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Dieselautos : Dobrindt: VW hat Manipulationen in Europa eingeräumt

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Volkswagen soll auch in Europa Abgas-Tests manipuliert haben – so sagt es Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Aktienkurse fallen.

          3 Min.

          Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselautos bei Volkswagen sind auch Fahrzeuge in Europa betroffen. Das sei der von ihm eingesetzten Untersuchungskommission am Mittwoch bei ersten Gesprächen in Wolfsburg mitgeteilt worden, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Um wie viele Autos es genau gehe, stehe noch nicht fest. „Das wird sich in den nächsten Tagen klären.“

          Dobrindt sagte: „Wir werden deswegen auch weiterhin intensiv daran arbeiten, gemeinsam mit Volkswagen genau herauszufinden, um welche Fahrzeuge es sich im Detail handelt, um auch die Öffentlichkeit weiter darüber zu informieren.“ Seinen Angaben zufolge geht es um Fahrzeuge mit 1,6- und 2-Liter-Dieselmotoren.

          Nach den Aussagen Dobrindts fiel der Dax um mehr als 100 Punkte in die Tiefe. Über den Tag hat er damit rund 1,7 Prozent verloren.

          Sicher ist: In den Vereinigten Staaten hat Volkswagen die Autos mit einer Software so manipuliert, dass sie bei Tests deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide ausstießen als tatsächlich auf der Straße. Nach dem Bekanntwerden des Skandals in den Vereinigten Staaten hatte Volkswagen bereits mitgeteilt, dass weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware ausgestattet seien. Bisher hieß es, die Software sei außerhalb der Vereinigten Staaten nicht aktiv gewesen. Konzernchef Martin Winterkorn gab wegen der Affäre am Mittwoch seinen Rücktritt bekannt.

          Weitere Top-Manager stehen vor dem Rauswurf

          Zudem werden weitere Manager bei Volkswagen gehen müssen. Am Freitag will der Aufsichtsrat darüber entscheiden.

          Laut übereinstimmenden Medienberichten müssen Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg und Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz ihre Posten räumen. Die beiden Manager waren jahrelang bei VW tätig, Hackenberg als Entwicklungschef und Hatz als Motorenentwickler. Auch die Namen Heinz-Jakob Neußer und Michael Horn werden genannt.

          Auch BMW rückt in den Fokus

          In der Affäre rücken nach Volkswagen andere Autobauer in den Fokus. Auch der BMW X3 xDrive 20d habe bei Straßentests des Forschungsinstituts ICCT "auffällige Stickoxidwerte" produziert, berichtete die "Auto-Bild" am Donnerstag vorab aus ihrer neuen Ausgabe. Das Dieselfahrzeug habe die europäische Abgasnorm dabei um mehr als das Elffache überschritten. "Alle Messdaten deuten darauf hin, dass das kein VW-spezifisches Problem ist", sagte ICCT-Vertreter Peter Mock der "Auto-Bild". Der Aktienkurs von BMW fiel daraufhin um mehr als neun Prozent. Dobrindt kündigte an, die angeordneten Abgas-Nachprüfungen würden auch auf andere Marken als VW ausgedehnt.

          Von VW ist bereits bekannt, dass auch vier Modellreihen der Tochter Audi unter die Lupe genommen werden. Der fragliche Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeugen der Modellreihen A1, A3, A4 und A6 verbaut worden, sagte ein Audi-Sprecher am Donnerstag in Ingolstadt. Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden. Ob die Autos von den Software-Manipulationen betroffen seien, könne er ebenfalls noch nicht sagen.

          Auch der Volkswagen-Konzern bereitet unter Hochdruck eine Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen vor. „Wir arbeiten daran, können aber noch nicht sagen, wann sie veröffentlicht wird“, sagte ein VW-Sprecher der Deutschen-Presse-Agentur.

          Kritik von den Grünen

          Dobrindt sagte, die Aufgabe sei jetzt, herauszufinden: „Was ist in wie vielen Fällen geschehen?“ Man müsse also klären, in wie viele Autos die Software eingebaut wurde und wo sie auch aktiv sei. Auf die Frage, ob die manipulierten Autos nicht umgehend aus dem Verkehr gezogen werden müssten, sagte der Minister, bevor man zu Entscheidungen komme, müsse der Schaden weiter untersucht werden.

          Die Möglichkeiten der Reaktion seien vielfältig. „Aber es gilt jetzt erst mal, noch die nächsten Tage abzuwarten, bis wir vollumfänglich mit VW auch den Schadensumfang identifizieren können.“

          Experten des Kraftfahrt-Bundesamtes seien bereits dabei, Fahrzeuge einer strengen Nachuntersuchung zu unterziehen. „Die VW-Modelle, die da zurzeit in Rede stehen, werden sowohl auf dem Prüfstand als auch auf der Straße untersucht“, sagte Dobrindt. Autos anderer deutscher und ausländischer Hersteller würden stichprobenartig untersucht.

          Scharfe Kritik kam von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. „Die Zeit für Stichproben ist längst abgelaufen“, sagte er und forderte eine „Prüfoffensive“: Alle Dieselfahrzeuge sämtlicher Modelle, die in Deutschland unterwegs seien, müssten getestet werden - und zwar auf dem Prüfstand und auf der Straße. Hofreiter forderte außerdem „eine Selbsterklärung der deutschen Hersteller, wie handhaben sie das, um weiteren Imageschaden von dieser für unser Land sehr wichtigen Industrie abzuwenden“.

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