität“ setzen. Er beschrieb das Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Natur, das zu den zentralen Themen in „Avatar“ gehört, als wesentliche Inspiration für das Auto. Dass ein Fahrzeug wie dieses in absehbarer Zeit tatsächlich auf den Straßen unterwegs sein wird, ist indessen unwahrscheinlich. Daimler gibt selbst zu, es stelle eine Vision für Mobilität „in der entfernten Zukunft“ dar.

          Kein gewöhnliches Auto soll es sein: Daimler-Chef Ola Källenius stellt das neue Modell in Las Vegas vor.

          Aber Källenius stellte es als eine Art Symbol dafür dar, dass Daimler die Transformation in der Autobranche hin zu Elektromobilität und autonomem Fahren entschlossen anpackt. „Es hat für uns höchste Bedeutung, die Messlatte hoch zu legen und nach vorne zu denken“, sagte er. Nicht zuletzt wegen der hohen Investitionen, die angesichts dieses Wandels notwendig sind, sieht sich der Konzern derzeit gezwungen, an anderen Stellen zu sparen und Arbeitsplätze abzubauen.

          Er hat unlängst auch seine Renditeziele für die nächsten Jahre nach unten korrigiert. Doch sagte Källenius in Las Vegas auch, das Unternehmen freue sich auf diese Transformation: „Wir sind durch und durch Technologieoptimisten.“ Daimler hat das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2039 seine komplette Neuwagenflotte CO2-neutral zu machen. 2030 soll mehr als die Hälfte der von Daimler verkauften Autos voll- oder teilelektrisch sein.

          Reptilienähnliche Rückseite

          Der Vision AVTR verzichtet ganz auf ein herkömmliches Lenkrad. Stattdessen gibt es in der Mittelkonsole ein Steuerungselement, das aktiviert wird, wenn der Fahrer seine Hand darauf legt. Der Auto erkennt den Fahrer an der Atmung. Die Konsole selbst kann sich in einen riesigen Bildschirm verwandeln, auf dem Daimler bei der Demonstration am Montag Landschaften aus dem „Avatar“-Film gezeigt hat. Die Passagiere können das Geschehen im Auto bestimmen, indem sie ihre Hand heben.

          Auf die Hand wird dann eine Menüauswahl projiziert, und die Passagiere können zwischen einzelnen Funktionalitäten wechseln. Die Batterie in dem Auto besteht nach Darstellung von Daimler aus kompostierbaren und vollständig recycelbaren Materialien. Ihrer Technologie liege graphenbasierte organische Zellchemie zugrunde, und sie sei frei von Metallen der Seltenen Erden. „Das bringt Nachhaltigkeit auf eine ganze neue Stufe,“ sagte Källenius.

          In den Sitzen steckt veganes Leder, und der Boden ist aus einem schnell nachwachsenden Holz. Von außen soll das Auto an ein Lebewesen erinnern. Es hat 33 Klappen auf der Rückseite, die es reptilienähnlich aussehen lassen. Diese Klappen können sich bewegen und mit dem Fahrer kommunizieren. Das Auto kann außerdem seine Vorder- und Hinterachse in die gleiche oder in die entgegengesetzte Richtung bewegen, was ihm eine Art Krebsgang ermöglicht.

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