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BMW-Vorstandsvorsitzender : Manche Software-Updates kommen erst Mitte 2018

BMW geht seinen eigenen Weg, sagt Harald Krüger. Bild: Jan Roeder

Im Gespräch mit der F.A.S. verteidigt BMW-Chef Harald Krüger die Beschlüsse des Dieselgipfels, schwärmt von künftigen Elektroautos und kontert die Kartell-Vorwürfe.

          Herr Krüger, der Dieselgipfel in der vergangenen Woche war für viele eine Enttäuschung; die Autoindustrie ist nahezu ungeschoren davon- gekommen.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diesem Eindruck muss ich entschieden widersprechen. Ich bin mir bewusst, dass die Automobilindustrie in einer schwierigen Situation ist. Es ist viel Vertrauen verlorengegangen. Und es ist auch unsere Verantwortung gegenüber den Kunden und der Politik, Vertrauen wiederzugewinnen. Wir haben in Deutschland in der BMW Group aber auch 80.000 Mitarbeiter: Auch für diese Menschen habe ich eine Verantwortung. Zum Teil sind das Arbeiter, die in der dritten Generation wie in unserem Werk in Dingolfing arbeiten. Dieser komplexen Verantwortung stellen wir uns.

          Konkret?

          Beim Dieselgipfel wurden anspruchsvolle Pakete geschnürt. Wir machen Software-Updates für circa 300.000 Euro-5-Fahrzeuge. Außerdem bieten wir als einziges Unternehmen eine europaweite Umweltprämie von 2000 Euro. Wer ein älteres Dieselauto (Euro-4 und älter) in Zahlung gibt und es gegen einen Euro-6-Diesel oder Benziner bis zu 130 g/km CO2-Ausstoß oder einen elektrifizierten Neuwagen tauscht, bekommt sie. Das gilt für die gesamte EU, also nicht nur für Deutschland.

          Wenn wir mit unserem Händler einigermaßen gut verhandeln, sind 2000 Euro Rabatt doch ohnehin locker drin.

          Das glaube ich nicht. Für uns ist Preisstabilität ein wichtiger Grundsatz. Und vergessen Sie nicht: Die 2000 Euro kommen zum Beispiel in Deutschland zu einer Kaufprämie von 4000 Euro für Elektro-Autos obendrauf. Das heißt, Sie sparen insgesamt bis zu 6000 Euro. Das ist ein signifikanter Beitrag. Außerdem gilt das Angebot nicht nur für alte BMW, sondern auch für Fahrzeuge anderer Hersteller.

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          Bieten die anderen Autobauer dieselben Tauschmodalitäten an?

          Woher soll ich das wissen? Das muss jeder Hersteller für sich bewerten.

          Um Fahrverbote werden die deutschen Dieselfahrer aber trotzdem nicht herumkommen.

          Ich glaube, es gibt intelligentere Dinge als Fahrverbote. Immerhin werden durch die Updates der Hersteller die Stickoxid-Emissionen um 25 bis 30 Prozent reduziert. Das ist wahrlich nicht gering. Unsere Euro-5- und Euro-6-Diesel liegen im Flottenmittel bei der NOx-Emission ohnehin jeweils um 40 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, der vom Umweltbundesamt im April 2017 veröffentlicht wurde. Wenn dann noch viele Kunden von unserem Tauschangebot Gebrauch machen, ist das ein deutlicher Beitrag von BMW zur Verbesserung der Umwelt.

          Merkwürdig, dass ein simples Update derart signifikante Verbesserungen bewirkt. Das hätten Sie doch schon früher ohne Gipfel-Tamtam anbieten können.

          Wir werden unsere Erfahrungen aus dem Realbetrieb von 2010 bis 2015 in das Software Update einfließen lassen. Dadurch können wir die Wirksamkeit erhöhen - insbesondere im Temperaturbereich unter 15 Grad.

