https://www.faz.net/-gqe-88qwf

VW-Amerika-Chef vor Kongress : „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei VW möglich ist“

  • Aktualisiert am

Michael Horn, Chef von Volkswagen in den Vereinigten Staaten Bild: AP

Der Amerika-Chef von Volkswagen muss vor dem Kongress aussagen. Er wird zugeben, über die Software bereits 2014 informiert worden zu sein. Indessen prüft das Kraftfahrtbundesamt den Maßnahmenplan des Konzerns zur Bewältigung der Krise.

          3 Min.

          Der Chef von Volkswagen in Nordamerika, Michael Horn, muss am heutigen Donnerstag vor dem Kongress zur Affäre um die manipulierten Abgas-Tests aussagen. In einer vorbereiteten Stellungsnahme für eine Anhörung vor den Abgeordneten heißt es: „Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten.“

          „Wir werden mit allen zuständigen Behörden voll kooperieren“, verspricht Horn in seinem Redemanuskript. VW übernehme die volle Verantwortung und werde Mittel finden, um seine Kunden zu entschädigen. Aber der Manager bat um Geduld - es stehe viel Arbeit bevor, die Aufklärung werde dauern. „Wir hatten noch nicht die Gelegenheit, alle Aspekte des Falls zu untersuchen.“ VW will sich mit dem Rückruf der vom Abgas-Skandal betroffenen Diesel-Autos bis 2016 Zeit lassen.

          Horn wird vor dem Kongress laut dem vorläufigen Dokument weiter zugeben, dass er im Frühjahr 2014 über die Software informiert wurde, als die Studie der West Virginia University publiziert wurde. Er sei weiter informiert worden, dass die Ingenieure des Unternehmens mit den Behörden zusammen arbeiten würden, um das Problem zu lösen und so möglichen Strafen durch die amerikanische Umweltbehörde zu entgehen. Horn zeigt sich laut Redeentwurf sehr aufgewühlt. „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei Volkswagen möglich ist“, so der Chef von Volkswagen in den Vereinigten Staaten. Laut Redeentwurf wird Horn auch einen Plan vorstellen, wie der Konzern wieder aus der Krise kommen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen kann.

          Zu der Anhörung ist nach Angaben des Kongresses auch die amerikanische Umweltbehörde (EPA) eingeladen, die ebenfalls aussagen soll. Durch ein Schreiben der EPA an Volkswagen war der Skandal Mitte September letztlich publik geworden.

          Kraftfahrtbundesamt: Zeitplan fristgerecht eingetroffen

          Das Kraftfahrt-Bundesamt in Berlin prüft indes den Zeit- und Maßnahmenplan von VW zur Bewältigung der Abgas-Affäre. Das „umfangreiche Schreiben“ war laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwochabend fristgerecht eingegangen. Das Amt brauche nun aber einige Tage Zeit, um die Pläne zu prüfen.

          VW plant für die von Manipulationen betroffenen 2-Liter-Autos eine Software-Lösung, bei den 1,6-Liter-Motoren sei „mit großer Sicherheit“ zusätzlich eine motortechnische Anpassung nötig. Die technische Lösung für die 1,6-Liter-Motoren sei nicht vor September 2016 zu erwarten. Insgesamt sind in Europa rund 3,6 Millionen Fahrzeuge von dieser umfangreicheren Lösung betroffen. „Daher wird man darüber noch zu reden haben, wie lange dann die entsprechende Umrüstungsphase auch dauert“, sagte Dobrindt.

          Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) droht unterdessen mit Rechtsmitteln. Man werde den „amtlichen Rückruf aller von VW manipulierten Fahrzeuge vom Kraftfahrtbundesamt juristisch erzwingen“, sagte der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch, der Funke Mediengruppe. Alle Rückrufmaßnahmen, die nur auf der Freiwilligkeit von VW beruhen, werde die DUH mit bereits vorbereiteten Klagen gegen das KBA angreifen

          Am Konzernsitz in Wolfsburg wird am Donnerstag Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Teilnahme an einer Sitzung des Weltkonzernbetriebsrats von VW erwartet. Am Freitag werde Gabriel ein Statement abgeben, kündigte ein Sprecher des Ministeriums an.

          Nachdem der 20-köpfige VW-Aufsichtsrat in der Vorwoche den früheren Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef berufen hatte, wählte das Gremium am Mittwoch den Österreicher Hans Dieter Pötsch zu seinem neuen Vorsitzenden. Damit ist das neue Führungsduo komplett, das Europas größten Autobauer aus seiner bislang schwersten Krise steuern soll.

          Zu niedrige Kfz-Steuern für manipulierte Fahrzeuge?

          Für mögliche Steuerschäden durch die Abgas-Manipulationen von VW soll nach Ansicht von Nordrhein-Westfalens Landesregierung der Konzern und nicht der Steuerzahler geradestehen. In einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verweise sein NRW-Amtskollege Norbert Walter-Borjans (SPD) auf Steuervorteile für Diesel-Fahrzeuge mit niedrigen Abgaswerten, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

          Wegen der von VW eingestandenen Manipulationen könnten Kfz-Steuern zu niedrig festgesetzt worden sein. Es dürfe aber nicht dazu kommen, dass der Staat den Käufern von VW-Fahrzeugen Nachzahlungsbescheide schicke und die Autobesitzer auf diese Weise dazu zwinge, sich das Geld durch aufwendige Schadensersatzklagen bei Volkswagen zurückzuholen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.