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Mobilität : Dyson beendet sein Elektro-Auto-Abenteuer

Der Brite James Dyson hat seinen Plan aufgegeben, Elektroautos zu produzieren. Bild: AFP

Für Singapur ist die Absage des Milliardärs ein Schlag ins Kontor. Doch bleibt er dem Standort als Investor treu.

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          Eine Woche ist es her, da ließ sich der britische Milliardär James Dyson feiern, weil er den Sitz der privaten Anlagegesellschaft seiner Familie nach Singapur verlegte. Der reiche Stadtstaat, dessen Wirtschaft auch aufgrund des Handelskonfliktes nicht so läuft, wie sie sollte, zieht seit Jahren die Superreichen dieser Erde an: Denn Singapur liegt in Asien, mit rund 5,8 Prozent Wirtschaftswachstum der Motor dieser Welt, steht aber nicht unter dem direkten Einfluss Chinas und hat damit auch nicht das Problem Hongkongs - und bietet verlockende Steuersätze bei politischer Sicherheit. Die Keule aber folgte auf dem Fuße: Dyson hat seine Pläne, ausgerechnet im winzigen, übermotorisierten Stadtstaat ein Elektroautomobil zu entwickeln, beerdigt. 2018 hatte der Brite angekündigt, das Auto in Singapur entwickeln zu wollen. 2021 hätte es auf die Straße gebracht werden sollen. Dyson hatte rund 2,5 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) in das Projekt pumpen wollen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Nun hat der Hersteller von Staubsaugern, Haarfönen und Raumventilatoren seine gesamte Abteilung für die Automobilentwicklung über Nacht aufgelöst. Im Mai hatte Dyson erst erklärt, er habe die Patente für den Bau eines Elektrofahrzeugs. „Wir sehen keine Möglichkeit mehr, die Wirtschaftlichkeit (des Projektes) zu erreichen“, erklärte Dyson in einer Mail an seine Mitarbeiter nun aber. „Wir haben ernsthaft nach einem Käufer für das Projekt gesucht, was unglücklicherweise bis heute aber ohne Erfolg blieb.“

          Die herstellende Industrie Singapurs schrumpft

          Den Stadtstaat trifft die Nachricht im unglücklichsten Moment. Die herstellende Industrie, die immer noch für ein Fünftel der Wirtschaftsleistung der Insel ohne Bodenschätze steht, schrumpft. Gerade in diesen Tagen wirbt Singapur auch um Firmen aus den umliegenden Ländern, indem es stark darauf setzt, zum Leuchtturm der Region für das Konzept der „Industrie 4.0“ werden zu wollen. Die Hannover Messe treibt den Trend in den Exportländern Asiens mit der zweiten Auflage der Messe „Industrial Transformation Asia-Pacific“ (ITAP) voran. Sie konzentriert sich auf neue Fertigungstechnologien und wird in wenigen Tagen ihre Tore öffnen. Im Vorfeld betont Singapur, wie wichtig eine auf die neuen Zeiten eingestellte Industriekultur für den Standort werde. In den vergangenen Monaten hatte Dyson in Singapur rund hundert Fachleute für Fachgebiete wie den grenzüberschreitenden Handel oder Automobildesign gesucht.

          Nun setzt die Wirtschaftsförderungsbehörde (EDB) darauf, dass wenn schon nicht das prestigeträchtige Auto, zumindest dessen Batterietechnologie eine Zukunft in Singapur haben. Die reiche Tropeninsel arbeitet mit großer staatlicher Förderung an neuen Mobilitätskonzepten, wie etwa Drohnen oder Flugtaxis – der deutsche Volocopter soll hier am Rande der ITAP mit großem Tamtam seinen ersten öffentlichen bemannten Flug absolvieren. Danach wird Mitgründer Alexander Zosel bei der DLD-Konferenz (Digital, Life, Design) auftreten, die das Medienhaus Burda in Singapur ausrichtet.

          Dyson selber erklärte, neben Batterien auch Robotik, künstliche Intelligenz, und das Geschäft mit Sensoren vorantreiben zu wollen – das ursprüngliche Gesamtpaket Automobil wird also sozusagen in seine Einzelteile zerlegt. „Wir werden unsere Wurzeln in Großbritannien und Singapur tiefer wachsen lassen“, sagte der Gründer. Auf seiner Internetseite stellte er noch am selben Tag Anzeigen für „Entwicklungsingenieure für neue Technologien“ für den Standort Singapur ein. Bislang beschäftigt Dyson eigenen Angaben zufolge mehr als 3000 Ingenieure und Entwickler.

          Dyson gefällt es – vom Automobildesaster abgesehen – augenscheinlich bestens in Singapur. Während die Automobilsparte ihren gerade gewonnenen Mitarbeiter kündigt oder sie verlagert, sucht seine Anlagegesellschaft Weybourne Group nach Bankern und Fachleute für das Internet. Bislang zählt die Firma rund 55 Mitarbeiter. Unter anderem arbeitet die Anlagegesellschaft des Briten mit der Schweizer Privatbank Lombard Odier zusammen.

          Der Brite folgt einem Trend: Die Zahl sogenannter „family offices“ hat sich Singapur seit 2016 vervierfacht. Banker und Anwälte berichten in diesen Tagen von einem starken Interesse jener Büros, die im von Chaos erschütterten Hongkong ihren Sitz haben. Dyson selber wird auf einen Besitz von rund 12 Milliarden Dollar taxiert und gilt damit als der zweitreichste Brite. Er mehrt sein Vermögen gerade durch Groß-Investitionen in Immobilien im Stadtstaat: So soll er neben einer Villa auch ein „Super-Luxus-Appartement“ erworben haben.

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