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Elektromobilität : Ford investiert eine Milliarde Dollar in Köln

Köln soll zum Elektro-Zentrum werden: Ein Auto steht auf dem Ford-Werksgelände vor einem Gebäude auf das eine Lichtprojektion mit der Aufschrift "E-Mobilität" geworfen wird. Bild: dpa

Der Autohersteller macht Köln zum Elektro-Zentrum. Damit treibt er den Abschied vom Verbrennungsmotor in Europa weiter voran.

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          Seit 90 Jahren baut der amerikanische Autohersteller Ford in seinem Werk in Köln Autos für den deutschen und den europäischen Markt. In der Stadt am Rhein steht auch die Europazentrale des Unternehmens. Nun fügt Ford dieser langen Geschichte ein weiteres Kapitel hinzu, das ihm gleichsam den Weg in die Zukunft öffnen soll.

          Wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab, wird es in Köln künftig Elektroautos herstellen. Vom Jahr 2023 an soll in der Fabrik im Stadtteil Niehl ein elektrisch betriebener Personenkraftwagen vom Band laufen, den Ford dann seinen Kunden in Europa anbieten will. Wie das künftige E-Modell genau aussehen wird, will der Autohersteller zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen. Gleichzeitig hält er sich die Option offen, auch ein zweites Fahrzeugmodell nach Köln zu vergeben.

          Derzeit stellt Ford in Köln den Kleinwagen Fiesta her, der dort dann auch erst einmal parallel zu dem geplanten Elektromodell produziert werden soll. Um die neuen Produktionskapazitäten zu schaffen, will das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar an dem Standort investieren. In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass Ford dieses Auto tatsächlich in Köln herstellen will.

          Mit Hilfe aus Wolfsburg

          Das neue Elektroauto entsteht dabei mit Unterstützung des Volkswagen-Konzerns. Die beiden Konkurrenten hatten im Jahr 2019 vereinbart, künftig auf verschiedenen Feldern zu kooperieren. Teil dieser Vereinbarung ist, dass Ford die Elektroautoplattform MEB von Volkswagen nutzen kann, auf der der Wolfsburger Konzern derzeit die Elektrofahrzeuge ID.3 und ID.4 der Kernmarke VW herstellt.

          Auf dieser Plattform entsteht nun auch das Kölner Elektroauto von Ford. Der Europachef des Unternehmens, Stuart Rowley, bezeichnete die Umwandlung des deutschen Stammsitzes als wichtigste Ankündigung des Unternehmens seit „mehr als einer Generation“.  „Sie unterstreicht unser Bekenntnis zu Europa und zu einer modernen Zukunft mit elektrischen Autos als Herz unserer Wachstumsstrategie“ sagte Rowley am Mittwoch.

          Martin Hennig, der Vorsitzende des Ford-Gesamtbetriebsrats in Deutschland, sagte, die Entscheidung sei ein wichtiges Signal für die Belegschaft. „Sie bietet unseren Mitarbeitern eine langfristige Perspektive und ermutigt sie gleichzeitig zu helfen, die elektrische Zukunft mitzugestalten.“

          22 Milliarden Dollar für die Elektromobilität

          Das Geschäft in Europa hatte Ford zuletzt wenig Freude bereitet, und das Unternehmen hat auf dem Kontinent kräftig restrukturiert und Arbeitsplätze abgebaut – laut Rowley mit Erfolg. Den Angaben des Europachefs zufolge hat der Autohersteller zumindest im letzten Quartal des vergangenen Jahres wieder profitabel in Europa gewirtschaftet.

          Ford erwarte, diese Entwicklung beizubehalten und auch auf dem Weg weiterzukommen,  das europäische Ergebnis vor Steuern und Zinsen auf die angestrebte Rendite von 6 Prozent zu trimmen, sagte Rowley. Mit mehreren Maßnahmen sei es zuletzt gelungen, die strukturellen Kosten um eine Milliarde  Dollar zu senken.

          Gleichzeitig nimmt Ford aber auch Geld in die Hand, um im Wandel der Autobranche zur Elektromobilität aufzuholen. Bisher hat das Unternehmen noch kein rein batteriebetriebenes Auto im Angebot. Auch deshalb hat es die Investitionen in die Elektromobilität zuletzt verdoppelt und will inklusive der Investition in Köln nun rund um die Welt 22 Milliarden Dollar in elektrische Antriebstechnik stecken.

          Einen Schwerpunkt dürfte dabei wiederum der europäische Markt bilden. Schließlich hat sich Ford auch  vorgenommen, sich hier schrittweise  von Motoren zu verabschieden, die ausschließlich mit Benzin oder Diesel laufen. Nach Angaben des Unternehmens vom Mittwoch will es schon Mitte 2026 nur noch elektrifizierte Personenkraftwagen in Europa anbieten, also rein batteriebetriebe Fahrzeuge oder aber Plug-in-Hybride, deren Batterie für den zusätzlichen Elektromotor sich von außen laden lässt. Vom Jahr 2030 an soll es dann auch keine Plug-in-Hybride mehr geben.

          Auch im wichtigen Nutzfahrzeuggeschäft will Ford eine Antriebswende einleiten. Vom Jahr 2024 an sollen alle Modelle in diesem Segment als reine Batterieversionen oder als Plug-in-Hybride verfügbar sein. Ford erwartet, dass zu Beginn der dreißiger Jahre dieses Jahrzehnts zwei Drittel  des Nutzfahrzeugabsatzes einen alternativen Antrieb haben wird. 

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