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Dieselaffäre : Piëchs Rache

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Allein gegen den Rest der Welt: Ferdinand Piëch will das Erbe seines Großvaters um jeden Preis verteidigen. Bild: Picture-Alliance

VW-Großaktionär Ferdinand Piëch kämpft gegen den Rest der Welt. Die Feindseligkeiten haben einen neuen Höhepunkt erreicht.

          Der Film zur VW-Saga ist schon in Arbeit. Produzent Nico Hofmann, der Spezialist für zeitgeschichtliche Dramen, nimmt sich der Sache an, schließlich hält der Stoff alles bereit, was es dafür braucht: Liebe, Hass, Verrat. Nazi-Verstrickungen und Sex-Affären obendrein. Seit neuestem ist auch über die Besetzung von Agenten-Rollen nachzudenken. Israelische Geheimdienstler, so wird kolportiert, sollen Ferdinand Piëch als erste von dem Betrug gewarnt haben, den sie in Wolfsburg bisher als „Dieselthematik“ verharmlost haben. Seit Freitag ist immerhin offiziell von einer „Diesel-Krise“ die Rede, der Schwenk ging freilich im Tohuwabohu unter.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Dinge sind mal wieder dabei, außer Kontrolle zu geraten. Und wie so oft hat Ferdinand Piëch die Finger im Spiel, der ehedem Allmächtige im VW-Imperium, der daheim in Salzburg grollt, seit sie ihn im Frühjahr 2015 davongejagt haben. Damals war er unterlegen im Machtkampf gegen Vorstandschef Martin Winterkorn, seinem ehemaligen Zögling – einem Angestellten! Die Schmach war kaum auszuhalten für den Mann, dessen Großvater Ferdinand Porsche einst mit dem Käfer das VW-Werk gegründet hat, das er, der Enkel, an die Weltspitze geführt hat: 600.000 Angestellte, ein Dutzend Marken, 200 Milliarden Euro Umsatz. Kein Autohersteller ist größer.

          Angst vor der Rache des Allmächtigen

          Dass Piëch eines Tages zurückschlagen wird, das stand fest, nur über die Art der Rache wurde gerätselt: Verkauft er seine VW-Aktien? Stürzt er den Konzern ins Chaos? Irgendetwas Teuflisches wird ihm einfallen, damit er die Verräter hängen sieht: So reden sie heute über den „Alten“, vor dem sie einst stramm standen. An Wildwest- und Kriegsfilm-Metaphern ist kein Mangel.

          Als im September 2015 der Diesel-Skandal auch den Konzernchef Winterkorn hinwegfegte, sahen dessen Gefolgsleute bereits die dunklen Mächte eines Ferdinand Piëch am Werke. In Wirklichkeit haben nur amerikanische Umweltbehörden ihre Arbeit erledigt. Als die irgendwann der mit krimineller Energie aufgeladenen VW-Arroganz überdrüssig waren, zerrten sie die schändlichen Taten ans Licht. Der Konzern hat sich bis heute nicht davon erholt.

          Genialer Techniker und herausragender Unternehmer

          Nun wähnt man in Wolfsburg wieder Ferdinand Piëch als Rächer unterwegs, wenn er im Laufe der Diesel-Untersuchungen VW-Vorstand und Aufsichtsräte als Mitwisser krimineller Ingenieure beschuldigt. Warum sonst sollte er das tun? Es muss Rache sein. Eine andere Theorie hat niemand zur Hand; nicht seine Familie, erst recht nicht die VW-Manager, die schon um sich selbst zu schützen alles tun, um Piëchs Vorwürfe als den Amoklauf eines starrsinnigen Alten zu deuten.

          Die Erfahrung aber lehrt: So simpel laienpsychologisch ist der Patriarch nicht zu fassen. Der Mann hat sich in seinem Leben als genialer Techniker bewiesen, als ein herausragender Unternehmer – und auch ein Perfektionist düsterer Machtspiele. Nur was führt der bald 80-Jährige im Schilde? Was ist sein nächster Zug? Niemand weiß es, Angst davor haben viele.

          Hochgradig empört

          Hundertprozentig verbürgt ist nicht mal, was Piëch den internen Ermittlern und den Staatsanwälten genau anvertraut hat, als er die Verschwörer von 2015 belastet hat: Martin Winterkorn und die anderen, die ihn damals aus dem Amt gekegelt haben, allen voran die Familie in Person seines Cousins Wolfgang Porsche, dem er seinerzeit angedroht hatte, nie wieder gemeinsam einen Raum zu betreten, dazu das eingeübte VW-Kartell: Politik (Ministerpräsident Stephan Weil), Gewerkschaft IG Metall (Berthold Huber), Betriebsrat (Bernd Osterloh). Alle hätten sie durch ihn viel früher von den Machenschaften erfahren, so soll Piëch ausgesagt haben. Alle hätten sich demnach schuldig gemacht, indem sie die Dinge haben laufen lassen – bis zu jenem Tag im September 2015, als die Vorwürfe in Amerika publik wurden.

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