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Skepsis gegenüber E-autos : VW kämpft gegen die „Ladeangst“ der Deutschen

Von diesen Ladestationen soll es, wenn es nach Volkswagen geht, bald viel mehr geben. Bild: dpa

Viele Kunden haben Angst, mit einem Elektroauto liegenzubleiben. Volkswagen fordert von der Politik deshalb mehr E-Tankstellen. Vorbild ist das Laden von Smartphones.

          „Ladeangst“ ist das Wort, mit dem Volkswagen die Skepsis der Autofahrer beschreibt, vom Verbrennungsmotor auf Elektroautos umzusteigen. Thomas Ulbrich, Vorstand für Elektromobilität bei der Marke VW, berichtete am Donnerstag vor Journalisten in Berlin, drei Viertel der Kunden in Deutschland hätten Angst, dass es zu wenig Ladeinfrastruktur gebe. Fast genau so viele glaubten, die Ladezeiten seien zu lang.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ulbrichs Antwort an die Skeptiker: „Lademöglichkeiten müssen sichtbarer werden.“ Er kündigte an, dass der Volkswagen-Konzern deswegen bis 2025 rund 36.000 Ladepunkte für Elektroautos in Europa aufbauen werde. 250 Millionen Euro will sich der Konzern die Investition in die Ladeinfrastruktur kosten lassen. „Die Ladeinfrastruktur wird immer mehr zum entscheidenden Faktor für den schnellen Durchbruch der E-Mobilität in Deutschland“, sagte er. Das Laden eines Elektroautos müsse so einfach werden wie das Laden eines Smartphones.

          Wer auf Deutschlands Straßen unterwegs ist, dem fallen allerdings neben traditionellen Tankstellen weiterhin selten E-Ladestationen ins Auge. Am weitesten beim Aufbau einer Infrastruktur für E-Autos ist Hamburg, wo VW eine Abdeckung von 62 Prozent sieht. Schlusslicht ist Frankfurt mit 19 Prozent.

          Das Laden als Grundrecht

          17.000 Ladepunkte gebe es insgesamt, berichtete Stefan Schmerbeck, der bei VW in dieser Frage den Kontakt zur Politik hält. Vom Ziel von mindestens 100.000 Ladepunkten, das sich die Bundesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung bis 2020 gesetzt hat, ist Deutschland damit noch sehr weit entfernt. 2016 gab es in Deutschland 10.000 Ladepunkte, drei Jahre später sind es noch nicht mal doppelt so viele.

          Volkswagen dringt deswegen massiv auf mehr politische Unterstützung beim Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos. Schmerbeck sprach in Berlin sogar davon, das Laden „zu einem Grundrecht“ zu machen. Er erwartet von der Bundesregierung Entscheidungen noch vor der Sommerpause. Um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen und die steigende Zahl batteriebetriebener Wagen mit Strom zu versorgen, müsse das Netz an E-Tankstellen dringend enger geknüpft werden, mahnten VW-Manager. Nur „so können wir überzeugen“, sagte Schmerbeck.

          Gerade für VW ist es wichtig, die Ladeangst der Deutschen zu überwinden. Das Wolfsburger Unternehmen will mit seinen in Zwickau produzierten neuen ID-Modellen, den ersten reinen Elektroautos der Marke, vom nächsten Jahr an mit Wucht auf den Markt drängen. VW-Chef Herbert Diess setzt stärker als alle anderen auf Elektromobilität. Für seine Strategie ist eine funktionierende Ladeinfrastruktur deswegen sehr wichtig. Um die Wende zur Elektromobilität zu schaffen, müssten die Ladeängste verschwinden, heißt es in Wolfsburg.

          „Masterplan Elektromobilität“

          Dazu werde auch die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angekündigte zusätzliche Milliarde Euro zur Förderung von Ladestationen benötigt, über die die Bundesregierung derzeit berät. Die Förderung müsse zudem zwischen den zuständigen Ministerien sowie zwischen Bund, Ländern und Kommunen koordiniert – und damit entbürokratisiert – werden. „Wir brauchen in Deutschland jetzt schnell einen Masterplan Elektromobilität mit Schwerpunkt Ladeinfrastruktur“, forderte Ulbrich.

          Die insgesamt 36.000 Ladepunkte, die Volkswagen bis 2025 an seinen europäischen Standorten sowie bei Händlern in größeren Städten aufbauen will, sollen teilweise öffentlich zugänglich sein. Die Bürger müssten E-Tankstellen im öffentlichen Raum wahrnehmen. „Wir brauchen ganz dringend einen vorauseilenden Aufbau von Ladepunkten“, sagte Schmerbeck.

          Volkswagen arbeitet bereits mit anderen Autobauern unter dem Dach des Ladesäulenbetreibers Ionity zusammen. Das kleine Gemeinschaftsunternehmen von Audi, BMW, Daimler, Ford, Porsche und VW soll bis 2020 in 23 Ländern 400 Schnell-Ladestationen mit bis zu 2400 Ladepunkten entlang wichtiger Autobahnen und Schnellstraßen in Europa aufbauen. Ende März waren erst 63 Stationen mit durchschnittlich sechs Ladepunkten in neun europäischen Ländern in Betrieb und 52 weitere im Bau.

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