          Verliert der Diesel durch das Update an Leistung? Geht er schneller kaputt?

          Nein. Das kann ich ausschließen. Das Update führt hier zu keinen Einbußen.

          Wie lange dauern diese Updates?

          Das geht nicht ganz so schnell. Die Softwarepakete sind heute schon in der Entwicklung. Die letzten werden Mitte 2018 fertig sein. Das hängt auch an den Genehmigungsdauer des Kraftfahr-Bundesamtes.

          Ups. Wir dachten, wir könnten nächste Woche bei der Werkstatt vorbeifahren.

          Nein. Sie werden direkt von uns angeschrieben mit Terminvorschlägen. Das hängt vom Fahrzeugtyp ab.

          Und wenn wir nicht kommen?

          Dann schreiben wir Sie ein zweites und ein drittes Mal an.

          Und am Ende führt uns Minister Dobrindt zwangsweise ab?

          Das Update ist freiwillig und für den Kunden kostenlos. Unser Vertrieb bekommt die Zielvorgabe, eine Umrüstungsquote nahe bei hundert Prozent zu erreichen. Die Wette gilt.

          Die Gerichte werden am Ende schneller sein - und Fahrverbote in den großen Städten erzwingen.

          Diese Einschätzung teile ich nicht!

          Geben Sie eigentlich den Diesel langfristig gänzlich auf?

          . . . davon kann keine Rede sein. Unsere Euro-6-Diesel erfüllen alle gesetzlichen Emissionsanforderungen und erreichen ein sehr gutes Realemissionsverhalten. Das kann sich sehen lassen. Wir kapitulieren nicht! Ich glaube an die Kraft der deutschen Automobilindustrie. Wir sind ein ganz wichtiger Arbeitgeber, haben eine Schlüsselrolle für Innovationen, Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze – vom Bandarbeiter bis zur Führungskraft. Und wir sind auch ein wichtiger Steuerzahler in der Bundesrepublik. Der Diesel gehört zur Mobilität der Zukunft unbedingt dazu. Selbst im Jahr 2025 wird die Elektromobilität bei circa 20 Prozent liegen. Den Diesel brauchen wir also auch dann noch. Er ist kein Auslaufmodell. Vergessen Sie nicht die gute CO2-Bilanz des Diesel.

          Fühlen Sie sich eigentlich in Sippenhaft mit Volkswagen und Daimler?

          Wir haben mit Dieselmanipulationen nichts am Hut. Unsere Diesel sind sauber.

          Aber bei den Kartellabsprachen mit anderen Herstellern waren Sie dabei.

          Wir haben aktuell keine Kenntnis von einem gegen uns gerichteten förmlichen Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit den behaupteten Selbstanzeigen – weder durch das Bundeskartellamt noch durch die EU-Kommission. Wir haben damit begonnen, den Sachverhalt umfassend aufzuklären.

          Will sich am Ende Volkswagen durch die Selbstanzeige als Kronzeuge retten und Sie kriminalisieren?

          Das kommentiere ich nicht.

          Sie haben sich mit Daimler auf ungewohnt scharfe Weise angelegt. Was hat Sie dazu getrieben?

          So sieht das die Presse. Wie Sie sehen können, habe ich beim Dieselgipfel neben Herrn Zetsche gesessen, wir haben einen sachlichen Umgang gepflegt, vorher und nachher.

          Es gibt also keinen Krieg zwischen den deutschen Automobilkonzernen?

          Nein, aber die BMW Group geht konsequent ihren eigenen Weg. Das haben wir auch beim Dieselgipfel gezeigt.

          Auf dem Gipfel wurde ein Mobilitätsfonds in Höhe von 500 Millionen Euro beschlossen. Was passiert mit dem Geld?

