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Bird und Circ : Fusion auf dem E-Scooter-Markt

Fahren künftig unter einem neuen Eigentümer: Circ-Roller in München. Bild: dpa

Der amerikanische Rollerverleiher Bird übernimmt den europäischen Konkurrenten Circ. Es könnte nur der erste Schritt zu einer Konsolidierung des Marktes sein.

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          Wer auf seinem Smartphone hierzulande nach Verleihsystemen für Elektro-Stehroller sucht, hat eine große Auswahl. Sechs Anbieter führen die gängigen App-Plattformen derzeit auf. Die Konkurrenz ist groß auf dem Markt, der erst seit dem vergangenen Sommer existiert, nachdem die Bundesregierung die Rechtslage für die E-Scooter geregelt hatte. Nun kommt es zu einem ersten Zusammenschluss.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie der amerikanische E-Scooter-Verleiher Bird am Montagabend bekanntgab, übernimmt er den europäischen Konkurrenten Circ mit Sitz in Berlin. Welchen Umfang die Transaktion hat, ist nicht bekannt. Zu den finanziellen Details wollte ein Sprecher am Dienstag keine Angaben machen. Für die Kunden der beiden Anbieter wird sich zunächst nicht viel ändern. Wie der Sprecher mitteilte, sollen sowohl Bird als auch Circ „auf absehbare Zeit“ als Marken und auch als einzelne Smartphone-Anwendungen erhalten bleiben.

          Bird stärkt sein Europageschäft

          Mit der Übernahme von Circ stärkt Bird sein bisher vergleichsweise kleines europäisches Geschäft. Nach eigenen Angaben bietet das amerikanische Unternehmen derzeit seinen Dienst theoretisch in 21 europäischen Städten in Ländern wie Frankreich, Spanien, Italien und eben Deutschland an. Allerdings sind die Roller an den fünf deutschen Standorten Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg und München derzeit nicht ausleihbar, da Bird den Betrieb für die Wintermonate Ende November eingestellt hatte. Als Begründung führte das Unternehmen damals die Sicherheit der Nutzer an.

          Nach Unternehmensangaben aus dem Oktober hatte Bird in damals noch sechs deutschen Städten rund 4400 Roller auf der Straße. Circ ist in Europa ungleich größer. Derzeit führt das Unternehmen mehr als 30 europäische Städte auf, in denen Nutzer seine E-Scooter ausleihen können. Allein in Deutschland betrug die Flottengröße nach Angaben aus dem vergangenen Herbst 12.000 Roller. Auch hier dürften es im Winter aber weniger sein.

          Was die verfügbaren Geldmittel angeht, ist Bird allerdings der größere Fusionspartner. Zwar erwirtschaften alle Rolleranbieter Umsätze, allerdings sind auch ihre Investitionen sehr hoch, da sie nicht nur eine große Zahl an Rollern bereitstellen sondern auch für deren Wartung sorgen müssen. Obwohl manche Verleiher nach eigenen Angaben den Betrieb in einzelnen Städten schon profitabel betreiben, finanzieren sie sich noch vornehmlich über Wagniskapitalgeber. Circ hatte zum Beispiel in einer ersten Finanzierungsrunde vor einem Jahr 55 Millionen Euro eingesammelt. Bird hatte wiederum im Oktober bekanntgegeben, in der insgesamt vierten Finanzierungsrunde 275 Millionen Dollar von Investoren erhalten zu haben.

          Mit der Übernahme von Circ steigen die Mittel nun um weitere 75 Millionen auf 350 Millionen Dollar, wie das Unternehmen mitteilte. Das zusätzliche Geld soll einerseits in das Wachstum in Europa fließen, gleichzeitig aber auch „die Entwicklung in Richtung Profitabilität weiter vorantreiben“, wie es in einer Mitteilung hieß.

          Weitere Konsolidierung erwartet

          Für Beobachter war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Markt für E-Scooter-Verleiher bereinigt. „Aus Nutzersicht sind sechs Anbieter einfach zu viel, insofern war eine Konsolidierung des Marktes absehbar“, sagt Kersten Heineke, Partner der Unternehmensberatung McKinsey und Mobilitätsfachmann. „Aus Sicht der Verleiher ist sie auch sinnvoll, weil sie auf diese Weise die Betriebskosten optimieren können. Mit einer größeren Flotte lässt sich der Markt effizienter bedienen.“

          Heineke bewertet die Fusion nicht als Rückschlag für die Mikromobilität per Roller-Ausleihe. „Das Geschäftsmodell kann sich tragen. Das zeigen jene Anbieter, die in einzelnen Städten schon profitabel sind. Die Hürden für den Eintritt in den E-Scooter-Markt waren nur so niedrig, dass die Zahl der Marktteilnehmer wohl von vorneherein zu hoch ausgefallen ist.“

          Philip Beil, der für die Beratungsgesellschaft Publicis Sapient Mobilitätsthemen beobachtet, geht davon aus, dass sich die Konsolidierung fortsetzen wird. Dabei sei nicht nur die Größe der Rollerflotte entscheidend, sondern vor allem die Zahl der registrierten Kunden, sagt Beil. „Da das Produkt E-Scooter recht austauschbar ist und die Preismodelle der Anbieter nicht stark divergieren, wird es für neue Marktteilnehmer immer schwieriger, sich allein am Markt zu behaupten und ohne massive Marketingausgaben Nutzer von ihrem Angebot zu überzeugen.“

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