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Straßenverkehr : Ein Tempolimit bringt nicht mehr Vernunft

Hier kann man eh selten schneller fahren: Die A3 nahe des Frankfurter Flughafens Bild: dpa

Vernunft im Straßenverkehr lässt sich nicht an einem Tempolimit messen. Die Vorgabe wäre ein weiterer Stein im Mosaik der Überregulierung.

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          Noch kurz vor Weihnachten suchte die neue SPD-Führung den abendlichen Kontakt zum Koalitionspartner – auch um zu beteuern, dass ein Koalitionsbruch vorerst nicht anstehe. Doch zu viel Harmonie ist der neuen Ko-Vorsitzenden Saskia Esken schon wieder unheimlich. So befeuert sie in nachrichtenarmer Zeit den alten Streit über ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Mit ihrer Forderung trifft Esken derzeit risikolos die veröffentlichte Meinung. Wer dagegen hält, muss sich derweil des Vorwurfs erwehren, ihm seien die Folgen der Raserei egal. CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer kämpft um sein politisches Glück, seit vor knapp einem Jahr sein flottes Zitat zum Tempolimit zu „gegen jeden Menschenverstand“ verkürzt wurde.

          Auf den ersten Blick scheint es klar zu sein: Wer für Höchsttempo 120 auf Autobahnen plädiert, schützt Menschenleben – und Luft und Klima dazu. Zugegeben: Manche Bevormundung des Autofahrers hat sich bewährt, Tempo 50 in Ortschaften zum Beispiel oder die Gurtpflicht. Aber brauchen wir wirklich zusätzlich ein Verbot des Schnellfahrens? Statistisch passieren die meisten schweren Unfälle auf Straßen, auf denen schon eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt.

          Der Verlust an Freiheit stört immer weniger Menschen

          Geht es nicht eher um soziale Kompetenz? Nicht Tempo 180 gefährdet zwangsläufig andere, sondern die Absicht einiger Drängler, dies rücksichtslos durchzusetzen. Diese soziale Kompetenz fehlt auch jenen, die rote Ampeln missachten, da sie diese zunehmend nur noch als Verhaltensvorschlag verstehen.

          Vernunft im Straßenverkehr lässt sich nicht an einem Tempolimit messen. Die Vorgabe wäre ein weiterer Stein im Mosaik der Überregulierung. Sie verfestigte den Eindruck, dass die Politik nichts mehr dem einzelnen überlassen mag in einer Zeit, in der ein Verlust an Freiheit hierzulande offenbar immer weniger Menschen stört. Niemand wird bestreiten, dass sich für Luft und Klima auf andere Weise allemal mehr tun lässt als durch die Tempobremse. Aber das dafür nötige Umsteuern ist für Politiker anstrengender und teurer als ein symbolträchtiges Verbotsschild.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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