          Die Städte bekommen damit Geld, das sie für den Ausbau der Infrastruktur nutzen können. Das ist für uns sehr wichtig, weil der Erfolg von Elektromobilität an drei Faktoren hängt: Gibt es ein attraktives Kundenangebot zu bezahlbaren Preisen? Stimmt die Reichweite der Batterie? Und gibt es eine vernünftige Infrastruktur von Ladestationen? Es gibt viele Städte, die an dieser Stelle nicht so schnell sind, wie wir es wünschen. Es gibt aber auch positive Beispiele wie Hamburg. Dort werden wir die Carsharing-Flotte in den nächsten zwei Jahren von 70 auf 550 elektrifizierte Fahrzeuge erweitern. Dort wird sich auch die Anzahl der Ladestationen signifikant erhöhen. Wenn die Ladestationen nicht da sind, kaufe ich mir auch kein Elektroauto. Sie können schließlich nicht verlangen, dass der Kunde vom vierten Stock sein Kabel herunterhängen lässt. Ein anderer wichtiger Beitrag wäre aber auch, den öffentlichen Nahverkehr auf Elektro-Busse und Elektro-Taxen zum Beispiel umzustellen. Das wird häufig vergessen.

          Wie viel wird BMW in den Mobilitätsfonds einzahlen?

          Das steht noch nicht fest, aber es gibt einen festgelegten Schlüssel, der sich an unserem Marktanteil in Deutschland orientiert. Bisher haben wir nur die klare Zusage von den drei deutschen Herstellern, die anderen haben sich noch nicht geäußert.

          Warum sind die ausländischen Unternehmen außen vor?

          Das müssen Sie die anderen Hersteller fragen, aber sicherlich wäre es für die Außenwirkung gut, wenn diese sich auch beteiligen würden.

          Wie lange wird es dauern, bis die Infrastruktur zur E-Mobilität steht?

          Wenn man jetzt richtig Vollgas gibt, ist in den nächsten zwei oder drei Jahren viel möglich. Das sehen wir an der Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg.

          Wann können wir ein Elektroauto kaufen, das eine ordentliche Reichweite hat und nicht stundenlang aufgeladen werden muss?

          Diese Angebote kommen jetzt Schritt für Schritt. Wir bringen 2019 einen Elektro-Mini auf den Markt. Ich bin ein großer Mini-Fan. Der wird eine ordentliche Reichweite haben.

          Wie viel?

          Das möchte ich nicht verraten. Aber jetzt geht es Schlag auf Schlag, deshalb ist es ja so wichtig, dass die Infrastruktur kommt, vor allem Schnell- Ladestationen. Wenn ich von München nach Frankfurt fahre, muss ich schnell laden können. Das darf höchstens fünfzehn bis zwanzig Minuten dauern. Auch für die Pendler ist das wichtig. Technisch ist es schon jetzt möglich, in zehn bis fünfzehn Minuten aufzuladen, aber das bringt Ihnen nichts, wenn zehn Autos vor einer Ladestation stehen.

          Tesla ist in allem schneller. Macht Ihnen der Run auf das neue Tesla-Modell zu schaffen?

          Da muss man jetzt sehen, wie das Auto im Markt ankommt. Derzeit sind ja erst wenige Autos ausgeliefert. Aber natürlich gilt die Regel: Wettbewerb ist durch nichts als Wettbewerb zu ersetzen, und Tesla ist Wettbewerb, ganz klar.

          Wird die Umstellung auf Elektrofahrzeuge Stellen kosten?

          Unsere Werke werden künftig so ausgerichtet sein, dass wir dort alle Varianten bauen können. Denn kein Mensch weiß heute, wie sich die Nachfrage in welchem Jahr in welchem Land wie entwickeln wird. So werden wir auch schon unseren Elektro-Mini in Oxford bauen, dort werden sowohl die Verbrenner- als auch die Elektro-Variante gebaut. Und in unseren Plug-in-Hybridautomobilen verbauen wir ja Elektro- und Verbrennungsmotoren.

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